Über die berühmte Route 40 nach El Chalten

6.1.2019

Nun geht es endlich nach El Chalten – Argentinien’s offizieller Wanderhauptstadt. Mit einem Shuttlebus, der bereits 7:30 am Morgen losfährt fahren wir zunächst vorbei an landschaftlich schöner Kulisse: Lago Argentino, die Pampa, Gebirge.  Wenn man nicht schläft, kann man schön aus dem Fenster schauen.

Durch die Pampa auf dem Weg nach El Chalten

Wir fahren auf der berühmten Ruta 40. Diese ist mit einer Gesamtlänge von 5.300km nicht nur die längste Nationalstraße Argentiniens sondern gleichzeitig auch eine der längsten Fernstraßen der Welt (in direkter Konkurrenz zur berühmten Panamericana).  Sie startet an der Grenze zu Boliven im Norden und führt dann bis  ganz runter in den patagonischen Süden nach Rio Gallegos.

Nach ca 2 Stunden machen wir einen kurzen Halt an der Herberge La Leona. Diese historische Gastwirtschaft liegt direkt an der Ruta 40 und hat eine interessante Geschichte. Ich zitiere ein wenig aus dem Prospekt von „La Leona“:

Es ist der Ort, an dem 1877 Francisco Moreno (der „Perito“, d.h. Sachverständige Moreno), ein bekannter argentinischer Forscher von einem Puma (einer Berglöwin, Leona) angefallen und sehr schwer verletzt wurde. In der Folge erhielt der angrenzende Fluß den Namen Leona. Natürlich wurde auch der berühmte Perito Moreno Gletscher nach diesem Wissenschaftler benannt.  1994 wurden erste Fähren errichtet, um den damaligen Siedlerstrom von und zum Atlantik zu unterstützen und so war auch die Notwendigkeit einer Herberge geboren, gegründet von einer dänischen Familie.  Besonders spannendes Detail: 1905 sollten 3 Gäste hier für ein paar Tage übernachtet haben, die später von den Herbergsbesitzern auf Fahndungsfotos als die berühmten Bankräuber Butch Cassidy, Sundance Kid und Ethel Place wiedererkannt wurden.

14.159 km nach Frankfurt
Pause beim Parador La Leona
Blick auf die Brücke über den Leona Fluß auf der Ruta 40

Die Herberge „La Leona“ zehrt noch heute von ihrer bewegten Vergangenheit. Inzwischen in dänisch-deutschen Händen, ist es auch das einzige Gebäude auf der Strecke zwischen El Calafate und El Chalten.

Wir fahren weiter und biegen von der Ruta 40 ab auf die Straße nach El Chalten. Nun tut sich bereits die schneebedeckte Bergkulisse vor uns auf.

Da es heute allerdings recht bedeckt ist, sehen wir die ganz hohen berühmten Spitzen des Cerro Torre und des Fitzroy noch nicht.  Links von uns sehen wir immer wieder den riesigen türkisblauen Lago Viedma, der vom Viedma-Gletscher gespeist wird.

Lago Viedma

Nach einer gute Stunde zeigen sich die ersten Häuser von El Chalten.

El Chalten ist in der Tat ein kleines beschauliches Dörfchen mit wenigen Straßen, umgeben von einem phänomenalen Bergpanorama.

Wir wohnen in der Hosteria Kau Si Aike. Die Herbergseltern begrüßen uns überschwänglich und sehr freundlich – allerdings geht es hier nur noch in Spanisch bzw. mit Händen und Füßen. Ich nehme mir ganz fest vor, endlich einen Sprachkurs in Spanisch zu machen.  Unser Zimmer ist tatsächlich um 11 Uhr schon bereit.

Hosteria Kau Si Aike

Wir haben überraschenderweise eine Art  Ferienwohnung mit einer kleinen Küche und Bad im Erdgeschoß und 2 kleinen Schlafzimmern direkt darüber. Das löst besondere Freude bei unserem Sohn aus und er sieht Chancen, daß wir ihm hier einmal Nudeln kochen können. Deshalb suchen wir auch gleich einen der diversen Supermärkte auf, um Vorräte zu besorgen. Der Supermarkt ist nur 5 Minuten entfernt.  Supermärkte muß man sich hier sehr einfach vorstellen und ohne jegliche Technik, es ist für uns eine nette Reise in die Vergangenheit, für die Kinder eine neue Erfahrung (nur auf Cuba haben sie schon Ähnliches gesehen).

Da es Sonntag ist, herrscht in den Regalen teilweise gähnende Leere. Der Supermarkt ist jedoch voll von Backpackern die auch ihre Vorräte auffrischen. Wir finden Nudeln und Tomatensauce und besorgen uns auch gleich Brot, Wurst, Tomate und Käse für Sandwiches für die morgige Tageswanderung. An der Wurst und Käsetheke dauert es unendlich lange. Zum Schluß schleppen wir dann doch einen großen Rucksack voller Lebensmittel weg – Plastiktaschen gibt es hier, ganz umweltfreundlich, erst garnicht.

Für den Nachmittag empfiehlt uns unser Herbergsvater eine kurze (4-5 Stunden!) Wanderung zur Laguna Capri. Wir machen uns auf den Weg.

Zunächst geht es einen Kilometer durch die Hauptstraße an das andere Ende des Dorfes.

Von hier nehmen wir den Senda al Fitzroy, der in ca. 10 km bis zur Laguna de los Tres am Fuße des Fitzroy führen soll.

Senda  al Fitzroy

Wir wollen einen Teil dieses Weges bis zum Mirador Fitzroy gehen. Zunächst geht es 1km recht steil nach oben.

Blick zurück auf El Chalten

Die Wanderwege sind hier sehr gut markiert und nach jedem km steht ein Schild mit dem Kilometerstand der schon zurückgelegt wurde. Das hat Vor-und Nachteile. Auf unebenem, hügeligen Terrain (dem „Patagonian Flat“) fühlt sich  1 Kilometer auch länger an, als in heimischen Gefilden. Nun sind wir schon weit oben und laufen einen recht windigen Höhenweg entlang, der wunderschöne Ausblicke aufs Tal und den Fluß erlaubt.

Blicke ins Tal

Nach ca 5km kommen wir an eine Wegscheide, recht im Bogen geht es zum Mirador Fitzroy, links zur Laguna Capri. Wir wollen zunächst den Fitzroy sehen und wandern deshalb zum Mirador, durch Gestrüpp erreichen wir den Aussichtspunkt und haben eine wunderschöne Sicht auf —— Wolken!

Hinter den Wolken – der Fitzroy

Wir sehen zwar ein paar kleinere Berge, aber der Fitzroy will sich uns heute nicht zeigen. Wir wissen natürlich, daß das hier durchaus ein üblicher Zustand ist, aber hoffen, daß uns in den nächsten 2 Tagen etwas mehr Glück beschieden ist. Wir wanden zurück zur Wegscheide und dann noch linksherum zur Laguna Capri. Diese ist wunderschön und hat sogar einen kleinen Sandstrand.

Annäherung an die Laguna Capri
Laguna Capri

Wir genießen die schöne Natur, schauen noch einmal Richtung Fitzroy, aber weiterhin nichts als Wolken.  So treten wir dann den Rückweg an.

Immer wieder Schafgarbe am Wegesrand

Am frühen Abend sind wir zurück in El Chalten und kochen die heißersehnten Nudeln mit Tomatensauce. Sogar etwas geriebenen Parmesan haben wir ergattert. Das Internet ist wieder rudimentär. Im Frühstücksraum bei der Rezeption ist es ganz gut aber im Zimmer kaum vorhanden.  Am Abend mache ich mit meinem Mann noch einen Spaziergang durch den Ort – wieder begeistern uns die langen, hellen Abende. Die Bergkulisse ist jetzt auch etwas klarer aber immer noch nicht vollständig.

Wir gehen in eine kleine Kneipe und trinken einen Wein bzw. ein Bier. An der Wand ein großer Flatscreen mit Kletterfilmen vom Fitzroy. Die Bilder sprechen für sich.

Kneipe Monte Rojo

Müde kehren wir zu unserer Unterkunft zurück. Mal sehen, was das Wetter morgen bringt, wir haben schon einen Wanderplan.

Hosteria Kau Si Aike – einfache aber sehr, sehr nette Unterkunft mit gutem Frühstück (Müsli, Eierspeisen, Toast, Käse, Schinken und Kuchen). Abends gibt es eine öffentliche Bar und auch die Möglickkeit, kleine Gerichte zu essen.  10 Zimmer, davon 2-3 als Maisonette mit kleiner Küche, was das Kochen und bereiten von Picknicks für die Wanderungen sehr unterstützt. Auf die Wanderungen muß man sich hier komplette Verpflegung (Essen und Trinken) mitnehmen. Es gibt keine Einkehrmöglichkeiten. Das unheimlich freundliche Herbergsehepaar hilft bei allen Themen. Allerdings sprechen sie kaum Englisch was die Verständigung etwas erschwert aber nicht unmöglich macht – mit gutem Willen von beiden Seiten haben wir immer alles hinbekommen.

 

 

Meterhohe Eisschollen – mit dem Katamaran durch die Gletscherwelt von Los Glaciares

5.1.2019

Heute stehen noch ein letztes Mal Gletscher auf dem Programm. Am frühen Morgen fahren wir nach Puerto Bandera und begeben uns auf eine 5-stündige Katamaranfahrt über den Lago Argentino. Der Katamaran selbst ähnelt im Inneren einem Ausflugsdampfer mit sehr wenig Platz. Alle Plätze sind besetzt. Der Katamaran düst gleich mit sehr hoher Geschwindigkeit los. Als wir dann nach 20 Minuten nach draußen dürfen, wird es spannend. Das hohe Tempo und die Wellen des Sees sorgen für so viel Wind, daß Mütze und Sturmhaube vorm Gesicht Pflicht sind. Man kann sich zunächst kaum auf den Beinen halten.  Wenn dann einmal die Balance gefunden ist, macht es einen Riesenspaß, sich durchpusten zu lassen und auf den See und die umliegenden Gebirge zu schauen.

Stück für Stück tauchen die ersten Eisschollen auf. Die kleineren kennen wir ja zur Genüge, aber was wir jetzt sehen hat eher die Größe von mehrstöckigen Häusern und wir rasen in direkter Nähe vorbei. Es ist beeindruckend.

Eisberg mit Sedimenten

Wir sehen die tollsten Formen und Farben, besonders schön die Eisberge in tiefem Blau (obwohl wir ja eigentlich wissen, daß das nur eine optische Täuschung ist, denn in Realität sind die Eisberge klar und durchsichtig).

Die etwa 1.5-stündige Fahrt vergeht wie im Flug und wir nähern uns dem berühmten Upsala-Gletscher. Dieser riesige Gletscher hat traurige Berühmtheit weil er sich seit mehr als 100 Jahren rasant zurückzieht und schon mehrere Kilometer Länge verloren hat. Wo wir heute fahren, war 1950 noch Gletscher.

Blick auf den sich zurückziehenden Upsala-Gletscher

Wir halten vor dem Gletscher und haben Zeit, ihn zu betrachten. Danach geht es weiter durch die Arme des Sees, an diversen Gletschern, Wasserfällen und vielen Eisschollen vorbei bis zum imposanten Spegazzini-Gletscher.  Dieser gewaltige Gletscher wird zusätzlich noch von einem zweiten Gletscher gespeist, der von der Seite kommt. Er hat eine riesige zerklüftete Abbruchkante mit tollsten Formen und Spitzen.

Spegazzini-Gletscher

Hier, in unmittelbarer Nähe, verweilt der Katamaran für ca. 40 Minuten und natürlich sind jetzt alle draußen, schießen Fotos  – vom Gletscher, von sich und dem Gletscher – und staunen.  Auch ein professioneller Fotograf bietet seine Dienste an. Es ist gute Stimmung.

Zum krönenden Abschluß trinken wir einen Sekt auf Gletschereis.

Nun geht es wieder 1.5 Stunden zurück, alle sind irgendwie müde und schlafen.

Nun haben wir noch ein paar Stunden Zeit in El Calafate. Mein Mann und ich erkunden die Uferpromenade.

Uferpromenade
Blick auf El Calafate von der Uferpromenade

Zunächst besichtigen wir das Malvinas-Denkmal. Die Malvinen sind eine Patagonien im Atlantik vorgelagerte Inselgruppe, die wir unter dem Namen „Falklandinseln“ kennen und die Argentinien im Falklandkrieg in den 80er Jahren nicht von englischer Besatzung zurückerobern konnte. Es gibt hier sehr viel Patriotismus zu diesem Thema.

Denkmal zu Ehren der argentinischen Opfer im Krieg um die Malvinas (Falklandinseln)

Nun  probieren wir das eine oder andere Fitnessgerät aus und versuchen den Fluß entlang zu wandern, was aber leider nicht geht.

Fitnessgerät an der Uferpromenade

Man wird immer wieder Richtung Haupstraße zurückgedrängt.  Wir besichtigen die kleine Stadtkirche und machen Station bei der deutschen Bäckerei, um ein Franzbrötchen – hier Barbara genannt – zu essen.  Ich kann hier auch noch ein paar Bilder hochladen, das war im schwachen Hotelinternet mal wieder nicht möglich.

Stadtkirche von El Calafate

Wir beschließen die Station El Calafate mit einem schönen Dinner im Restaurant Mako (nur 3 Minuten vom Hotel entfernt). Wir mußten hier tatsächlich gestern schon reservieren, um einen Platz zu ergattern. Natürlich gibt es die bekannten, hier sehr guten, Asadoteller, aber wir probieren auch ein leckeres Risotto mit Lammfleisch und einen sehr guten Weißwein aus Mendoza.

Typischer Blick in ein Grillrestaurant- den ganzen Tag wird hier das Fleisch langsam durchgegrillt

Mit vollem Magen geht es zurück zum Hotel. Die Koffer wollen wieder gepackt werden.

Ein Tag am berühmten Perito Moreno Gletscher

4.1.2019

Heute widmen wir einen ganzen Tag dem berühmten Perito Moreno Gletscher. Wir fragen uns, ob wir nach all den tollen Gletschern, die wir auf dieser Reise schon gesehen haben, noch beeindruckt sein können.

El Calafate befindet sich in der Nähe des Südlichen Eisfeldes welches sich über große Teile Patagoniens hinzieht und viele große und berühmte Gletscher beherbergt.

Der Perito Moreno ist einer der größeren Gletscher mit einer Länge von 30km und besonders berühmt durch seine tolle Lage an einem Kanal des Lago Argentino und die Möglichkeit, ihn so nah betrachten zu können. Er ist auch, im Gegensatz zu vielen anderen Gletschern im Nationalpark Los Glaciares, stabil.

Am frühen Morgen machen wir uns mit einer Führerin auf den Weg in den Nationalpark. Der Gletscher ist ca. 80km von El Calafate entfernt. Wir fahren entlang des Lago Argentinos – ein riesiger Gletschersee mit sehr bewegtem Wellengang aufgrund der heftigen Winde. Wir erreichen nach ca. 1 Stunde dieTore des Nationalparks.

Lago Argentino – größter See Argentiniens
Im Nationalpark

Nach weiteren 15 Minuten sehen wir den Perito Moreno zum ersten Mal aus der Ferne. Von hier sieht er noch relativ unspektakulär aus.

Erster Blick auf den Gletscher von der Ferne

Auf der Weiterfahrt sehen wir diesmal einen Kondor unter uns im Tal schweben. Die weißen Federn auf den Flügeln ganz klar von oben erkennbar.

Am Gletscher angekommen haben wir ca. 2 Stunden Zeit, ihn aus der Nähe zu begutachten. Es gibt einen riesigen Aufbau von Holzstegen und Besucherterassen auf der dem Gletscher hervorgelagerten Halbinsel. Es gibt mehrere Wege um sich dem extrem langggestreckten und 60m hohen Gletscher zu nähern. In der Mitte finden sich die allgemeinen Besucherterassen. Nach rechts und links gehen Wanderwege ab auf denen man sich die Nord und Südseite des Gletschers erschließen kann. Diese dauern inklusive Fotostopps je 45-60 Minuten.

Es ist hilfreich, zeitig zu kommen (wir waren zwischen 10-12 Uhr da),  um genügend Freiraum auf den Terassen zu haben. Am Nachmittag ist es meist sehr voll.

Spitz nach vorne ragt die Abbruchkante des Gletschers

Beindruckt gehen wir zunächst zur Gletschermitte. Der Perito Moreno ist riesig und ändert mit verändertem Sonnenstand seine Erscheinung. Man kann sich kaum satt sehen, weil es immer wieder neue Perspektiven gibt.

Ab und zu lockert ein laut tösender Abbruch die Szenerie auf. Wir wandern den blauen Weg auf der rechten Seite des Gletschers und sind immer wieder beeindruckt. Das Wasser um den Gletscher herum ist milchig weiß, die sogenannte „Gletschermilch“. Später in der Nachmittagssonne wird es sich dann türkis färben. Wir sind überrascht vom starken Wellengang des Lago Argentino (größter See Argentiniens), der uns mit seiner Brandung fast an ein Meer erinnert.

Am Nachmittag gehen wir auf eine 1-stündige Katamaranfahrt, um die linke  Seite des Gletschers zu erkunden. Diese ist auf jeden Fall empfehlenswert (ca. 20 Euro pro Person). Es geht über den See vorbei an beeindruckenden riesigen Eisschollen und man kommt bis auf 200m an den Gletscher heran. Von unten wirkt er noch einmal beeindruckender.

An der Gletscherkante
Tunnel unter dem Gletscher
Tiefe Gletscherspalten

Abgebrochene Eisschollen

Wir erfahren, daß es auch die Möglichkeit gibt, auf dem Gletscher zu wandern, aber kurzfristig sind leider keine Plätze mehr frei. Das ist schade. Zumindest das Minitrekking für 3 Stunden entlang der Moräne und dann direkt auf dem Gletscher hätten wir gerne mitgemacht. Hier empfiehlt sich in der Saison eine Vorabbuchung.  Es gibt auch noch ein Tagestrekking welches jedoch mit seiner Altersrestriktion (18-45 Jahre) für keinen von uns in Frage gekommen wäre.

Beeindruckt fahren wir am Nachmittag zurück nach El Calafate.

7km außerhalb von El Calafate gibt es noch ein Gletschermuseum (Glaciarum), mit einem Shuttlebus vom Stadtzentrum erreichbar. Dies lassen wir jedoch aus.

Im Supermarkt frischen wir unseren Vorräte auf und holen uns Brot für das Abendessen aus der deutschen Bäckerei.

Deutsche Bäckerei in El Calafate auf der Hauptstraße

Nachlese zum Patagoniacamp und der lange Weg nach El Calafate

3.1.2019

Heute heißt es schon wieder Abschied nehmen vom Torres El Paine, von Chile und vom Patagoniacamp. Da das Patagoniacamp für uns eine einmalige Erfahrung war, möchte ich es heute noch einmal näher beschreiben.

Das Patagoniacamp (www. patagoniacamp.com) ist ein einzigartiges Ökocamp direkt vor den Toren des Torres El Paine Nationalparks, sehr malerisch und einsam auf einem sehr großen privaten Waldgrundstück am Lago Torro gelegen.  Das Camp ist komplett ökologisch aber gleichzeitig sehr luxuriös gehalten – vergleichbar mit afrikanischen hochwertigen Lodges.

Es besteht aus 20 Jurten im mongolischen Stil, 3 davon sogenannte Family Yurts (2 verbundene Jurten in denen eine ganze Familie übernachten kann). Die Jurten sind malerisch im Wald am Berghang angeordnet mit Blick zum See.

Blick über die Jurten auf den Lago Torro

Sie sind über Holzstege verbunden.

Die Jurten sind groß und sehr gemütlich eingerichtet mit Schaffellen und indigener Kunst.

In der Mitte der Kuppel ist eine große Sichtöffnung, die am Tag viel Licht und nachts, wenn es nicht bewölkt ist, die Sterne hereingucken läßt.

Einige Jurten haben einen Outdoorjacuzzi, der auf Wunsch angestellt wird.

Außenjacuzzi

In der Mitte des Camps liegt das wunderschöne Rezeptionsgebäude mit Speisesaal und Lounge, mit tollem Blick auf den See.

Gemütliche Lounge im Rezeptionsgebäude

Daneben noch der loungeartige „Puma-Room“. Dort finden Briefings für die Trekkings und Exkursionen statt und abends kann man hier entspannen.

Auch im Patagoniacamp ist etwas digital detox angesagt, den WiFi gibt es nur im Rezeptionsgebäude und im Pumaraum und auch das sehr langsam, nicht geeignet für größere Downloads oder in meinem Fall Foto-Uploads.

Durch die geringe Gästezahl ist alles sehr familiär und man kennt sehr schnell alle Gäste und Angestellten. Die Angestellten sind sehr freundlich und kompetent und sprechen neben Spanisch sehr gutes Englisch.

Frühstück, Mittagsessen und Dinner werden jeden Tag serviert und es gibt eine tolle Bar mit allem was man sich wünscht – und das alles als Teil des all-inclusive Konzepts. Bei Tagesausflügen kann man sich ein Lunchbox bereiten lassen.

Restaurant

Das Beste ist jedoch die sehr breite Palette an Exkursionsangeboten. Es ist für jeden Fitnesslevel etwas dabei und auch für unterschiedlichen Informationshunger (Flora, Fauna, Gletscher, Berge, Höhlen…) Die Gruppe der Guides ist eine der besten, die ich je erlebt habe. Alle selbst Outdoor- und Naturfreaks aus verschiedenen Orten in Chile, die den Torres El Paine Park mit Begeisterung vermitteln und das alles mit sehr viel Spaß und Humor – fast alle Wünsche sind möglich.

Ich habe ja 2 der Wanderungen, die wir gemacht haben, beschrieben, könnte aber glatt noch 10 Tage verlängern, weil es so viele gute weitere Optionen gibt.

Das mit der Verlängerung ist allerdings ein Problem – Allen, denen ich jetzt Lust auf das Patagoniacamp gemacht habe, sei gesagt, daß das Camp für die nächsten 1.5 Jahre so ziemlich ausgebucht ist. Nur mit Glück findet man hier noch eine Lücke – also bitte vorplanen.  Wir haben schon  vor über einem Jahr gebucht und hatten hervorragende Unterstützung von America Andina, um noch einen Platz in der Hochsaison zu ergattern.

Letzter Blick vom Patagoniacamp über den Lago Torro

Nun müssen wir uns verabschieden. Um 10 Uhr steht unser Van bereit und es geht ab Richtung El Calafate, quer durch die Pampa. Nach 1 Stunde haben wir die chilenische Grenze erreicht. Die Formalitäten sind hier jedoch um ein Vielfaches simpler als bei der Einreise nach Punta Arenas und genauso nach ca. 300 Metern Niemandsland bei der Einreise nach Argentinien.

Nun geht es stundenlang durch die Pampa, ohne eine Haus zu sehen. Ab und zu rechts oder links eine Schafherde, ein Lama, oder ein paar Kühe.

Nach 5 Stunden zeichnen sich dann wieder Berge am Horizont ab und bald haben wir El Calafate erreicht.

Wir wohnen im Hotel Sierra Nevada, auf der Hauptstraße ca. 500m vom Stadtzentrum. Es ist ein nettes, ruhiges Hotel mit einem wunderschönen Garten voller Wildblumen und Kirschbäumen. Durch den Garten geht es auch direkt zu einer Uferpromenade und einer wunderschönen Lagune. Das Hotel ist mit Fitnessraum, sehr günstigem Wäschereiservice und Restaurant ausgestattet.

Hotel Sierra Nevada El Calafate Eingang
Garten Sierra Nevada Hotel

Wir schlendern am frühen Abend noch durch El Calafate. Die Zeit scheint hier eine Runde langsamer zu gehen. Die Autos fahren im Schritttempo, die Menschen laufen sehr langsam. Viele Hunde sind auf der Straße und laufen immer mal einen Schritt mit. Eigentlich gibt es in Calafate nicht wirklich etwas zu sehen. Es ist eine kleine Stadt von 20.000 Einwohnern die lediglich als Basis für Ausflüge zu den Naturattraktionen der Umgebung dient, alles in allem sehr touristisch. Es gibt eine Hauptstraße – Avenida del Libertador – die im Wesentlichen aus Restaurants, Hotels, Outdoorgeschäften, Souvenirshops und Reisebüros besteht, damit ist das Schlendern auf dieser Straße auch recht schnell langweilig. Wir finden ein interessantes Geschäft mit einheimischer Handwerkskunst: „Tribus del Sur“ (Avenida del Libertador 1440, 200m von unserem Hotel) Das können wir empfehlen, wenn man nach einem etwas besonderen Mitbringsel sucht.

Hauptstraße El Calafate

Wir essen im Hotel eine Kleinigkeit zu Abend und freuen uns schon auf dem morgigen Ausflug zum Perito Moreno Gletscher.

 

Trekking Base Torre – Der lange Aufstieg zu den „3 Türmen des blauen Himmels“

2.1.2019

Heute ist es soweit – die Wanderung zu den „ 3 Türmen des blauen Himmels“, den Torres El Paine, steht an. Die 3 Türme (Torres) sind das Wahrzeichen und der Namensgeber des Torre El Paine Parks.  Es handelt sich um 3 hoch in den blauen Himmel aufragende Granitzinnen, die, um sie komplett zu sehen,  nur über eine extrem beschwerliche Wanderung zu erreichen sind.  Hier im Camp werden 40 Wanderungen und Exkursionen angeboten, 4 davon fallen unter die Kategorei „extrem schwer“ und die Base   Torre ist eine davon. Es handelt sich um eine Strecke von ca 23 km. Wir werden einen Höhenunterschied von 700 Metern nach oben und dann wieder nach unten überwinden. Das klingt erst einmal nach nicht so viel. Wenn man aber bedenkt, daß diese Höhe durch ständiges auf-und ab mehrfach durchlaufen wird und das alles auf extrem unebenen Gelände, dann ist das schon eine andere Hausnummer.

Wilde Bergwelten

Aufgeregt treffen wir uns um 7 Uhr morgen mit unseren Guides und den ca. 8 anderen Weggenossen. Als ich die sehe, frage ich mich, ob es die richtige Entscheidung war, allesamt junge Paare die sehr fit aussehen. Ist die Wanderung etwa nur etwas für Cracks? Es scheint nicht so üblich, daß eine ganze Familie mitwandert. Unser Führer Nacho von gestern ist wieder dabei und Chris, der uns zugeordnet wird.

Zunächst müssen wir mit dem Bus fast 2 Stunden tief in den Park fahren um an den Ausgangspunkt der Wanderung (Estancia Torre) zu gelangen. Nun geht es los. Nacho gibt ganz schön Gas und wir laufen recht schnell. Nach dem ersten Kilometer bleiben wir stehen und bekommen die Empfehlung, ein paar unserer Kleiderschichten abzulegen, denn ab jetzt geht es 3 km steil bergauf über extrem geröllige und steinige Strecken.

Von nun an wird es auch keinen geraden Meter mehr geben. Das Tempo ist recht hoch und es wird schon anstrengend. Nach einer guten Stunden sind wir auf dem Paß der Winde angelangt- hier wedelt der Wind und wir ziehen zumindest Windbreaker und Mütze wieder über. Das Panorama von hier ist atemberaubend.  Unter uns rauscht der wilde Ascensio Fluß.

Ascensio Fluß

Nun geht es wieder steil bergab zum Refugio Chileno. Hier übernachten auch die Wanderer, die das berühmte „W“ , eine bekannte Mehrtageswanderung im Torre El Paine,  durchlaufen. Der Weg zum Base Torre ist Teil dieser Strecke. Wenn wir immer wieder diese Wanderer mit ihren schweren Rucksäcken (Zelt, Schlafsack, Essen – alles muß mitgeschleppt werden) treffen, sind wir froh, daß wir diese Wege nur mit einem kleinen Tagesrucksack überwinden müssen.

Von der Estancia Torre gibt es übrigens auch die Möglichkeit mit dem Pferd bis zum Refugio Chileno zu gelangen. Danach geht es aber für alle zu Fuß weiter.

Pferdeparkplatz am Refugio Chileno

Nach einer kurzen Pause geht es nun durch den Wald mehrere Kilometer im sogannten „Patagonian Flat“ über geröllige Wege, marode Flußüberquerungen und tiefe Wurzeln. „Patagonian Flat“ bedeutet, daß es ständig steil bergauf und bergab geht aber ohne wirklich viele Höhenmeter gut zu machen.  Wir sind so eifrig dabei, daß wir kaum Fotos schießen.

An den wilden Gletcherflüssen können wir immer wieder unsere Trinkflaschen auffüllen

Nach guten 3 Stunden Trekking kommen wir zum letzten anspruchsvollen Teil der Wanderung: der Wald lichtet sich und wir befinden uns vor einer riesigen Moräne: ein weites Feld mit losem Geröll und großen Felsbrocken. Verlockend lugen am oberen Rand des Moränenfeldes die Spitzen der ersten 2 Zinnen hervor.

Erster Blick auf die Spitzen der Torres

Jetzt heißt es ca 50 Minuten Klettern über die Moräne, um etwa 350 Höhenmeter gut zu machen. Der Wind pfeift mit 60-80km/h – manchmal muß man aufpassen, daß man nicht umgeweht wird.

Wenn etwas Zeit bleibt, ergeben sich tolle Blicke auf das umliegende Bergpanorama.

Dazu kommt, daß der Trek, trotz seiner Schwierigkeit sehr belebt ist. Es sind viele Menschen unterwegs und es gibt auch gehörig Gegenverkehr von denen, die schon vom Gipfel zurückkehren – und das alles auf sehr schmalem Pfad – langsam aber kontinuierlich kämpfe ich mich vorwärts, immer im Bewußtsein, daß auch noch Kraft für den noch schwierigeren Abstieg bleiben muß. Die Kinder sind wie kleine Berggemsen schon längst einige Meter höher.

Nach einer letzten Anstrengung bin ich oben: das Amphitheater mit den 3 großen Granitzinnen, den „Torres“ tut sich vor mir auf, davor ganz malerisch sogar ein kleiner türkisblauen See.  Die Torres haben etwas Magisches. Sie leuchten in einer leicht rötlichen Farbe – wie muß das erst zum Sonnenaufgang aussehen. Wir haben Glück, es gibt wenig Wolken und wir können alle 3 Zinnen komplett sehen.

Das Amphitheater der Torres El Paine mit Gletschersee

Geschafft wollen wir uns auf den Steinen zu einem Picknick niederlassen.  Weit gefehlt: der Wind pfeift, wir können uns kaum auf den Beinen halten, Sand weht uns in die Augen. Wir suchen etwas Schutz hinter einem großen Stein, um etwas zu essen, aber auch das ist total ungemütlich.

Ich packe mich ganz fest in meinen Windbreaker und Sturmhaube, stelle mich für ein paar Minuten an den Rand des Sees und blicke auf die 3 Zinnen. Es ziehen ein paar Wolken auf und beginnen die Zinnen zu umhüllen. Das gibt dem Ort eine mystische Aura.

Mystische Stimmung mit aufkommendem Nebel

Der Anblick ist der Mühe wert – vor allem, weil es auch keine andere Möglickeit gibt, sonst hierher zu kommen. Ich bin glücklich, aber gleichzeitg graut mir auch vor dem Abstieg.

Geschafft!

Zum Glück haben uns unsere Guides mit Walking Poles ausgestattet. Diese Wanderstöcke sind beim Abstieg Gold wert und schonen die Kniegelenke.

In mühevoller Kleinarbeit geht es über die Steine der Moräne wieder bergab. Hier ist Konzentration und Trittsicherheit gefragt. Ja und dann geht es den ganzen Weg wieder zurück. Zwar braucht man hier weniger Kondition aber muß sich konstant konzentrieren. Jede Träumerei wird mit einem Stolperer belohnt. An einem malerischen Gletscherfluß füllen wir unsere Flaschen wieder auf. Der Rückweg gibt auch Gelegenheit, die Umgebung noch einmal besser nachzuvollziehen. Wir gehen durch faszinierende Bergwelten.

Trotz des Abstieges verlangt uns der „Patagonian Flat“ auch hier wieder die eine oder andere harte Steigung ab. Wir sind langsam müde und der Weg scheint kein Ende zu nehmen. Wir wandern praktisch ohne Pause durch und erreichen nach ca. 4 Stunden geschafft aber unheimlich glücklich wieder unseren Ausgangspunkt – wie eine eingeschworene Gemeinschaft gratulieren wir uns gegenseitig. Die Guides bereiten noch einen netten Snack mit Obst, Käsewürfeln und Brownies für uns. Sehr willkommen nach dieser Tour.

Auf einem Baum sitzt ein Caracara (ein aasfressender Raubvogel, hier häufig anzutreffen) und hofft auf die Reste unseres Mahls.

Abschiedsblick vom Tal auf die Torres im Nebel

Zurück im Van schlafen wir fast alle ein. Wir erreichen das Camp gegen 8:30. Noch eine Dusche, Abendessen und dann müde ins Bett. „We made it“.

Die Wanderung ist hart aber lohnt sich auf jeden Fall und macht glücklich. Ich kann sie jeden mit normal guter Fitness empfehlen.

Los Cuernos und Mirador de los Condores – Wandern in Torres El Paine

1.1.2019

Heute wollen wir uns warmlaufen für den großen Torres Base Trek morgen. Aus dem reichhaltigen Wanderprogramm des Patagoniacamp wählen wir 2 kürzere, mittelschwere Wanderungen aus, die wir zu einem Tagestrip kombinieren. Mit uns kommt eine 5-köpfige Familie aus Kanada und unser Guide Ignacio („Nacho“). Nacho kommt aus Santiago und arbeitet schon viele Jahre als Guide. Meistens arbeiten die Guides die Saison (ca. 7-8 Monate) durch und gehen dann für 2-3 Monate auf Reisen. Nacho spricht hervorragendes Englisch und war sogar schon mal in Bayern zum Klettern.

Türkisblauen Gletscherseen im Torres El Paine

Zunächst geht es mit dem Van ca. 1 Stunde tief hinein in den Nationalpark zu unserer ersten Wanderung. Es geht vorbei an Bergen, wunderschönen türkisblauen Gletscherseen und rauhen Granitfelsen. Ich fühle mich etwas an Kanada und das kanadische Schild erinnert, das bestätigt mir auch die Familie aus Toronto. Wir beginnen mit dem Mirador de los Condores in der Hoffnung, dort endlich einmal Kondore zu sehen. Da der Wind immer stärker  wird und die Kondore nicht fliegen, wenn es zu windig ist, hoffen wir auf unser Glück.

Rechts und links sehen wir viele abgebrannte Waldflächen. 2011 hat hier ein verheerendes Feuer gewütet und viele Hektar uralten Baumbestandes vernichtet. Durch die starken Winde konnte das Feuer problemlos sogar über die breiten Seen springen. Gespenstisch ragen viele Baumruinen in den Himmel.

Wir wandern zunächst eine längere Strecke bergauf über felsiges Terrain. Unterwegs erklärt uns Nacho immer wieder die Pflanzenwelt. Hier finden wir auch wieder die Calafatebeere, die hier sogar schon reif ist. Optisch ähnelt sie der Blaubeere und schmeckt aromatisch sauer und ein wenig nach schwarzer Johannisbeere. Aus ihr wird auch Likör hergestellt, der für den bekannten Cocktail Calafate Sour genutzt wird – den wir abends an der Bar auch probieren. Wir verkosten die Beeren und haben nun der Legende nach die Möglichkeit, wieder nach Patagonien zurückzukehren. Uns würde es freuen.

Calafatebeere – wer sie probiert, kommt wieder nach Patagonien
Calafate Sour: aus Pisco, einem Tresterschnaps, Calafatebeerenlikör und Zucker

Eine zweite interessante Beere ist die Chaura – kleine hell-rosa Beeren (so groß wie Blaubeeren aber von der Form eines Apfels), die aromatisch süß schmecken, fast ein wenig nach Honig.

Chaura Beere

Nach der Beerenverkostung geht es nun recht steil nach oben zum Gipfel des Berges.  Der Wind weht sehr stark. Wir haben Mühe, uns auf den Beinen zu halten und der Sand geht in die Augen. Eine Sonnenbrille und eine Bandana als Sturmhaube vor Mund und Nase wirken hier Wunder.

Und dann sind sie da: majestätisch segeln hoch über uns erst einer, dann zwei Kondore. Sie sind recht weit weg, aber die Größe macht klar – es kann keine anderer Vogel sein.  Es ist unglaublich: wie Segelflieger liegen die Vögel in der Luft, ganz selten gibt es mal einen Flügelschlag und wir sehen die weiten beeindruckenden Schwingen.  Kondore können Flügelspannweiten von 2.5-3 Metern erreichen.

 

Nach einer kurzen Pause am sehr windigen Gipfel geht es vorsichtig über Geröll wieder hinab und auch die Kondore kommen noch einmal zu uns zurück.

Wir entscheiden uns, vor dem Lunch auch noch die zweite Wanderung durchzuführen. Nur 10 Autominuten entfernt stoppen wir an einem beeindruckenden Wasserfall, der recht ordentliche Ausmaße hat und mit viel Getöße in die Tiefe stürzt.

Salto Grande bei Los Cuernos

Unser Guide zeigt uns ein Video: vor einigen Wochen ist wohl ein Lama oben am Fluß ins Wasser geraten, konnte sich nicht mehr aus den Fluten befreien, landete dann im Studel und wurde den Wasserfall hinuntergeschleudert.

Wir beginnen unsere Wanderung zu den Los Cuernos – den 2 Hörnern, einem bekannten Gebirgsmassiv im Torres El Paine. Es geht mit nur leichtem Anstieg ca. 1 Stunde am Fluß entlang.

Blick auf die Los Cuernos
Wanderung zu Los Cuernos

Unterwegs treffen wir eine Lama-Familie.  Es gibt immer ein Alphatier, welches die Familie beschützt. Sie laufen ganz ruhig vor uns über den Wanderweg und verschwinden dann wieder im Gebüsch.  Das Alpah-Lama checkt regelmäßig die Lage, sieht uns aber nicht als Gefahr.

Wir erreichen den Fuß der Los Cuernos, davor liegt ein großer türkisblauen Gletschersee. Diese Art Amphitheaterformationen mit Felsmassiven und davor einem See gibt es hier häufig, aber alle müssen (mal mehr mal weniger anstrengend) erwandert werden.

Wir genießen die Natur und wandern dann zurück. Einsam sehen wir ein Lama auf dem Felsen stehen.

Nun geht es zu einem späten Lunch. Auf einem Campingplatz am Lake Pehoe halten wir an: Es gibt Sandwiches, leckere Gemüsesuppe aus der Thermoskanne, Käsewürfel und Wein. Es bleibt Zeit für Gespräche und ich tausche mich mit der kanadischen Familie über meine Zeit in Toronto aus. Es stellt sich heraus, daß ich damals nur 3 Blocks von ihrer jetzigen Wohnung entfernt gewohnt habe.

Campingplatz mit Aussicht auf Lake Pehoe

Die Flagge Chiles und die Flagge Patagoniens (gelb für die Steppe, weiße Berge für das Eisfeld und die Anden und blauer Himmel mit dem Kreuz des Südens als Sternbild

Zufrieden kehren wir am späten Nachmittag ins Patagoniacamp zurück.

Einfahrt Patagonia Camp
In der Ferne sehen wir schon unsere Jurten am Berghang über Lago Torro

Wir entspannen im Außenjacuzzi unserer Jurte und ich gehe noch einmal zur Lounge (nur dort gibt es Internet), um etwas mit meinem Blog voranzukommen. Die Bilder Uploads sind so langsam, daß es kaum Spaß macht. Es ist weiterhin „digital detox“ angesagt.

Außenjacuzzi

Mein Mann und unser Sohn gehen noch eine Runde Fischen direkt unten am See.

Blick auf den Lago Torro vom Camp
Fischen

Wir gehen heute nicht so spät ins Bett. Morgen um 7:30 Uhr ist Abfahrt für eine der herausforderndsten Wanderungen, die das Camp anbietet: den Base Torre Trek eine Wanderung über 24km, über 1000 Höhenmeter und über extrem steiniges Terrain. Haben wir uns da zuviel zugemutet? Der morgige Tag wird es zeigen. Wenn wir es schaffen, haben wir einen einmaligen Blick auf das Amphitheater der 3 Torres Türme (Wahrzeichen des Parks), die nur auf dieser Wanderung so erschlossen werden können.

 

Tausende Pinguine und eine lange Fahrt durch die Pampa – von Punta Arenas nach Torres El Paine

31.12.2018

Heute heißt es wieder sehr zeitig aufstehen. Wir sind sogar noch eher wach und sehen einen wunderschönen Sonnenaufgang um 5 Uhr direkt durch unser Kabinenfenster,

Um 6:50 beginnt unsere letzte Zodiactour auf die Magdalenainsel. Hier wohnt eine riesige Kolonie von Magellanpinguinen. Wir haben noch das Glück genau zur Brutzeit da zu sein – so können wir viele der possierlichen Jungen sehen.

Anfahrt Magdalena-Insel

Schon von weiterm sieht man die schwarz-weißen Körper der Pinguine. Die Insel scheint übersät davon. Bei näherem Hinsehen sind auch viele schwarz-weiße Möwen darunter. Ein ca. 1 km langer Rundweg führt über die Insel. Links und recht sehen wir Pinguine: sie watscheln herum, sitzen mit ihren Jungen in den Erdhöhlen, putzen sich, verkünden lautstark ihren Balzruf oder schwimmen wie Delfine im Meer.

Es ist faszinierend, ihnen zuzusehen. Ab und zu laufen die Pinguine auch direkt über den Weg oder ein Stück mit uns mit. Wir müssen bei unseren Kindern einige Mythen aufklären, z.B. Pinguine gibt es nicht am Nordpol und Pinguine sind sehr klein – ca. 30cm. Pinguine sind auch sehr laut und die Insel ist erfüllt von Pinguintrompeterei und dem Geschnatter der Möwen.

Pinguinjunges mit grau-braunem Flaum

Noch ganz fasziniert fahren wir zurück zur Ventus und müssen dann leider unsere Sachen packen. Wir schiffen aus und müssen noch durch den chilenischen Zoll.

Blick auf Punta Arenas

Gegen Mittag sind wir dann draußen in Punta Arenas. Eigentlich dachten wir, daß wir noch etwas Zeit für eine kurze Stadtbesichtigung haben, doch unser Transfer nach Torres El Paine zum Patagoniacamp wartet schon. Ganz erschrocken hören wir, dass die Fahrt ca 4.5 Stunden dauert.

Es geht durch die Pampa, über schnurgerade Straßen, links und rechts eingezäunte Estancias, auf denen wir immer mal wieder Schafe, Kühe oder Pferde sehen. Der weite Himmel erinnert mich ein wenig an Afrika.

Der Straßenrand wird von wunderschönen Blumeninseln mit Rittersporn in blau, lila und rosa gesäumt.  Bis Puerto Natales ist die Straße sehr gut und es gibt wenig Verkehr. Dann biegen wir Richtung Torres El Paine ab und landen auf Schotterpisten. Hier geht es langsamer voran, dafür wird die Landschaft spannender.  Es wird bergiger und es gibt mehr Wald. Nun erinnere ich mich etwas an Kanada. Vorbei an türkisblauen Gletscherseen kommen wir zum Patagoniacamp.

Das Patagoniacamp ist ein ökologisches Ressort mit 20 Jurten, die am Berghang mit Blick zum Torres-See gebaut wurden. Es ist ein wunderschöner, intimer Ort. Wir werden herzlich begrüßt. Zu viert haben wir eine sogenannte Family-Yurt – das sind 2 verbundene Jurten mit einem Bad in der Mitte. Jede Jurte hat ein durchsichtiges Dach durch welches man den Sternenhimmel sehen kann, alle mit Blick auf den See und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet.

Blick in die Family Yurt

Sternenhimmel inklusive

Außerdem hat die Jurte einen Outdoor-Jacuzzi, der auf Wunsch angestellt wird.  Nach 5 Tage haben  wir auch wieder etwas Internet aber leider nur im Restaurant und im Loungebereich – dem Puma-Room. Digital Detox ist weiterhin angesagt – sehr zum Unwillen unserer Kinder und auch für den Blog ist das nicht vorteilhaft – für die Erholung schon. In den Jurten gibt es kein WiFi. Wir überlegen noch gemeinsam mit den Guides unsere Wandertour für den kommenden Tag und dürfen dann gemeinsam mit allen Gästen und Campbetreibern ein schönes Silvesterfest mit einem ausgezeichneten Galabuffet feiern.

Restaurant Patagonia Camp
Galadinner

Ich probiere PisoSour und chilenischen Wein.

Pisco Sour – südamerikanisches Cocktail aus Tresterschnaps, Limone und Zucker

Gegen 1 Uhr geht es dann ins Bett, am nächsten Tag wollen wir schließlich wandern gehen.

Happy New Year

Tag 3 auf der Ventus Australis – Condorgletscher und Agostini Nationalpark

30.12.2018

Nach einer verhältnismäßig ruhigen Nacht – ich bin nur einmal kurz vom starken Schaukeln des Schiffes aufgewacht – geht es morgens raus zu einem besonderen Abenteuer im Agostini Nationalpark: wir fahren mit den Zodiacs direkt bis an den Fuß des Condorgletschers: weiß-blau ragt der Gletscher direkt vor uns empor und läßt uns ganz klein fühlen.

Einfahrt in die Bucht des Condor-Gletschers
Mit dem Zodia vor dem Condor Gletscher

An der rechten Seite bricht ein breiter Wasserfall auf halber Höhe hinab.

Wir verweilen länger in der Bucht. Heute sind wir mit allen Deutschen an Bord (9) zusammen auf einem Zodiac mit der deutschen Führerin Guste unterwegs und können deshalb den Ausführungen sogar in unserer Muttersprache lauschen.

Wir bewundern die Gletscherspalten – diese entstehen, wenn der Gletscher sich auf das Tal zubewegt und so mehr Platz bekommt.

Auch der Condorgletscher ist ein sogenannter Meeresgletscher, d.h. er ist in direktem Kontakt mit dem Wasser. Guste erzählt uns von Plüschow, einem deutschen Militärflieger aus dem 1. Weltkrieg, der nach Patagonien kommt und dort sowohl als erster die Darwin-Cordilleren überfliegt, also auch das erste Postflugzeug zwischen Ushuaia und Punta Arenas einrichtet. Damit wurde die Postsendezeit von 3 Tagen auf 2 Stunden verkürzt. Leider verunglückte Plüschow später bei einem seiner Flüge. Er hinterläßt spannende Literatur, z.B. das Buch „Silberkondor über Feuerland“, welches ich mir nach dem Urlaub unbedingt holen werde. Anscheinend hat Plüschow seine Cordilleren Überquerung auch gefilmt und die Filme sollen auf YouTube zu finden sein.

Zum Abschluß beobachten wir noch Dominikanermöwen und eine kleine Kolonie mit Königskormoranen, die sich fast wie Chamäleons in die Felsenlandschaft eingliedern.

Kormorane sind die besten Fischer der Welt. Deshalb folgen die „menschlichen Fischer“ auch ihrem Instinkt für Fischereigründe und wir sehen einige Reusen zum Fischen von Königskrabben.

Mittags lauschen wir einen sehr spannenden Vortrag über die Magellanpinguine, die wir hoffentlich morgen früh beim Landgang auf der Insel Magdalena sehen werden. Wir erfahren viel über Lebensweise und Fortpflanzung dieser Tiere, die ja nur auf der Südhalbkugel der Erde leben. Wir haben Pinguine bereits in Ecuador und in Südafrika gesehen. Die Magellanpinguine haben ihren Namen tatsächlich vom Seefahrer Magellan, der diese Tiere als erster Europäer beschrieben hat. Er nannte sie damals wegen ihres watschelnden Ganges „stupid ducks“ („dumme Enten“).  Tatsächlich sind die Pinguine nur an Land unbeholfen, da sie keine Kniegelenke besitzen und deshalb steifbeinig watscheln. Im Wasser tauchen sie wie die Delfine und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 25km/h.

Für den Nachmittag ist noch ein Langang am Aguilargletscher (Adlergletscher) geplant. Bei strömendem Regen fahren wir mit den Zodiacs los. Wir wandern entlang der Moräne und haben heute einen eindeutigen Fokus auf der Pflanzenwelt.

Wandern auf der Moräne

Wir begutachten riesige Algen, die am Strand liegen und die schon von den Yagans zum Vertäuen ihrer Kanus verwendet wurden.

Algen am Strand beim Aguilar-Gletscher

Weiter geht es in den spannenden „subantarktischen kalten Regenwald“. Dies ist der südlichste Wald der Erde und ein Primärwald, d.h. von selbst entstanden durch Moose und Farne und nahezu unberührt.  Das Spannende sind nicht die großen Bäume sondern der Miniaturwald am Boden des Waldes – es gibt hier eine ungewöhnliche Artenvielfalt an Moosen und Flechten.

Subantarktischer Primärwald mit Minitaturwald
Extremer Reichtum an Moosen und Flechten

Diverse davon mit heilender und teilweise antibiotischer Wirkung, z.B. bei Magen und Darmerkrankungen.  Wir sehen auch die sogenannte „Calafatebeere“ (buchsbäumige Berberitze). Die Legende sagt: wer ihre Beeren ißt, der kommt nach Patagonien zurück. Leider sind die Beeren im Moment noch nicht reif…

Diese Beeren sollte man nicht essen, sie verursache Darmprobleme

Eine weitere Pflanze, die ähnlich aussieht, wie ein Rhododendron, ist eine Vitamin C Quelle und wurde von den Seeleuten gegen Skorbut genutzt. Interessanterweise gibt es in diesem Wald keine Säugetiere (nur Vögel und Insekten), da es keinen Landweg für die Einwanderung dieser Tiere gab.

Schließlich kommen wir zum Gletscher – und wieder schlägt uns die weiß-blaue Mischung  in ihren Bann.

Aguilargletscher

Vollkommen durchnäßt geht es nach 2 Stunden zurück. Heute Abend steht leider schon wieder Koffer packen auf dem Programm, aber auch ein Captain‘s Dinner zum Abschied.

Mein Mann holt sich noch eine Seekarte der patagonischen Fjorde in die der Kapitän unsere Route einträgt. Sie soll später bei uns zu Hause einen schönen Platz finden. Nun geht es Richtung Punta Arenas.

Nächtliches Ankern vor Punta Arenas

Eine Reise auf der Ventus Autralis ist nicht billig aber definitiv ihr Geld wert. Es ist eine einzigartige Verbindung von komfortablem Ambiente auf dem Schiff mit naturnahen Abenteuern auf den Inseln und Gletschern der patagonischen Fjordwelt. Die Besatzung ist extrem freundlich, die Naturführer sehr kompetent. Es gibt hervorragendes Essen und alle Gäste an Bord sind sehr entspannt.

Cruceros Australis, www.australis.com  (Buchung über America Andina)

Tag 2 auf der Ventus Australis: die Gletscherwelt der patagonischen Fjorde – Pia und Garibaldi Gletscher

29.12.2018

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Gletscher. Ganz so früh aufstehen wie gestern müssen wir auch nicht: unser Zodiac legt um 9 Uhr ab und fährt uns in den Pia-Fjord. Wir waren ja noch nicht beim Perito Moreno Gletscher, aber der Pia Gletscher sieht schon von weitem unheimlich beeindruckend aus.

Anfahrt zum Pia Gletscher

Wir sehen die ersten Eisschollen neben dem Zodiac im Wasser treiben und der Gletscher  zeigt sich als beindruckende, zerklüftete Wand in den Farben weiß, grau und hellblau. Das schöne Hellblau gibt es an den Stellen, an denen besonders hoher Druck auf dem Eis lastet.

Pia Gletscher

Interessant ist, daß wir um den Gletscher herum auch Bäume sehen, das kommt eher selten vor.  Es dauert etwas 20 Jahre bis aus Schnee Gletschermasse wird.

Die Zodiacs schrubben über die Eisschollen und wir landen in direkter Nähe des Gletschers an. Ab und zu bricht mit ziemlichem Getöse ein Eisbrocken ab und schlägt spritzend im Wasser auf – der Gletscher kalbt.  Wir beobachten fasziniert das Geschehen und wandern dann über glitschiges Gestein und Schlamm nach oben zu einem sehr schönen Aussichtspunkt. Von hier aus können wir den Gletscher und die Bucht noch besser beobachten.

Pia von oben

Einsam steht unser Expeditionsschiff im Hafen und wirkt von hier oben ganz klein. Später gesellt sich, ganz malerisch, noch ein Segelboot hinzu.

Verträumter Fjord mit Ventus Australis und Segeljacht

Nun fängt es kräftig an zu regnen – das unberechenbare patagonischen Wetter – und wir begeben uns auf eine Schlitterpartie bergab.  Zwischendurch hören wir immer wieder die lauten Gletscherabbrüche, können diese jedoch durch den dichten Wald nicht sehen. Beim Ablegen hat der Zodiac Schwierigkeiten, Kurs zu halten, da die gerade abgebrochenen Eisschollen das Wasser kräftig aufwirbeln.

Im Eismeer

Jetzt fängt es tatsächlich auch noch an zu hageln – man hat hier in Patagonien oft alle 4 Jahreszeiten an einem Tag. Völlig durchnäßt kommen wir auf dem Schiff an. Zum Glück gibt es hier ausreichend Möglichkeiten, die nassen Sachen zu trocknen.

Beeindruckt fahren wir weiter. Am Nachmittag wartet ein weiteres Highlight auf uns: die Ventus fährt direkt in den Garibaldi-Fjord – bis wenige Meter heran an den gewaltigen Garibaldigletscher. Dieser hat noch mehr hellblaue Stellen und gehört zu ganz wenigen Gletschern in Südamerika, die sowohl wachsen als auch sich nach vorne schieben.

Garibaldi Gletscher

Die Fahrt auf den Gletscher zu ist mehr als faszinierend – und das alles bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel – wer glaubt da noch, daß es gerade erst gehagelt hat. Wir staunen und schießen unendlich viele Fotos. Rechts und links an den Bergen sieht man viele Gletscherwasserfälle.

Gletscherwasserfälle im Garibaldi-Fjord

Das Schiff verweilt eine halbe Stunde direkt vor dem Gletscher – wann hat man schon so eine Kulisse.

Selbst aus dem Inneren des Schiffes sieht man die gigantischen Eismassen

Am Abend gibt es noch einen Vortrag über die 3 Seepassagen durch bzw. um Südamerika: Magellanstraße, Beaglekanal und Drake Passage – die 2 ersten davon erleben wir hautnah auf unserer Fahrt.

Morgen gibt es noch mehr Gletscher – doch jetzt wartet erst einmal eine unruhige Nacht auf uns: wir werden für kurze Zeit den Schutz des Beaglekanals verlassen und auf den Pazifik fahren.

Tag 1 auf der Ventus Australis – Kap Hoorn und Wulaia Bay

28.12.2018

Heute früh um 6:30 steht fest: das Wetter und der Wind sind heute unsere Freunde – die Anlandung auf Kap Hoorn ist möglich. Das ist ein Glücksfall und bei weitem nicht selbstverständlich. Aufgeregt und bewaffnet mit warmen Klamotten und einer Schwimmweste stehen wir um 7 Uhr bereit. Unser Schiff ankert in einer geschützten Bucht auf der Nordseite von Kap Hoorn- steil und in leichtem Nebel ragt der sagenumwobene Felsen vor uns empor. Es regnet in Strömen und wir besteigen unseren Zodiac. Da ich zwar eine gute Trekkinghose aber keine wasserdichte Regenhose dabei habe, bekomme ich beim Hinsetzen im Zodiac sofort einen nassen Hintern, der mich dann auf meiner Kap Hoorn Tour begleiten wird. Wir fahren durch Regen aber auf ruhiger See in wenigen Minuten zur Anlandestelle. Eine Offizier der chilenischen Küstenwache, der hier für 1 Jahr mit seiner Familie Dienst schiebt, begrüßt uns mit Handschlag. Dann geht es direkt über 100 glitschige Holzstufen steil hinauf auf den Felsen.

Im Gänsermarsch geht es direkt vom Zodiac über 100 Stufen steil nach oben

Magische Momente auf Kap Hoorn

Zuerst gehen wir nach rechts zum Denkmal des Albatros. Diese wurde zu Ehren aller an Kap Hoorn ertrunkenen Seeleute errichtet. Der Sage nach, verwandelt sich jeder tote Seemann in einen Albatros.

Albatros-Denkmal

Über morsche Bretterstege geht es danach zum Leuchtturm. Hier lebt der Offizier der chilenische Küstenwache mit seiner Familie inklusive eines kleinen Babies. Das Haus ist weihnachtlich geschmückt. Daneben gibt es eine kleine Kapelle.

Leuchtturm Kap Hoorn
Ein Blick in die Stube der Leuchturmwärter

Wir sind an der Nordseite des Kap Hoorn angelandet. Eine Umrundung bietet die Ventus Australis aufgrund der extrem rauen Seee nicht an. Wir genießen noch etwas die Stimmung an diesem mystischen Ort und treten den Rückweg an.

Nachdem wir unsere nassen Sachen losgeworden sind, gönnen wir uns erst einmal ein kräftiges Frühstück.  Wir fahren wieder zurück Richtung Ushuaia und Beagelkanal. Nach dem Mittagessen haben wir die Möglichkeit zur Besichtigung  der Brücke. Wir sehen moderne Navigation im Zusammenspiel mit einer altmodischen Papierkarte und nautischen Instrumenten in der unser Kurs genau vermerkt wird.

Auf der Brücke
Seekarte auf der Brücke

Am späten Nachmittag landen wir in der Wulaia Bucht.

Landung Wulaia-Bucht
Alte Radiostation in der Wulaiabucht- heute ein Museum

Diese Bucht war eine wichtige Kultstätte der Yagans. Dieses indigene Volk waren See-Nomaden, die auf Kanus lebten und nur im Notfall und für rituelle Handlungen anlandeten. Sie waren ausgezeichnete Navigatoren – Domäne der Frauen – und schafften es sogar, in ihren kleine Kanus das Kap Hoorn zu umrunden. Aufgrund des ständigen Regens trugen die Yagans keine Kleidung aber suchten immer die Nähe des Feuers um sich zu wärmen, sogar in den Kanus führten sie es mit sich. Der Name Wulaia kommt aus der Yagansprache und bedeutet „schöne Bucht“, so wie Ushuaia „Bucht nach Westen“ bedeutet. Leider sind die Yagans durch westliche Zivilisationskrankheiten ausgerottet worden. Weitere indigene Stämme Patagoniens waren die Yamanas und die Selk‘nam.

Replica eines Yagan-Tipi

Wir haben gutes Wetter und brechen zu eine wunderschönen Wanderung durch den subantarktischen Wald in die Berge auf.

Wanderung auf Wulaia

Unterwegs lernen wir einiges über die Flora und Fauna kennen: Besonders häufige Bäume sind z. B.  die Coigüe – ein immergrüner Baum aus dessen Rinde die Yagans ihre Kanus fertigten. Dann gibt es noch die Lenga und den Feuerbusch.

Feuerbusch

Besonders interessant ist der Baumparasit „Indian Bread“, ein Pilz aus dem auch heute noch Gerichte, wie Salate, zubereitet werden. Diesmal probiere ich ihn: die Haut der Pilzes fühlt sich wie Gummi an und ist hart zu durchbeißen – ansonsten ist der Pilz komplett geschmacksneutral.

Indian Bread

Oben auf dem Berg werden wir mit vielen grandiosen Ausblicken über die Insel und die Wulaiabucht belohnt. Es ist großartig. Unser Führer bewegt uns  zu einem sogenannten „Patagonian Moment“  – einige Minuten kompletter Stille mit Blick auf die Natur. Es fühlt sich sehr bewegend an.

Ausblicke auf die Wulaiabucht

Auf dem Rückweg begutachten wir noch einen Biberdamm. Die Biber wurden im letzten Jahrhundert von Kanada nach Patagonien gebracht, um Biberfarmen für die Züchtung von Fellen aufzubauen. Da der Biber hier jedoch keine natürlichen Feinde hatte, geriet er nicht in Streß und sein Fell wurde nicht glänzend. Daraufhin wurden die Biberfarmen wieder eingestellt und die Biber einfach in die Freiheit entlassen. Hier wurden sie zur großen Plage und zerstören durch ihre Bautätigkeit den Wald. Die Naturschützer müssen sich jetzt damit auseinandersetzen, wie man den Biber wieder los wird.

Mit vielen tollen Eindrücken kehren wir zum Schiff zurück. Wir sehen noch einen faszinierenden Dokumentarfilm über den Polarforscher Shakleton und gehen nach einem guten Abendessen müde ins Bett.

Morgen wartet die Gletscherwelt der patagonischen Fjords auf uns.