Plaue-Neuruppin-Ribbeck – Auf den Spuren Theodor Fontanes

Der Schriftsteller Theodor Fontane feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag. Genau die richtige Zeit, um den Spuren dieses großen deutschen Romanciers zu folgen, der in der Mark Brandenburg zu Hause war. Den meisten sind sicherlich Fontanes Roman „Effie Briest“ und sein Gedicht „John Maynard“  aus dem Schulunterricht bekannt. Er war jedoch nicht nur einer der bedeutendsten Vertreter des kritischen Realismus, sondern Journalist, Dichter,  Theaterkritiker – und Reiseblogger. Er durchstreifte die Mark Brandenburg und den Oderbruch und beschrieb diese Reisen in seinem 5-bändigen Werk „Reisen durch die Mark Brandenburg“. Was gibt es also Schöneres, als einige dieser Orte zu besuchen und sich in die Stimmung des ehemaligen Reisebloggers hineinzuversetzen. Über die Osterfeiertage haben wir uns eine kleine Tour mit 3 Stationen zusammengestellt.

1. Schloß Plaue bei Brandenburg

Nur 10 Minuten von der Stadt Brandenburg entfernt steht das ehemalige Barockschloß Plaue, direkt am Plauer See. Wir verbringen hier einen Nachmittag. Zunächst schlendern wir zum Seeufer. Hier gibt es ein buntes Treiben aus Radfahrern und Spaziergängern.

In kleinen feststehenden Booten kann man hier auch übernachten

An den Tischen des Cafés sitzen Gäste im Sonnenschein. Wir laufen durch die teilweise renovierte Schloßanlage, die im Innenhof ein Restaurant beherbergt.

Dahinter sieht man noch die Reste eines großen Osterfeuers. Wir wollen einige Stationen des Fontanewegs durch den alten Schloßpark gehen. Der Schloßpark wirkt eher wie ein Wald, rechts schimmert immer wieder der See hervor.

Wir erreichen den Fontaneort – hier soll der Dichter oft gesessen und nachgedacht haben. Eine Statue erinnert an ihn.

Weiter geht es zu einer brachialen Rotunde mit riesigen Jadgtierskulpturen und Blick auf den See – von hier wurden früher Tontauben geschossen.

Ein Waldweg führt nun leicht bergauf zum ehemaligen Friedhof. Durch das Engelstor erreicht man die Grabstätten der ehemaligen Grafen.

Die alten Friedhofkirche ist leider geschlossen aber der einzeln stehende Kirchturm lädt zum Betreten auf eigenen Gefahr ein.

Ich wage mich an den Aufstieg – es ist recht abenteuerlich, die Stufen sehen nicht sehr vertrauenserweckend aus und es ist eng. Ich komme direkt an den Glocke vorbei und hoffe, daß sie nicht läuten wird, solange ich in ihrer Nähe bin.

Tausende Fliegen auf der oberen Etage treiben mich schnell wieder zurück. Nach ca. 3-4 km sind wir zurück am Schloß und machen kurze Rast auf der Terrasse des Cafés mit Blick auf den See. Es ist malerisch, wenn auch etwas windig.

2. In der Geburtstags Fontanes – Neuruppin

In knapp 2 Stunden fahren wir von Brandenburg nach Neuruppin – immer quer durch die märkischen Dörfer – das ist viel interessanter als über die Autobahn. Am späten Vormittag kommen wir an. Die Stadt besticht sofort durch ihre großzügig angelegten Straßen und schönen Bauten. Später erfahren wir, daß dieser Umstand einem verheerenden Stadtbrand um 1787 zu „verdanken“ ist bei dem 80% der Stadt abbrannten. Die Stadt wurde danach mit Hilfe des preußischen Königs wieder aufgebaut – mit breiten Straßen, großen Plätzen (zum Exerzieren, da Neuruppin eine Garnisonsstadt war) und schönen zweigeschossigen Häusern. Damit ist die Stadt auch heute noch eines der besterhaltenen städtischen Ensembles des Früh-Klassizismus.

Neuruppin trägt auch den Beinamen Fontanestadt und war auch Geburtstort und Heimat weiterer großer Persönlichkeiten  – von hier kamen der Architekt Karl-Friedrich Schinkel, der Orientmaler Genz und die Schriftstellerin Eva Strittmatter.

Wir checken im Hotel Resort Mark Brandenburg ein – ein wunderschönes modernes Hotel mit angeschlossener Soletherme direkt am Ruppiner Seeufer und nur 2-3 Gehminuten von der Innenstadt entfernt.

Hotel Resort Mark Brandenburg
Überall in der Stadt grüßt die gelbe Fontaneskulptur

Auf der Internetseite des Stadtmarketings von Neuruppin habe ich mir einen schönen Stadtrundgang herausgesucht, den wir nun abarbeiten.

Direkt neben dem Hotel steht die zweitürmige Klosterkirche St. Trinitatis (leider heute geschlossen), ein ehemaliges Dominikanerkloster. Vom Kirchturm soll man einen tollen Blick auf den See und die Stadt haben.

Wiechmannlinde

Wir laufen weiter entlang der Stadtmauer bis zum Bernhard Brasch Platz, dem größten der 3 innerstädtischen Plätze, der früher als Exerzierplatz genutzt wurde.

Der ehemalige Exerzierplatz

Nach einer kleinen Currywurstpause für unseren Sohn geht es weiter zum Fontane-Denkmal.

Schöne Fassaden in den Staßen von Neuruppin

Danach dann zum Tempelgarten.

Dieser wurde vom damaligen Kronprinz Friederich (später Friedrich der Große), der 4 Jahre in Neuruppin lebte, als Amaltheagarten angelegt (Amalthea war eine Nymphe, die der griechischen Sage nach, in eine Ziege verwandelt, das Baby Zeus in einer Höhle versteckte und säugte und ihn somit vor der Ermordung durch seinen Vater Kronos beschützte).  In der Mitte des Garten steht ein Rundtempel – das Erstlingswerk von Georg von Knobelsdorff, später bekannt als Baumeister von Schloß Sanssouci in Potsdam.

Vorbei geht es an der Stadtmauer und dem Stadtmuseum, welches wir morgen besuchen werden.

Der moderne Teil des Stadtmuseums

Nun kommen wir zur Bilderbogenpassage in der ehemaligen Druckerei von Gustav Kühn. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Neuruppiner Bilderbögen in ganz Europa bekannt.

Bilderbogenpassage

Es handelte sich hier um bunte preiswerte Druckbögen mit verschiedenen Themen (erbauliche und deftige Geschichten, aktuelles Zeitgeschehen, religiöse Motive), die in fast jeden Haushalt vorhanden waren.

Neuruppiner Bilderbogen

Wir durchwandern die Bilderbogenpassage, in der es heute verschiedene Läden gibt und landen in der geographischen Mitte der Stadt. Das besondere: hier steht nicht, wie sonst eine Kirche, sondern das Alte Gymnasium.

Altes Gymnasium

Nach dem verheerenden Stadtbrand und ganz im Sinne der Aufklärung, sollte hier ein Zeichen zur Wichtigkeit der Bildung gesetzt werden – es wurde ein Gymnasium neu erbaut mit dem Gibelspruch Civibus Aevi Futuri (Den Bürgern des künftigen Zeitalters). Auch Fontane, Schinkel, Genz und Eva Strittmatter gingen hier zur Schule.

Weiter geht es nun vorbei an der Löwenapotheke, dem Geburstshaus Fontanes in der ehemaligen Apotheke seines Vaters – heute ein Privathaus mit Apotheke und nicht zu besichtigen.

Daneben findet man die wunderschön kuschelige Fontanebuchhandlung. Es folgt die Pfarrkirche St. Marien, die heute als Kulturkirche ein Veranstaltungsort ist – auch wir werden hier heute Abend noch eine Lesung besuchen.

Pfarrkirche St. Marien

Vorbei am Schinkel-Denkmal gehen wir Richtung Neuer Markt.

Schinkeldenkmal

Hier findet man den ältesten Teil der Stadt mit Fachwerkhäusern, die vom Stadtbrand verschont wurden. In der Mitte des Platzes ein riesiger wunderschöner Spielplatz mit großzügigen Kletternetzen, Wasseranlagen mit Pumpe und Sandbaggern.

Blick auf den Neuen Markt

Wir entdecken an einer Ecke ein Weinhaus und lassen uns hier zu einem kurzen Imbiß mit gutem Weißwein nieder.

Nun geht es durch die Siechengasse (ehemalige Hospitalstraße mit Kapelle) zurück zu unserem Hotel.

Siechengasse

Neben dem Hotel am See is noch die Stahlskulptur „Parzival am See“ bemerkenswert.

Zurück zu unserem Hotel am See
Parzival am See

Den Rest des Nachmittags verbringen wir in der schönen Soletherme mit Außensolebecken und Seesauna. Danach haben wir Karten für eine Fontanelesung in der Kulturkirche: Rainald Grebe und Tilla Kratochwill lesen aus den Ehebriefen von Theodor und Emilie Fontane.

Lesung in der Pfarrkirche

In kurze Zeit bekommen wir einen tiefen Einblick in das damalige Leben des Paares und in ein Stück Zeitgeschehen. Die Familie lebte fast durchgehend in prekären finanziellen Verhältnissen. Fontane schlug sich als Journalist und Korrespondent durch und verbrachte einige Jahre getrennt von seiner Frau Emilie in London, die währenddessen alleine die Kinder großzog. Den literarischen Durchbruch erzielte Fontane erst mit den bekannten Romanen seines Spätwerkes (da war er schon über 70 Jahre alt). Deutlich wird in den Briefen auch, daß Emilie ihm eine kluge und ebenbürtige Partnerin war. Die mit viel Humor vorgetragenen Briefwechsel, die teilweise ganze Wortgefechte waren, werden uns noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. Wir lassen den Abend in der Kaminbar des Hotels ausklingen.

Über den Neuen Markt zurück ins Hotel

Am nächsten Morgen besuchen wir die Ausstellung Fontane200 im Stadtmuseum.  Die wunderbar kuratierte Ausstellung ist ein Fest für alle, die Sprache und Worte lieben – Fontane war ein gewaltiger Wortkünstler, der auch gerne neue Worte erfand und viel mit Stilistik und Interpunktion spielte.

Impressionen der Ausstellung Fontane200

Wir tauchen ein in diese Wortwelt. Wir erfahren etwas über Fontanes Schreibwerkstatt, besuchen den Effie Briest Raum (hier kann man den Roman noch einmal ganz anders über Worte erschließen) und erfahren viel über Fontane und seine Hobbies. Eine sehr empfehlenswerte und unterhaltsame Ausstellung.

Im Effie-Briest-Raum

3. Unterm Birnbaum auf Schloß Ribbeck

Vielen ist das Kindergedicht Fontanes „Herr Ribbeck vom Schloß Ribbeck im Havelland….“ bekannt.

Fontane‘s berühmtes Gedicht

Auf der Rückfahrt von Neuruppin beschließen wir an dieser Kultstätte der Birne halt zu machen. Ribbeck ist ein kleines malerisches Dorf, zentriert um das ehemalige Herrenhaus der Ribbecks – heute Museum (Neueröffnung der Fontaneausstellung am 1. Mai 2019), Standesamt, Restaurant.

Schloß Ribbeck

Museumseingang mit Riesenbirne

Für das Museum sind wir leider zu früh (April), aber wir bewundern schon die Riesenbirne am Museumseingang und genießen ein spätes Mittagessen im sehr guten Restaurant. Natürlich stehen hier viele der Speisen im Zeichen der Birne. Ich trinke eine Prosecco mit Birnenpüree, danach einen Salat mir Spargel, Erdbeeren und Birnendressing und eine Portion Wildbratwürstchen mit Birnensenf und Birnensauerkaut. Alles sehr köstlich.

Birnenmenü auf Schloß Ribbeck

Wir besuchen noch die klein ehemalige Hofkirche der Familie Ribbeck.

Kirche Ribbeck

Der Rest des Originalbirnenstamms auf der Familiengruft

Davor war auch der Standort des berühmten Birnenbaums (Anfang des 20. Jahrhunderts vom Blitz vernichte). Ein Stück Originalstamm des Baumes ist noch in der Familiengruft der Kirche zu bestaunen. Ganz im Fontanefieber kehren wir zurück nach Brandenburg.

 

Grüne Soße – Comedy- Wein – Zu Gast beim 12. Frankfurter Grüne Soße Festival

Die Frankfurter Grüne Soße ist das bekannteste Nationalgericht unserer Region – und es gibt so viele Varianten davon wie Köche, die sie zubereiten. Die sieben Kräuter – Schnittlauch, Borretsch, Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer, Petersilie und Kresse – sind Pflicht,  aber alle anderen Beimengungen, ob Jogurth, Sahne, Mayonnaise, Eier usw. bleiben dem Koch überlassen, so daß immer eine ganz spezielle „Grie Soß“ entsteht.

Überall frisch: die Kräuter für die Grüne Soße

Seit 12 Jahren versucht das Frankfurter Grüne Soße Festival, die Besten der Besten der Grünen Soße Köche zu finden und dann jeweils aus ihnen den Jahresieger zu küren. Die Veranstaltung findet jedes Jahr im Mai in einem riesigen Festzelt am Frankfurter Roßmarkt statt. 7 Tage lang kochen jeweils 7 Gaststättenbetriebe (vom Luxushotel bis zur Kantine)  ihre Grüne Soße, die dann in Blindverkostung vom Publikum beurteilt wird. Die jeweiligen Tagessieger treten dann am 8. Tag im Kampf um die Krone an.

Wir sind mit einer Gruppe von Freunden schon seit Jahren Stammgast dieses Spektakels – dieses Jahr haben wir zum ersten Mal Karten für das Finale .

An der Hauptwache vorbei gehen wir ins Zelt zum Rossmarkt.

Anton Le Goff (die Bühnenidentität der Kabarettistin Maja Wolff, die auch die Gründerin des Festivals ist) eröffnet die Show und der Saal brodelt.

Auch Hilde aus Bornheim mit ihrer Kittelschürze ist jedes Jahr dabei

Es gibt Wein, Bier und Äppler satt, heute von einem Weingut aus der Ortenau, die sich wohl leider verkalkuliert haben, da der Rosewein schon nach eine Stunde alle ist. Die Show beginnt mit den „Preußen“, die mit „Frau Rauscher in der Klappergass“ Stimmung machen.

Danach erleben wir einen grandiosen Auftritt der einmaligen Gayle Tufts, die unter anderem auch Donald Trump scharf ins Visier nimmt.

Nun werden die Finalisten vorgestellt. Neben renommierten Restaurants und Hotels sind diesmal auch 2 Restaurants mit ausländischer Küche dabei: die Prager Botschaft und die Cocina Argentina – ob denen wohl eine gute Grüne Soße gelingen kann? Immerhin waren beide schon Tagessieger.

Alle Finalisten auf der Bühne

Und nun beginnt das Spektakel: das fleißige Personal schleppt hunderte von Tabletts mit Grüner Soße herein.

Jeder bekommt sieben nummerierte Gläschen mit dem verschiedenen Grünen Soßen.

Dazu gibt es Pellkartoffeln, gekochte Eier und von der Kabarettistin Hilde aus Bornheim, die jedes Jahr in ihrer Kittelschürze zu Gast ist, auch Fleischwurst.  Die Künsterin Sabine Fischmann begeistert uns mit auf Grüne Soße umgetexteten ABBA Songs (zum Beispiel: „Die Soße schmeckte nicht, sie war sein Leibgericht nach „The Winner takes it all“).

Nun geht es ans probieren:

Diesmal ist es besonders schwer: während man bei den Tagesentscheiden schnell 2-3 Soßen ausschließen kann, sind heute alle 7 (da ja Tagessieger) wirklich gut . Langsam kreise ich mich auf 2 Soßen ein: die 7 und die 5.

Wir wissen ja nicht, von wem sie sind.  Schließlich entscheide ich mich für die 7 und einige unserer Freunde auch und fülle meinen Stimmzettel entsprechend aus.

Der Stimmzettel

Weiter geht es im Programm, Anton Le Goff und alle Künstler begeistern uns mit ihrer Comedy und nehmen uns mit auf eine Grüne-Soße-Reise durch die Welt: wir kommen unter anderem nach  England, Frankreich, Australien, Rußland, Finnland, Argentinien (zu den Klängen von Evita) und Kenia.

Alles spitzt sich auf den Höhepunkt zu – der Verkündung des Festivalsiegers. Der Saal kocht und man kann hier von einer 100% Wahlbeteiligug ausgehen, was man für die anstehende Europawahl nur erhoffen darf.

Es ist soweit, die Köche kommen auf die Bühne und es gewinnt – die Cocina Argentina – mit der Nummer 7. Wer hätte das gedacht – die Argentinier gewinnen beim urdeutschen Gericht. Die Argentinier feiern auf der Bühne und verkünden, daß sie nun den Chimichurri in ihrer Cocina mit grüner Soße ersetzen werden müssen.

Die Festivalsieger – Cocina Argentina

Es kommt zum großen Finale: das Publikum singt die Grüne Soßen Hymne „Über sieben Soßen mußt du gehen…“ nach den Klängen von Karat („Über sieben Brücken“). Hier darf aus urheberrechtlichen Gründen leider nur das Publikum singen.

Die Grüne Soße Hymne

Es war wieder mal ein tolles Erlebnis. Mit einem zufriedenen Lächeln verlassen wir das Zelt und laufen noch kurz hinüber zum Hotel Flemings  um dort auf der schönen Dachterasse noch einen Absacker zu trinken – und freuen uns schon auf das nächste Mal.

Die Dachterasse des Flemings lockt
Mit grandiosem Nachtblick auf Frankfurt

Grüne Soße Festival: jedes Jahr im Mai auf dem Roßmarkt bei der Frankfurter Hauptwache. Karten in 2019 zu 79 Euro inklusive Comedy, Essen und Trinken. Die Karten werden ab ca. November für das darauffolgenden Jahr vorverkauft und da das Festival immer ausverkauft ist, lohnt sich schnelles Handeln.

 

 

Beim Grafen von Weikersheim und beim Deutschorden – Stippvisite im Taubertal

Es ist das lange Faschingswochenende und wir besuchen unsere Familie. Für den Sonntag suchen wir nach einem uns noch unbekannten Ziel für einen Tagesausflug. Nicht weit entfernt befindet sich das Taubertal. Wenn man sich erst einmal damit beschäfigt gibt es ungefähr 101 mögliche Ziele alleine in diesem Gebiet. Hier beginnt auch die Romantische Straße, die bis zum Schloß Neuschwanstein führt. So weit wollen wir heute allerdings nicht. Nach einigem Überlegen entscheiden wir uns für Weikersheim und Bad Mergentheim – also Taubertal für Einsteiger. Den allseits bekannten Touristenmagnet Rothenburg ob der Tauber heben wir uns für ein anderes Mal auf.

In gut einer Stunde erst entlang des Mains und dann entlang der Tauber kommen wir von Wertheim bis nach Weikersheim. Schon von weitem grüßt die Silhouette des Schloßes. Wir parken am Gänseturm in der Altstadt. Der Gänseturm ist besteigbar, aber ist im Winterhalbjahr, so wie auch das kleine Stadtmuseum, geschlossen.

Blick auf den Gänseturm in Weikersheim

Wir kommen auf den schönen großen Marktplatz, der an seiner Westseite vom Schloß begrenzt wird.

Marktplatz Weikersheim

Die Stadt ist menschenleer (es ist Faschingssonntag). Wir betreten die sehr schöne Stadtkirche, auch hier sind wir ganz alleine.

Weikersheim Stadtkirche

Danach geht es über die Zugbrücke rüber zum Wasserschloß. Wir haben Glück, gerade beginnt eine Führung.

Schloß Weikersheim

Mit einer kleine Gruppe brechen wir auf. Wir haben eine sehr wissensreiche und unterhaltsame Führerin. Das Barock und Renaissanceschloß Weikersheim wurde um 1586 vom Graf Wolfgang II von Hohenlohe zum Wohnsitz ausgebaut. Das Besondere: fast alle Räume sind heute noch im Original aus dieser und späteren Renaissance-Umbauten erhalten (Böden, Wände, Möbel). Leider durften wir im Schloß keine Fotos machen, aber im Internet sind sie auf der Website des Schloßes zu finden.

Damals hatte jedes erwachsene Familienmitglied 3 Zimmer: Ein Vorzimmer, ein Audienzzimmer und ein Schlafzimmer, in dem auch teilweise noch Gäste empfangen wurden. Wir erfahren, daß zu jener Zeit rot und rosa als Männerfarben galten und die Zimmer entsprechend eingerichtet waren.  Im Schloß ist es sehr kalt.  Wir sehen wertvolle Ledertapeten, kunstvolle Deckenmalereien und Stuck und es gab sogar schon kleine Toilettenräume. Das unangefochtene Highlight ist jedoch der riesige Rittersaal mit seiner bemalten Kasettendecke, dem riesigen Kamin und Stuckabbildungen von jagbaren Tieren, vom Wild bis hin zum Elefanten und Löwen.  Unsere tolle Führerin versteht es immer wieder, die damalige Zeit für uns zu Leben zu erwecken.

Aus dem Fenstern erhaschen wir einen Blick auf den weitläufigen Schloßgarten mit Orangerie. Im Winter sind jedoch die meisten Bäume abgedeckt.  Ein Besuch in diesem kleinen und feinen Schloß lohnt auf jeden Fall. Im Sommer noch mehr, um auch den Schloßgarten genießen zu können.

Blick vom Schloss auf die Stadtkirche

Zum Mittagessen kehren wir in der urigen Kneipe „Zur Bastion“, früher Zollgefängnis der Stadt,  ein, direkt vom Schloß über den Markt und dann links (Am Weinmarkt, Mühlstraße 14).

Gaststätte „Die Bastion“

Es gibt gute, ehrliche schwäbische Hausmannskost, wie Maultaschen, Spätzle, Grünkernbratlinge, Schnitzel und Bratwurst. Dazu leckeren lokalen Silvaner und einen sehr freundlichen Service.

Gestärkt fahren wir weiter nach Bad Mergentheim. Die Stadt war viele Jahrhunderte ein wichtiger Sitz des Deutschen Ordens – der in diesem Jahr hier sein 800–jähriges Jubiläum feiert – entsprechend viel ist hier los.

Das imposante Stadtschloß, ehemalige Residenz des Ordens lädt zur Besichtigung ein. Ich muß erst einmal einiges über der Orden lernen, der mir so noch kein richtiger Begriff war. Im 11. Jahrhundert gegründet, zunächst pflegerisch tätig, dann als Ritterorden, lehnte sich der Deutschorden an Vorbilder wie z.B. die Templer an und beteiligten sich wie sie an Kreuzzügen ins heilige Land. Bekannt durch ihre weißen Gewänder mit dem schwarzen Kreuz ging der Orden durch eine bewegte Geschichte, in ganz Europa und im nahen Osten, die man im Deutschordenmuseum des Schloßes gut nachvollziehen kann. Besonders war, daß 3 Religionen im Orden Platz fanden: Katholiken, Lutheraner und Calvinisten, wobei der Hochmeister immer von den Katholiken gestellt wurde. Heute existiert der Orden noch auf kleiner Ebene und ist vorwiegend religiös und karitativ geprägt. Geleitet wird der Orden bis heute von einem Hochmeister.

Schloss in Bad Mergentheim

Wir nehmen an einer Führung in einer sehr große Gruppe teil, haben aber hier weniger Glück als in Weikersheim. Die Führung wird in (nicht besonders guten) Versen vorgetragen und ist wirklich langweilig. Schnell machen wir uns selbstständig und können uns das Museum sehr gut über die Infotafeln erschließen.  Eine definitiv sehenswerte und informative Ausstellung. Man kann auch durch die Galerie der Hochmeister schreiten, sieht den noch sehr gut erhaltenen Kapitelsaal und darf Kettenhemden anprobieren.

Historischer Kapitelsaal im Schloß Bad Mergentheim

Neben dem Deutschorden-Museum auch noch interessant: das Mörike-Kabinett – der Biedermeierdichter Eduard Mörike heiratete in Bad Mergentheim und verbrachte einige Jahre seines Leben hier; die Geschichte der Quellen und Brunnen und eine wunderschöne historische Puppenhausaustellung.

Mörikekabinett

Ein besonderes Highlight ist die sogenannte Berwarttreppe.  Diese einzigartige Wendeltreppe wurde 1574 von Blasius Berwart erbaut.  Die Treppe ruht in der Mitte auf feinen, kunstvoll gehauenen Säulen. Von unten in die Mitte gestellt und nach oben fotografiert ergibt sich ein imposantes Schneckenbild das in der Sonne am Treppenhimmel kulminiert.

Blick von unten hoch in die Treppenschnecke der berühmten Berwarttreppe

Die Anlage hat auch noch einen riesigen Garten, der bis runter zur Tauber führt, aber jetzt im Winter natürlich wenig bietet. Insgesamt sollte man noch einmal im Sommer ins Taubertal zurückkommen, wenn es landschaftlich am eindrucksvollsten ist.

Im Café im Park gibt es jede Menge Torten und Pralinen mit Deutsch-Herren-Flair und sehr guten Tee.

Markt Bad Mergentheim

Zufrieden mit dem Tag kehren wir zurück und wissen: das heute war nur ein Appetithappen – das Taubertal hat noch Stoff genug für weitere Besuche, auch mehrtägige Radtouren locken schon.

 

Wein, Wintersonne, Weihnachtsambiente – Hoffest bei Dillmann im Rheingau

Der Rheingau ist immer eine kleine Reise wert. Mit nur 50 Minuten Autofahrt eignet er sich für uns für kleine Wochenendfluchten aus dem Alltag – wir fühlen uns hier immer an Italien erinnert. In den Nähe von Geisenheim und Johannisberg gibt es viele tolle Weingüter.

Für uns ist der schönste Platz in den Weinbergen etwas unterhalb des Schlosses Johannisberg. Hier hat man einen grandiosem Blick auf die Rheinebene, den Rochusberg bei Bingen, die Abtei Sankt Hildegard oberhalb von Rüdesheim und direkt aufwärts blickt man zum Schloß Johannisberg mit seiner alten Basilika (alle einzeln einen Besuch wert). Genau hier befindet sich auch das Weingut Dillmann – wo wir schon seit vielen Jahren regelmäßig zu Gast sind und deren Weine wir lieben und schätzen.

Weingut Dillmann mitten in dem Weinbergen

Einmal im Jahr Mitte November gibt es hier für ein Wochenende das Wei(h)nachtliche Hoffest  – eine wunderschöne Veranstaltung direkt im Weingut. Die Veranstaltung ist  Open Air – geht das im November? Das geht sehr wohl. Wir haben es ausprobiert. Das Wetter ist wunderschön, die Sonne strahlt, so lässt es sich gut eingepackt draußen aushalten. Nach einer kurzen Wanderung durch die Weinberge (wir sind mit Freunden unterwegs) checken wir bei Dillmann ein. Es ist früher Nachmittag  und das Weingut platzt schon aus allen Nähten. Es gibt Livemusik, Weinausschank, Bratwurst, Flammkuchen, kleine Feuerschalen, mehrere weihnachtliche Verkaufsstände. Wir ergattern Plätze an einem der Stehtische, holen uns eine leckere Flasche „Alte Reben“ und genießen die Stimmung. Es ist umwerfend – besonders etwas später, als über der Rheinebene die Sonne untergeht.

Blick vom Weingut Dillmann auf die Rheinebene bei Sonnenuntergang

Einen witzigen Kontrast bieten Sonne, Palmen, Tannen und Weihnachtsdekoration.

Weingut Dillmann – Weihnachtsdekoration bei strahlender Sonne

Wir treffen noch einige Bekannte und begrüßen kurz Annette, die Chefin der Weingutes – wir können unsere Seele baumeln lassen

Zum Abschluß fahren wir zum Abendessen ins Weingut Trenz, das sind nur 5 Minuten mit dem Auto den Berg hoch nach Johannisberg. Wir machen, wie immer, noch kurz Station am Schloss Johannisberg, schauen hinter dem Schloss auf die Rheinebene und in die Basilika.

Abendlicher Blick auf die Rheinebene vom Schloß Johannisberg
Schloss Johannisberg bei Nacht
Schloss Johannisberg Basilika

Dann geht es zum Weingut Trenz: der Eingang von der Parkplatzseite ist spektakulär modern und uns begrüßt ein Weihnachtsbaum aus Weinflaschen.

Weingut Trenz – Weinflaschen-Weihnachtsbaum

Auch hier ist der Laden voll und wir sind froh, daß wir reserviert haben. Wir genießen eine tolle Rieslingsuppe, Trenzburger, Pasta und ein weihnachtliches Dessert. Das Essen hier im sehr hochwertigen Gutsausschank schmeckt uns immer wieder gut. Eine schöne Idee ist die Weinprobe: 3 Weine je 0.1 l in freier Wahl aus der Weinkarte zu einem sehr günstigen Preis – eine gute Möglichkeit, neue Weine kennenzulernen und zu vergleichen. Man muß hier dazu sagen, dass im Rheingau ein 0.1l Glas eine andere Bedeutung hat, es tendiert eher in die Mitte zwischen 0.1 und 0,2. Wir probieren 2 Weissweine und einen sehr leckeren Rotwein aus dem südafrikanischen Weinberg des Weinguts.

3er Weinprobe – „Rheingau 0.1“

Zufrieden lassen wir hier den Sonntagabend ausklingen.

Weingut Dillmann, Geisenheim

Sehr nettes bodenständiges aber gleichzeitig innovatives Weingut mit freundlicher Besitzerfamilie. Seit einigen Jahren in einer tollen Verbindung der Eltern mit den 2 Söhnen, die ins Geschäft eingestiegen sind – es wurde die eine oder andere spannende Innovation eingebracht ohne den bewährten Charakter des Weingutes zu verlieren. Eine wunderbare Auswahl an Weinen und Sekten zu vernünftigen Preisen: Weißweine (Riesling in allen Kategorien und Ausbaustufen), weißer und grauer Burgunder, Blanc de Noir, Muskateller)  Rotweine (Pinot Noir und Merlot)  und sehr gute Winzersekte. Meine persönlichen Favoriten: Riesling Literwein trocken, Riesling Alte Reben, Riesling Reserve im Barrique gereift, Grauer Burgunder, Blanc de Noir, Spätburgunder Reserve im Barrique gereift, Pinot Sekt

Das Weingut hat eine fantastische Lage mit direktem Blick auf die Rheinebene bis rüber zum Rochusberg bei Bingen, auf die Abtei Sankt Hildegard und zum Schloss Johannisberg. Dillmann bietet mehrmals im Jahr Straußenwirtschaft an (besonders schön im Mai zu den Rheingauer Gourmet Tagen wo auch der neue Wein vorgestellt wird), ein Hoffest im November und diverse Weinprobierstände über das Jahr hinweg.  Man kann drinnen und draußen sitzen inklusive einer kleinen Liegewiese mit Liegestühlen im Sommer. Das Weingut eignet sich auch sehr gut für einen Besuch mit kleineren Kindern, da diese hier wunderbar umhertollen können. Zumindest unsere Kinder haben das immer geliebt. Das Weingut bietet neuerdings auch einige Afterworkveranstaltungen in Wiesbaden an, aber das haben wir aber noch nicht ausprobiert.  Wein kann vor Ort gekauft werden oder im Onlineshop. Sehr empfehlenswert

www.weingut-dillmann.de

Weingut Trenz, Johannisberg

Vielseitiges, innovatives Weingut im Ortskern von Johannisberg, angegliederter Gutsausschank mit sehr hochwertiger Küche. Weine kommen aus dem Rheingau, aber auch aus Südafrika unter dem Label Trenz2Two (hier hat der Besitzer auch Weinberge). Gute Weißweine, Winzersekte aber besonders empfehlenswert sind die Rotweine (Pinot Noir aus dem Rheingau und Rotwein aus Südafrika) und der Portwein. Meine Favoriten: die Pinot-Noir Rotweine im Holzfass oder Barriquefass gereift und der rote Trenz2Two aus Südafrika. Großer Parkplatz direkt hinter dem Weingut.

www. weingut-trenz.de

 

Computerspiele-Kultur-Shopping – 2 Tage mit Teenagern in der Fächerstadt Karlsruhe

Die 2 freien Schultage über Fasching im Februar bieten sich immer für einen kleinen Städtetrip in Deutschland an. 2018 entscheiden wir uns für die Fächerstadt Karlsruhe.

Wir haben ein nettes Hotel direkt in der Stadtmitte als Unterkunft gebucht (Hotel Kaiserhof), von dort sind es nur 10 Minuten zu Fuß zum Schloß. Wir kommen Rosenmontag mittags an – die Jecken sind schon unterwegs. Zunächst nutzen wir die gute Innenstadtlage für einen kurzen Shopping-Trip. Einkaufszentren und Läden gibt es zur Genüge.

Marktplatz Karlsruhe

Zum Mittagessen gibt es einen Faschingskrapfen. Danach geht es über den Marktplatz, der gerade renoviert wird direkt zum Schloß. Durch eine gerade Sichtachse vom Markt aus kommen wir dem Schloß immer näher.

Sichtachse zum Karlsruher Schloß
Schloss Karlsruhe

Das ab 1715 erbaute Barockschloß war die Residenz der Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach und sollte ihm als neuer Ruhesitz dienen – daher der Name „Karlsruhe“. Im Landesmuseum des Schlosses, besichtigen wir eine auch für die Kinder sehr interessant historische Ausstellung und lernen dann in einer Multlimediashow im Turmzimmer alles über die Zeit am Hofe Karls und wie Karlsruhe als Planstadt nach 1715 entstanden ist: vom Schloß (als Sonne)  aus sollten die Straßen wie Sonnenstrahlen aufgehen, was dann die Form eines Fächers ergab  – beim Thema Sonne fühlt man sich ein bißchen an Ludwig den 14. erinnert.

Modell der Fächerstadt

Zum Schluß geht es als Teil des Museumsbesuchs eine Wendeltreppe hinauf zum Schloßturm. Von hier oben erschließt sich das ganze Ausmaß der Fächerstadt mit ihrem stahlenförmig vom Schloss verlaufenden Straßen auf der einen Seite und der imposante Schlossgarten auf der anderen Seite.

Blick vom Schloss

Durch die Straße der Menschenrechte schlendern wir am Bundesverfassungsgericht (einem unscheinbaren Zweckbau aus den 50/60er Jahren) zurück zu den Einkaufsstraßen. Wir wollen nun eigentlich das Kulturzentrum am alten Schlachthof besuchen, entscheiden uns aber spontan zu einem Kinobesuch und schauen „Die Auserwählten in der Todeszone“ – die Verfilmung einer Romantrilogie, die ich mit meinem Sohn schon vor 2 Jahren begeistert gelesen habe. Es ist Abend geworden. Wir essen eine leckeren Burger im „Hans im Glück“ – direkt unten in unserem Hotel und fallen dann müde ins Bett.

Karlsruher Schloß am Abend
Hotel Kaiserhof

Für den nächsten Tag haben wir früh einen Besuch der Cézanne-Austellung in der staatlichen Kunsthalle geplant. 9 Uhr morgens, die Kinder schauen uns nur mürrisch an – so beschließen wir, alleine zu gehen und die Kinder ausschlafen zu lassen. Es ist eiskalt und vor der Kunsthalle hat sich schon eine lange Schlange gebildet – es ist der letze Tag der hochgelobten Ausstellung. Wir geben uns ein Ultimatum von einer Stunde –  wenn wir dann nicht drinnen sind, geben wir auf. Es klappt genau – nach ca. 1 Stunde betreten wir den imposanten Bau des Museums. Das Warten hat sich gelohnt. Ich habe noch nie eine so toll kuratierte Ausstellung zu Cézanne gesehen. Bilder aus aller Welt sind zusammengetragen, eines davon habe ich vor 25 Jahren im der Tretjakowgalerie in Moskau gesehen. Wir genießen die Bilder und treiben dann die Kinder aus den Hotelbetten.

Staatliche Kunsthalle
In der Kunsthalle

Für den Nachmittag steht das ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) auf dem Programm – Das ZKM ist zugleich Ausstellung, Forschung, Sammlung, Archiv, Arbeits-und Ausbildungsraum zum Thema Kunst und Medien des 20./21. Jahrhunderts – ein besonderes und damit über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes Projekt (spielt in einer Liga mit dem Centre Pompidou in Paris). Mit der Straßenbahn sind wir  in ca. 15-20 Minuten da.  Das ZKM befindet sich in einer riesigen ehemaligen Fabrikhalle und wirkt wie ein Loft – architektonisch sehr interessant.

ZKM Karlsruhe

Das Museum ist gleichzeitig Mitmachenprojekt und so vielfältig, daß wir an einem halben Tag nur einen Bruchteil der Möglichkeiten erforschen können. Zuerst besuchen wir die Ausstellung „Open Codes“  – Leben in Digitalen Welten. Hier geht es um die Geschichte des Internets und des Programmierens von den Anfängen bis zur Gegenwart. Die Ausstellung ist sehr interaktiv und es gibt verblüffende Experimente und Effekte.

ZKM-Ausstellung Open Codes

Danach testen wir noch verschieden weitere Abteilungen bis wir hören, daß es eine spannende und interaktive Computerspieleabteilung gibt. Wir laufen durch leere Lagerhallen, bis wir endlich am Ziel sind und hier wurde nicht zu viel versprochen. Wir fühlen uns in unsere Jugend versetzt, es gibt alle alten Spiele von Atari, man kann Tetris spielen,  usw.

Computerspielklassiker im ZKM

Mit Begeisterung sind auch unsere Playstation und Wii gewohnten Kinder dabei. Von Raum zu Raum geht es weiter in die Neuzeit und auch Zukunftsvisionen mit Gestensteuerung und Virtual Reality können ausprobiert werden. Plötzlich wollen unsere Kinder gar nicht mehr gehen. Wir geben ihren noch einen weitere freie Stunde zum spielen und lassen uns in der Museumcafeteria zu einem Glass Wein nieder. Dabei  überlegen wir, was wir am Abend noch unternehmen können. Mein Mann will unbedingt in die Oper aber das wäre dann für unsere Teenies doch zu viel verlangt. Wir surfen ein wenig im Netz und entdecken, dass es in Karlsruhe viele tolle Kabaretts gibt. Besonders bekannt ist das Sandkorn, welches an diesem Abend eine Parodie auf Deutschland unter Merkel im Programm hat. Tatsächlich gibt es noch genau 4 zusammenhängende Karten und wir buchen spontan.  Unsere Kinder kommen zurück und finden die Kabarett-Idee nicht lustig – aber es ist gebucht. Wir machen uns zu Fuß durch schöne Wohnstraßen auf den Weg zum Kabarett (ca. 20 Minuten). Unterwegs gibt es noch eine Kleinigkeit vom Döner.  Das Kabarett ist einsame Spitze.  Unter dem Titel „Wir schaffen das“ – erleben wir eine wunderschöne spitzfindige Parodie auf das Deutschland unter der Führung von Merkel und können viel lachen. Selbst Donald Trump ist als „Trumpeltier“ schon eingearbeitet – und auch die Kinder amüsieren sich köstlich.

„Wir schaffen das“ – Kabarett im Sandkorn

Zurück beim Hotel wünschen sich die Kinder noch einmal einen leckeren Burger bei Hans im Glück. Zufrieden fallen alle nach einem aufregenden Tag ins Bett.

Am Faschingsdienstag geht es auf der Rückfahrt noch nach Karlsruhe-Durlach – der ehemaligen Residenz von Karl Wilhelm, bevor er sich das Karlsruher Schloß gönnte. Ein schönes mittelalterliches Städtchen, noch ein wenig gezeichnet von den Spuren des Rosenmontagszuges.

Rathaus Durlach

Wir besichtigen Rathaus und Markplatz und steigen dann steil bergauf zum Turmberg, dem Wahrzeichen der Stadt.

Aufstieg zum Turmberg
Blick vom Turmberg

Der Aufstieg lohnt sich. Vom Turm der Burgruine hat man einen wunderschönen Ausblick bis nach Karlsruhe. Es gibt hier oben sogar ein sehr gutes Sterne-Restaurant („Anders“), das müssen wir uns für das nächste Mal merken.

Karlsruhe hat noch mehr zu bieten, 2 Tage reichen da nicht aus und wir haben Lust auf mehr.

Hotel Kaiserhof, Karl-Friedrich-Str. 12, Karlsruhe. Schönes Hotel direkt am Marktplatz. Schöne Zimmer mit kleinem Balkon und Ausblick, Parkmöglichkeit, netter Service

Hans im Glück, Burger-Restaurant (direkt unten im Hotel Kaiserhof). Viele Sorten Burger, von Fleisch bis vegetarisch-vegan und in allen Kombinationen, sehr schöne kreative Salate, allerdings sehr voll und laut

Schloß Karlsruhe mit Badischem Landesmuseum, Dienstag bis Sonntag geöffnet, der Schloßturm ist nur über das Landesmuseum zu besteigen, interessante Multimedia-Show im Turmzimmer

Staatliche Kunsthalle, 5 Minuten vom Schloss entfernt, Dienstag bis Sonntag geöffnet, wechselnde Sonderausstellungen

ZKM- Zentrum für Kunst und Medien, Lorenzstraße 19, Karlsruhe, ca. 15-20 Minuten per Straßenbahn von der Stadtmitte, sehr empfehlenswertes Multimediamuseum, am besten einen ganzen Tag einplanen, ansprechende Museumscafeteria

Sandkorn Theater, Kabarett, Kaiseralle 11, Karlsruhe, sehr schönes kleines Kabarett-Theater mit tollem Programm

Deutsche Geschichte und römisches Flair – Familientreffen in Aschaffenburg

An einem wunderschönen Samstagmorgen im Herbst 2018 trifft sich unsere Familie (wir 4, meine Eltern, meine Schwester und ihre Kinder) in Aschaffenburg – das liegt genau in der Mitte zwischen unseren Wohnorten.

Ich muß zugeben, dass ich schon tausende Male auf der A3 an Aschaffenburg vorbeigefahren bin, angehalten habe ich jedoch noch nie.

Schloss Johannisberg

Wir kommen aus dem Parkhaus am Schloss direkt auf einen wunderschönen Bauernmarkt, am liebsten würden wir hier sofort einkaufen. Ein paar Meter weiter im Schatten des Stadtschlosses warten die anderen am Weinprobierstand der fränkischen Winzer. Der frische Wein schmeckt gut und wir schmieden Pläne für den Vormittag

.

Letztendlich teilen wir uns in 3 Gruppen: Shoppen, Mediamarkt und Stadtführung. Ich bin bei der Stadtführung dabei. Die Geschichte der Stadt hat es in sich. Wir erfahren, daß Aschaffenburg Teil des Mainzer Kurfürstentums war und über viele Jahrhunderte ein bedeutender Verwaltungssitz und häufiger Aufenthaltsort für Erzbischöfe und Kurfürsten. Unsere Route beginnt im Schloss und dann wandern wir durch die vielen kleine Straßen der Altstadt mit ihren Sehenswürdigkeiten.

So sehen wir z.B. die Stiftsbasilika St. Peter und Alexander und die Jesuitenkirche. Auch gibt es auffällig viele Brauereien. Wir enden bei der interessanten Sonnenuhr am Opernplatz

Stiftsbasilika Peter und Alexander

Wir treffen uns alle wieder zu einem lecken Mittagessen in der Fromagerie Geiß. Das Geschäft ist auf Käse, Antipasti und Nüsse spezialisiert. Die Nussauswahl erinnert an Läden im Mittleren Osten. Wir lassen uns an einem der wenigen Tische nieder und beginnen gleich Nüsse zu knabbern. Die Speisekarte ist mit Quiche, Flammkuchen, leckeren Salaten und Antipasti/Käseplatten sehr abwechslungsreich. Dazu gibt es guten Frankensilvaner.

Am Nachmittag besuchen wir die Korkaustellung im Schloß Johannisberg. Sie steht unter dem Motto „Rom über die Alpen tragen“ und ist die weltweit größte Sammlung von Korkmodellen. Der ehemalige Konditormeister Carl May schuf diverse lebensechte Kork-Modelle von Bauwerken des klassischen Roms. Diese dienten ursprünglich der Tischdekoration bei den Festessen im Schloss. Es findet sich, z.B.  das Colloseum und der Rundtempel in Tivoli. Man findet die Kunstwerke umso beeindruckender, wenn man bedenkt, daß der Schöpfer niemals in Italien gewesen ist. Das Schloss Johannisberg ist eines der schönsten Renaissancebauten Deutschlands. Die Schlosskirche mit Altar ist sehr sehenswert. Die staatliche Gemäldegalerie mit Werken von Cranach, Kirchner und Schad ist zur Zeit leider wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Zum Abschluss geht es durch den malerischen Schlossgarten am Mainufer entlang zum Pompejanum.

Durch den Schlossgarten zum Pompejanum

Es handelt sich hier um den detailgetreuen Nachbau einer klassischen römischen Villa in Pompeji. In Auftrag gegeben wurde der Bau von König Ludwig I. und es sollte Bürgern, die nicht nach Italien reisen können ermöglichen, die alten römische Architektur live zu erleben. Entsprechend fühlt man sich bei Betreten der Villa direkt sofort ins alte römische Reich versetzt. So ein Haus könnte ich mir auch zum Wohnen vorstellen. Von hier gibt es einen tollen Blick zurück zum Schloss.

Blick ins Atrium des Pompejanums
Blick aus dem Pompejanum zum Schloss

Aschaffenburg ist definitiv eine Reise wert und schön shoppen kann man hier auch noch. Wir kommen wieder – auch um den bekannten Park Schönbusch zu besuchen, dafür hatten wir dieses Mal nicht genug Zeit.

Fromagerie Geiß (Laden und Bistro), Sandgasse 29, Aschaffenburg. Riesige Käseauswahl, Nüsse wie im Mittleren Osten. Einige wenige Bistrotische mit frischer leckerer Bistrokarte. Reservierung empfehlenswert.

Die Lahn von oben – bergauf, bergab zwischen Balduinstein und Oberndorf

25 Grad Mitte Oktober – da muß man einfach an die frische Luft. Zur Vorbereitung auf unseren Wanderurlaub in Patagonien wählen wir eine Tageswanderung an der Lahn. Wir haben die Lahngegend schon mit Auto, Kanu und Fahrrad bereist aber noch nicht zu Fuss. Bei unserer Radtour vor 2 Jahren haben wir die große Bergetappe zwischen Balduinstein und Oberndorf ausgelassen. Das holen wir nun zu Fuß nach.

Burgruine in Balduinstein

Balduinstein ist ein sehr malerisches Örtchen, am liebsten würden wir dort gleich bleiben. Durch den Ort geht es vorbei an der alten Ruine direkt steil bergauf zur Schaumburg. Das etwas düstere Schloß im Tudorstil wird gerade renoviert. Das Tor steht weit offen und so wagen wir einen Blick in den Innenhof, der die gigantischen Ausmaße des Schlosses erahnen läßt. Noch ein kurzer Blick von der Schloßmauer ins Tal, weiter kommen wir nicht. Der Bauleiter hat uns entdeckt und komplementiert uns sofort hinaus. In einem Jahr soll alles fertig sein.

Tudorschloß Schaumburg
Innenhof Schaumburg

Über eine steile Treppe geht es wieder hinab und das wird auch das Motto dieser Wanderung: steil bergauf – steil bergab – gerade Strecken gibt es praktisch nicht, so dass diese Wanderung auch das Fitnessstudio an diesem Tag ersetzen kann.

Über Felder geht es weiter – bergauf – zum Highlight Naturdenkmal Gabelstein. Ein kleiner Pavillon auf einem steil herabfallenden Devonfelsen lädt zum Picknick ein. Der Ausblick auf die Lahnschleife nach recht uns links ist spektakulär.  Unter uns die Eisenbahnstrecke mit Tunneleinfahrt.

Blick vom Gabelstein auf die Lahnschleife

Lange können wir uns nicht vom Anblick lösen. Danach geht es flott wieder weiter durch das sogannte Höllenloch, einen etwas düsteren Wald und durch das Örtchen Steinberg. Hier spüren wir die Macht der Mittagssonne auf den Feldwegen – und wir fühlen uns wie im Hochsommer. Der nun folgende Abstieg durch den Wald ins Ruppachtal ist steil und geröllig, wir müssen also auf jeden Schritt achten – ein gutes Training für Patagonien. Gerade unten angelangt geht es extrem steil auf der anderen Seite wieder bergauf, zwischendurch immer ein versteckter Blick auf die Lahn.  Weiter eine Weile entlang der Bahnschienen (obwohl hier nur 1 mal stündlich ein Zug vorbeikommt) mit netten Aussichten auf die kleinen Lahndörfer. Im Wald fallen die Kastanien und Eicheln und es grenzt an ein Wunder, dass uns währen der gesamten Wanderung nicht eine einzige davon auf den Kopf gefallen ist.

Herbststimmung an der Lahn

Über einen verwunschenen Pfad gelangen wir zur Häuserhofquelle, auch „Nonnenpiss“ genannt -eine Quelle, die auch von ehemaligen Nonnenkloster Brunnenburg genutzt wurde. Beim anschließenden steilen Aufstieg (ca. 45 Minuten) zur Klosterruine wird mir klar, warum dieses Kloster zu schnell aufgegeben wurde – alles benötigte Wasser mußte mühsam von der Quelle bergauf zum Kloster transportiert werden. Wir fanden den Aufstieg schon ohne Gepäck anstrengend genug, zumal wir oft eher über umgestürzte Bäume kletterten, als wanderten.

Aufstieg zur Brunnenburg

Das Kloster ist kaum zu erkennen, nur noch wenige verfallene Mauern, dafür ein wunderschöner Blick ins Tal.

Nun kommt die letzte Etappe nach Oberndorf. Die hier vom Wanderführer angekündigten 45 Minuten erweisen sich trotz sehr schnellen Wanderschrittes als 1.5 Stunden. Fast ist es schon dunkel, als Kloster Arnstein am Horizont auftaucht.

Kloster Arnstein erscheint am Horizont

Wir wandern durch Oberndorf zum Bahnhof. Überraschend, dass es hier Weinanbau und Weingüter gibt.

Weinhänge in Oberndorf

Noch ein Blick auf die Lahn von der Brücke, Mit dem Zug geht es zurück nach Balduinstein, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Einen tolle, erstaunlich einsame Wanderung (wenig Menschen auf der Strecke), die mit ihren vielen Bergetappen definitiv den Tagessport ersetzt. In Balduinstein kehren wir bestimmt noch einmal in einer der niedlichen Kneipen ein.

Wanderung, ca. 6 Stunden, 20 km, sehr bergig, einsame Pfade aber ein wunderschönes Naturschauspiel mit tollen Blicken von oben auf die Lahn. Einkehrmöglichkeiten nur am Ausgangs- und Endpunkt, daher Picknick mitnehmen.

Wanderung Nr. 9 „Naturdenkmal Gabelstein“ aus Rother Wanderführer „Taunus“ von Ulrich Tubbesing, Bergverlag Rother, 2010. Gute Markierung durchgängig mit dem „L“

Lutherstadt Wittenberg – Geballte Geschichte auf engstem Raum mit einem Schuss Ostalgie

Ein Kurztrip in die Lutherstadt Wittenberg – genau das richtige,  1 Jahr nach dem Reformationsjubiläum – alles ist neu aber VIEL weniger Menschen. So machen wir uns mit den Kindern von Brandenburg auf – es ist nur eine Stunde Fahrt.

Wittenberg kommt beschaulich daher, wirkt zunächst wie ein Dorf, dann hat es die kleine Innenstadt aber gewaltig in sich. Ich habe noch niemals vorher Mittelalter und Reformationsgeschichte so verdichtet auf engstem Raum gesehen.

Wir beginnen mit einem Besuch der Schlosskirche. Hier finden wir die berühmte „Thesentür“ auf der Luther im Jahre 1517 seine 95 Thesen angeschlagen haben soll. Ob er dies allerdings innerhalb einer Nacht komplett selbst gemacht hat, sei angesichts der schieren Menge dahingestellt. Die Original-Holztür verbrannte bei einem Kirchenbrand und wurde durch eine originalgetreue Bronzereplica ersetzt.

Die berühmte Thesentür von Martin Luther an der Schlosskirche zu Wittenberg
Schlosskirche Wittenberg

Das Innere der Kirche ist sehr schön und hell – Highlights die Gräber von Martin Luther (rechts vom Altar) und Melanchthon (links).

Zum Mittagessen suchen wir uns bewußt ein urige „Ost“-Kneipe und werden mit der ganzen Ladung Ostalgie belohnt. Es gibt traditionelle Soljanka und Bauernfrühstück und ich werde zum ersten Mal in meinem Leben mit „Mutti“ angeredet – dem nur in der DDR üblichen Wort für Mama.

Urige Kneipe bei der Schlosskirche
Traditionelle Soljanka

Da wir nur wenige Stunden haben, schließen wir uns einer 90-minütigen Stadtführung an und kommen in den Genuss einer begeisterten, unterhaltsamen und sehr wissensreichen Stadtführerin.

Nach einer kurzen Einführung im Schatten der Überreste des Stadtschlosses  machen wir zunächst im Cranach-Hof halt. Beindruckend hier zu erleben, dass der Künstler auch ein sehr guter Kaufmann war und zu einem der reichsten Großgrundbesitzer der Stadt gehörte.

Cranach-Hof

Danach geht es zur ehemalige Universität (zur damaligen Zeit weltweit berühmt, heute im Verbund mit Halle nur noch Theologie) der Leucorea (Name kommt von griech. leucos oros = weißer Berg = Wittenberg). Hier lehrten sowohl Luther (als Prof. für Bibelauslegung) und Philipp Melanchthon, Studenten waren z.B. Giordano Bruno. Weiter zum Melanchthon-Haus.

Melanchtonhaus

Von hier beschließen wir dann die Tour am ehemaligen Lutherwohnsitz, heute eine Museum und Hotel.

Lutherhaus und Museum

Anschließend geht es zum Panorama Wittenberg 1517 – hier läßt der Künstler Asisi das Genre des Historienpanoramas (z.B. Borodino) digital neu erstehen. Beeindruckt erleben wir einen Tag im Wittenberg von 1517. Die damalige Zeit ersteht wahrhaftig in uns auf.

Panorama 1517

Mit einem Blich in die Stadtkirche in der Luther regelmäßig predigte und den berühmten Cranach-Altären verabschieden wir uns wieder von der Stadt.

Stadtkirche

Wiederkommen lohnt sich;  z.B. haben wir es nicht geschafft, ins Haus der Geschichte zu gehen, dort wird auf 3 Etagen das Leben der DDR in den 70er Jahren lebendig gemacht.

Haus der Geschichte

„Zur Schloßmühle und die kleinste Kantine der Stadt“ – in der Nähe der Schlosskirche: bodenständige, einfache Mittagsgerichte mit ostalgischem Flair; herzliche Bedienung; netter Innenhof.

25 Stunden Köln mit Teenager

Meine 16 jährige Tochter war noch nie in Köln und so beschlossen wir, in den Herbstferien einen Kurztrip dorthin zu unternehmen. Wichtig war uns, eine Übernachtung einzuplanen, um Köln auch bei Nacht erleben zu können. Von Frankfurt ist man im Zug schnell in Köln, inklusive einer romantischen Fahrt durch das Rheintal.

Um 20 Uhr in Köln angekommen erwartet uns beim Verlassen des Hauptbahnhofs die spektakuläre Kulisse des Doms.

Unser Hotel liegt im Rheinauhafen, ca. 25 Minuten zu Fuss. Wir hätten direkt am Rhein durchlaufen können, das Navi führt uns jedoch über den Heumarkt, auch nicht schlecht, weil wir da gleich unser Restaurant für den Abend suchen können.

Wir trinken zunächst ein Kölsch in der Brauerei Pfaffen. Danach gibt es leckere gefüllte Nudeln im La Tagliatelle (eigentlich sehr touristisch, aber es war spät, nicht so voll und sehr gute Pasta).

Am nächsten Morgen geht es zunächst zum Imhoff Schokoladenmuseum, das liegt ja praktisch vor der Hoteltür, da stört es auch nicht, wenn es gerade in Strömen regnet. Gut, dass wir nicht gefrühstückt haben, denn hier gibt es genug Schokolade zum probieren.  Das Museum ist empfehlenswert. Wir verbringen hier den ganzen vormittag. Wir erfahren viel Wissenwertes zur Kakaopflanze und Kakaoproduktion – wer weiß schon, dass über 60% der weltweiten Kakaoernte aus Ghana und der Elfenbeinküste kommen. Es gibt ein Tropenhaus mit Kakaopflanzen. Am spannendsten ist die kleine Fertigungstraße in der man den Weg von der Kakaobohne, über das Mischen der Schokolade bis hin zum verpackten Täfelchen verfolgen kann- direkte Qualitätskontrolle eines Stückchens frischproduzierter Schokolade inklusive. Am riesigen Schokobrunnen gibt es noch Waffeln mit frischer Schokolade. Weiter geht es zur Kultur der Inkas und Azteken und der Kakaokultur in Europa. Zum Schluß noch eine sehr interessante Ausstellung zur Markenwelt Schokolade und zum Kolonialwarengeschäft. Wer dann noch Hunger hat, kommt im Museumseigenen Kaffee „chocolat“ auf seine Kosten: heiße Schokolade, Schokofondue, Schokotorten, usw.  Das haben wir allerdings ausgelassen.

Danach geht es bei strömendem Regen in die Schildergasse (ca. 10 Minuten vom Schokoladenmuseum) – die Shoppingmeile schlechthin und damit ein Paradies für Teenager. Zwischen all den Konsumtempeln versteckt sich in der Mitte der Straße die kleine schlichte Antoniterkirche. Reinschauen lohnt sich. Jetzt geht es endlich zum Dom, ca. 15 Minuten Fußweg. Wir betrachten erst den beeindruckenden Innenraum und wagen dann den Aufstieg auf den Turm. Dort werden wir mit einer spektakulären Aussicht auf die Stadt belohnt, der Regen hat dafür pünktlich aufgehört

       

Nach einer Stippvisite bei Hermes und Louis Vuitton am Dom mit der Devise „Schauen, nicht Kaufen“ lassen wir uns in einem kleinen italienischen Feinkostgeschäft für eine Mittagsmahlzeit nieder und werden mit hervorragenden Tagliatelle mit Lammragout und Ziegenkäse verwöhnt.

Für 17 Uhr haben wir eine Führung im Farina Duftmuseum reserviert. Auf dem Weg dahin schauen wir noch kurz im alten Rathaus vorbei – nicht so spannend – und dann gibt es plötzlich noch ein Highlight:  auf der anderen Strassenseite sehen wir eine kleine Menschenansammlung von Leuten im Rapperstil. Meine Tochter ist plötzlich ganz außer sich: anscheinend sehen wir gerade einen sehr berühmten Rapper (mir sagt der Name leider nichts) und ihr gelingt noch ein kurzes Video, bevor die Celebrity um die nächste Straßenecke entschwindet. Jetzt geht es zur Duftführung ins Farinahaus. Wir erfahren, dass nicht die Leute von 4711,  sondern der Italiener Farina der eigentliche Erfinder des Eau de Cologne war, lernen einiges über die damaligen Parfümkunden, die Duftherstellung, das Thema Markenrecht und dürfen an verschiedenen Essenzen riechen und sie erraten. Zwischendurch neutralisiert ein kurzes Riechen an Kaffee immer wieder unsere Duftnerven.

Vor dem Abholen unserer Koffer im Hotel schlendern wir noch kurz durch den Rheinauhafen mit den architektonisch beindruckenden L-Häusern.

Am Rheinufer geht es zurück an Menschenschlangen vor den Partybooten, die Silhouette am gegenüberliegenden Ufer leuchtet im Abendlicht und der Dom zeigt sich noch einmal von seiner schönen Seite.

Fazit: Köln ist immer eine Reise wert, es gibt bei jedem Besuch wieder etwas neues zu entdecken und auch für Teenager bringt die Stadt viel Spaß.

Hotel: art’otel cologne am Rheinauhafen, modernes großzügiges Hotel direkt am Rheinauhafen, 2 min vom Schokoladenmuseum, 10 Minuten vom Heumarkt und 20-25 Minuten vom Dom/Hauptbahnhof

Brauhaus Pfaffen am Heumarkt: gutes Kölsch, sehr netter Service

Restaurant „La Tagliatella“ am Heumarkt 52: sehr großes, touristisches Restaurant aber schönes Interieur (hinten), sehr gute gefüllte Nudeln mit individueller Wahl der Pasta-Sauce Kombination und Essensbestellung bis ca. 23 Uhr möglich

Ristorante Collinas am Dom: Feinkost und Mahlzeit, von der Tageskarte wählen (nicht von der Papierspeisekarte, die man zunächst bekommt). Wir hatten tolle Pasta (Tagliatelle mit Lammragout und Ziegenkäse) und gute Burrata mit Parmaschinken. Gute offene Weine (z.B. Lugana)

 

 

Sonnenwanderung zum Möttauer Weiher im Taunus

 

Wir wandern gerne.  Hier in der Nähe nutzen wir gerne die Wandervorschläge des Rother Wanderführers „Taunus“ von Ulrich Tubbesing. Heute, an diesem herrlich Herbstsonnentag wählen wir die 3 Stunden Wanderung „Zum Möttauer Weiher“ im Solmser Land in der Nähe von Weilmünster und Braunfels.

Zunächst geht es vom Wanderparkplatz „Möttauer Weiher“ direkt sehr malerisch am Wasser entlang. Bis auf einen Angler sind wir komplett allein. Danach länger auf der Straße und durch eine Streuobstwiese bergauf bis zur Aussicht „Guck ins Loch“ – eine tolle Aussicht über das Solmser Land, bis hin zum Feldberg und auf auf einen Steinbruch.

Danach bergab ins 1100 Jahre alte Altenkirchen. Sehenswert hier die alten Kirche, ein klassizistischer Saalbau auf den man durch eine kleine malerische Kastanienallee zugeht. Leider ist die Kirche verschlossen aber ein Blick durch die hohen Rundbogenfenster läßt den schönen Saal erahnen.

Nun geht es eine längere Strecke durch den Wald, wir kreuzen die alte Fernhandelsroute Hessenstraße (L3054) und landen schließlich wieder im Möttauer Grund. Dort kommen wir nach kurzem Picknick auf einer Sonnenwiese am Bach wieder zum Parkplatz zurück.

Wanderung, ca. 3.5h Stunden, 14 km, Wanderung Nr. 4 „Zum Möttauer Weiher“ aus Rother Wanderführer „Taunus“ von Ulrich Tubbesing, Bergverlag Rother, 2010. Bis Altenkirchen der Wegbeschreibung und Karte folgen. Ab Altenkirchen hilft Markierung „dicker schwarzer Pfeil“.