Mit dem Bus von Bukarest nach Tulcea – sofort mittendrin in Rumänien

In 14 Stunden kann man nach Buenos Aires fliegen oder von Frankfurt ins Donaudelta reisen – Allerdings gibt es bei letzterer Version gleich ein Eintauchen in das Land gratis dazu.

Nach früher Anreise über Wien nach Bukarest treffen wir auf dem Flughafen Bukarest noch einen ehemaligen rumänischen Kollegen meines Mannes, der uns dort einfach nur mal kurz begrüßen wollte – mit einem kleinen Blumenstrauß und einem besonderen Schnaps aus seiner Heimat – eine erste Demonstration der rumänischen Gastfreundschaft. Gut, daß wir auch für ihn eine Flasche Wein as dem Rheingau mithaben. Danach geht es im von rumänienurlaub.net organisierten Taxi zum Busbahnhof.  Der wunderbare Taxifahrer entschädigt dafür, daß wir auf dieser Reise keine Zeit für die Hauptstadt haben – auf der 30-minütigen Fahrt zum Busbahnhof zeigt er uns im Vorbeifahren viele der Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt.

Ein Triumphbogen wie in Paris und oft wird Bukarest auch als das „Paris des Ostens“ bezeichnet

Dazu erzählt er uns spannende Geschichten, vor allem über die Zeit des Diktators Ceausescu.

Eines der Regierungsgebäudes Ceausescus- Von Dach dieses Hauses floh er kurz vor seiner Entmachtung und Hinrichtung

Der Diktator baute, z.B., einen der größten Präsidentenpaläste der Welt, inklusive 80m Stockwerke in den Erdboden. Hier gab es auch einen Atombunker, in dem er und sein Gefolge für den Fall der Fälle  für 5 Jahre hätten überleben können.

Die Ankunft am Busbahnhof ist eine Überrraschung. Anstelle des erwarteten großen Terminals finden wir einen kleinen Innenhof mit einem kleinen Bus in der gleisenden Mittagssonne.

Dahinter gibt es zum Glück einen einfachen aber gutdurchdachten klimatisierten Aufenthaltsraum in dem schon einige Gäste warten, sie winken uns freundlich herein.

In der Wartehalle des Busbahnhofs

Von hier fährt 6x am Tag ein Bus von Bukarest nach Tulcea, unserem ersten Ziel. In einem kleinen Supermarkt um die Ecke besorgen wir uns Brot, Salami, Schafskäse und Oliven für ein Mittagessen. Der Koffer dient als Tisch und es schmeckt uns köstlich – immerhin müssen wir noch 1.5 Stunden bis zur Abfahrt des Busses überbrücken.

Plötzlich riecht es nach Zigaretten. Der Schalterbeamte macht eine kurze Mittagspause und stellt sich mit seinem Freund in die Wartehalle und raucht, weil es draußen ja viel zu heiß ist.  In Deutschland undenkbar, hier normal.  Danach blickt er uns entschuldigend an und versucht den Geruch mit noch schlimmer riechendem Raumspray zu vertreiben.

Auch mit den typischen osteuropäischen Stehtoiletten können wir hier wieder Bekanntschaft machen, aber die kennen wir ja schon.  Dann geht es los, zunächst über die Autobahn, dann über die Landstraße in ca. 4 Stunden nach Tulcea. Die Fahrt ist ein Erlebnis. Wir fahren gefühlt hunderte Kilometer vorbei an riesigen, in voller Blüte stehenden Sonnenblumenfeldern. Wir sehen Unmengen von Kühen, Schafen und Störchen und kleine malerische Dörfer.

Vom Busbahnhof in Tulcea sind es nur 2 Minuten bis zu unserem Hote Esplanade direkt an der Uferpromenade.

Hotel Esplanade

Nach so viel sitzen, brechen wir erst einmal zu einem Spaziergang an der malerischen Uferpromenade auf, im wunderschönen Abendlicht.

Nach nur drei Minuten finden wir uns auf einem großen Rummel wieder.  Es gibt Fahrgeschäfte und diverse Essensstände. Highlights sind hier die riesigen Grillstände mit Hackfleisch, Rippchen und Würstchen, die Fischstände mit gebratenen Sardinen, Scampis und gebratenen Fischen, geröstete Maiskolben und diverse Süßigkeiten.

Auf einer Bühne gibt es Volksmusik und viele Gäste tanzen im Reigen ausgelassen mit.

Es dämmert und die versprochenen Mücken machen sich bemerkbar. Zum Glück haben wir genug Mückenspray dabei.

Wir sind schon komplett in dieses freundliche und herzliche Land eingetaucht. Auf der Hotelterasse essen wir noch eine Kleinigkeit und schauen dabei ins Delta. Ich probiere Salat Vinete – eine rumänische Spezialität aus Tomaten und gegrillter Auberginencreme – zusammen eine tolle Kombination, dazu gibt es einen rumänischen Weißwein.  Nachdem wir  aus unserer Jugendzeit nur Murfatlar und Muskateller aus Rumänien kannten (sehr süß), war dieser hier, mehr als 30 Jahre später eine sehr positive Überraschung.

Nach einem letzten Blick auf die funkelnde Uferpromenade  freuen wir und auf die morgige Reise ins Herz des Donaudeltas.

 

Rumänien entdecken-Donaudelta-Moldauklöster-Transilvanien – Die Route

Rumänien mit seinen vielseitigen Möglichkeiten steht schon länger auf der Liste unserer Reiseziele und seit 2015 liegt auch schon der Michael Müller Reiseführer unter unserem Couchtisch.  Den letzten Anstoß gab das wunderschöne Reiseangebot von For Family Reisen – Eine Woche Familienurlaub auf einem urwüchsigen Bauernhof in Transilvanien, ganz nah an Natur und Kultur. Allerdings wollten wir etwas länger bleiben und die Reise mit weiteren Highlights aus Rumänien ergänzen, ganz vorn auf unserer Wunschliste: das Donaudelta und die Moldauklöster. Das ist logistisch kein ganz einfaches Unterfangen: Rumänien ist groß und so muß man geschickt planen, um nicht zu viele Tage für Transitzeit zu verwenden.  Bei dieser Planung half uns das Internetreisebüro Rumänienurlaub.net Unser Ansprechpartner Herr Franke ging hier komplett auf unsere Wünsche ein und stellte uns mit seiner sehr guten Kenntnis des Landes eine wunderschöne Route für die erste Woche zusammen, inklusive Buchung der Pensionen und Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel. Sogar eine Angelerlaubnis im Donaudelta hat er uns ermöglicht.

Uns ist bewußt, daß der Urlaub, gerade in der ersten Woche, in der wir alleine unterwegs sind, etwas abenteuerlich werden wird, aber genau darauf freuen wir uns schon. Im folgenden nun unsere detaillierte Route, von der ich dann bald live berichten werden.

Tag 1-3  Anreise und Donaudelta

Am ersten Tag werden wir uns auf die lange Reise machen. Zunächst fliegen wir nach Bukarest (diese Stadt wollen wir uns auch noch anschauen, aber das muß auf einen speziellen Städtetrip warten).  Von da geht es mit dem Bus (ca 4-5 Stunden) direkt weiter bis nach Tulcea – diese Stadt ist das Tor zum Donaudelta.  Hier werden wir einmal übernachten.  Am nächsten Morgen geht es weiter mit dem Schnellboot nach Crisan – ins Herz des Donaudeltas. Das Donaudelta ist Unesco-Weltkulturerbe und bekannt als Vogelparadies. Die Deltaflüsse erlebt man so auch nicht auf einer Donaukreuzfahrt. Wir haben eine kleine Pension in Crisan und hier 2 Tage Zeit für lange Erkundungen mit dem Boot durch die Arme des Deltas. Diese werden von unserem Pensionsvater begleitet. Und hier hoffen wir, neben tollen Naturerlebnissen auch auf etwas Anglerglück. Die internationale Angelerlaubnis ist schon besorgt.

Tag 4 Transit nach Galati

Heute kommt der unvermeidliche Transittag Richtung Moldauklöster. Mit dem Schiff geht es zurück nach Tulcea. Dann mit dem Zug nach Galati (ganz dicht an der Grenze zu Moldawien), wo wir einmal übernachten.

Tag 5-7 Gura Homorului und die Moldauklöster

Ganz früh geht es an Tag 5 mit dem Zug weiter nach Gura Homorului, die perfekte Ausgangsbasis zum Entdecken der berühmten bemalten Moldauklöster. Hier haben wir 2.5 Tage Zeit, einige der Klöster zu besuchen. Auf unserer Vorauswahl stehen die Klöster Voronet, Arbore, Moldovita und Sucevita. Mal sehen, was wir schaffen. Zu einem Kloster können wir zu Fuß laufen, den Rest werden wir mit Taxi und Pendelbus erschließen. Am Abend steigen wir dann in den Nachtzug nach Vintu de Jos und von dort geht  in einer Stunde Tansfer nach Sibiu (Hermannstadt). Unsere Kinder sind schon gespannt sehr gespannt auf die Zugfahrt.

Tag 8 Sibiu (Hermannstadt)

Sibiu ist nach Schloß Bran wohl die bekannteste Stadt in Transilvanien und dieses Jahr auch Europahauptstadt, was viele, für die Stadt erfreuliche, Investitionen mit sich bringt. Wir kommen hier ganz früh an. For Family Reisen hat uns ermöglicht, unser Gepäck in einen Hotel abzustellen, so daß wir noch den ganzen Tag die Stadt erkunden können bevor es am späten Nachmittag dann zum zweiten Teil der Reise  auf einen tollen Bauernhof nach Alma Vii geht.

Tag 9-15 Back to Nature auf einem Bauernhof in Alma Vii

Die von For Family Reisen ausgesuchte Casa Alma Vii Romania Pension Sorgenfrei fokussiert sich auf das „aktive Mitmachen und Kennerlernen der ursprünglichen Bauern-und Handwerkerarbeit“ (Zitat Website For Family Reisen). Wir werden die Möglichkeit haben, einen Schäfer zu besuchen und zu sehen, wie der traditionelle Schafskäse hergestellt wird. Wir besuchen einen Imker, lernen traditionelle Musik und Tänze kennen und suchen vielleicht Trüffel im Wald. Kulturell stehen die Besichtigung der bekannten Kirchenburgen und die Geburtsstadt Dracula‘s Sighisoara auf dem Programm.  Am letzten Tag geht es dann zurück nach Sibiu und von dort nach Deutschland.

Wir freuen uns schon sehr und im Juli könnt Ihr die Live-Berichte von unserer Reise lesen. Bis dahin.

For Family Reisen, ein von uns schon mehrfach genutztes tolles Unternehmen, welches sich auf weltweite Reisen mit Kindern spezialisiert. Die Reisen sind naturverbunden und ermöglichen den engen Kontakt mit Land und Leuten ermöglichen. Das Angebot „Rumänien for family“ ist eine Baustein unserer Reise. For Family Reisen

Rumänienurlaub.net haben wir im Internet gefunden. Es handelt sich um einen Spezialisten für individuelle Reisen nach Rumänien, vor allem mit einer großen Auswahl an Ideen für das Donaudelta. Herr Franke, einer der Inhaber, kennt da Land sehr gut und kann direkt vor Ort tolle Pensionen buchen und auch die Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel. Er berät auch bei der Zusammenstellung von längeren Touren. Rumänienurlaub.net

Reiseführer: Diana Schanzenbach „Rumänien“, Michael Müller Verlagd 2012. Umfassendes Grundlagenwerk mit vielen Tipps zu Unternehmungen in den verschiedenen Regionen.

Plaue-Neuruppin-Ribbeck – Auf den Spuren Theodor Fontanes

Der Schriftsteller Theodor Fontane feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag. Genau die richtige Zeit, um den Spuren dieses großen deutschen Romanciers zu folgen, der in der Mark Brandenburg zu Hause war. Den meisten sind sicherlich Fontanes Roman „Effie Briest“ und sein Gedicht „John Maynard“  aus dem Schulunterricht bekannt. Er war jedoch nicht nur einer der bedeutendsten Vertreter des kritischen Realismus, sondern Journalist, Dichter,  Theaterkritiker – und Reiseblogger. Er durchstreifte die Mark Brandenburg und den Oderbruch und beschrieb diese Reisen in seinem 5-bändigen Werk „Reisen durch die Mark Brandenburg“. Was gibt es also Schöneres, als einige dieser Orte zu besuchen und sich in die Stimmung des ehemaligen Reisebloggers hineinzuversetzen. Über die Osterfeiertage haben wir uns eine kleine Tour mit 3 Stationen zusammengestellt.

1. Schloß Plaue bei Brandenburg

Nur 10 Minuten von der Stadt Brandenburg entfernt steht das ehemalige Barockschloß Plaue, direkt am Plauer See. Wir verbringen hier einen Nachmittag. Zunächst schlendern wir zum Seeufer. Hier gibt es ein buntes Treiben aus Radfahrern und Spaziergängern.

In kleinen feststehenden Booten kann man hier auch übernachten

An den Tischen des Cafés sitzen Gäste im Sonnenschein. Wir laufen durch die teilweise renovierte Schloßanlage, die im Innenhof ein Restaurant beherbergt.

Dahinter sieht man noch die Reste eines großen Osterfeuers. Wir wollen einige Stationen des Fontanewegs durch den alten Schloßpark gehen. Der Schloßpark wirkt eher wie ein Wald, rechts schimmert immer wieder der See hervor.

Wir erreichen den Fontaneort – hier soll der Dichter oft gesessen und nachgedacht haben. Eine Statue erinnert an ihn.

Weiter geht es zu einer brachialen Rotunde mit riesigen Jadgtierskulpturen und Blick auf den See – von hier wurden früher Tontauben geschossen.

Ein Waldweg führt nun leicht bergauf zum ehemaligen Friedhof. Durch das Engelstor erreicht man die Grabstätten der ehemaligen Grafen.

Die alten Friedhofkirche ist leider geschlossen aber der einzeln stehende Kirchturm lädt zum Betreten auf eigenen Gefahr ein.

Ich wage mich an den Aufstieg – es ist recht abenteuerlich, die Stufen sehen nicht sehr vertrauenserweckend aus und es ist eng. Ich komme direkt an den Glocke vorbei und hoffe, daß sie nicht läuten wird, solange ich in ihrer Nähe bin.

Tausende Fliegen auf der oberen Etage treiben mich schnell wieder zurück. Nach ca. 3-4 km sind wir zurück am Schloß und machen kurze Rast auf der Terrasse des Cafés mit Blick auf den See. Es ist malerisch, wenn auch etwas windig.

2. In der Geburtstags Fontanes – Neuruppin

In knapp 2 Stunden fahren wir von Brandenburg nach Neuruppin – immer quer durch die märkischen Dörfer – das ist viel interessanter als über die Autobahn. Am späten Vormittag kommen wir an. Die Stadt besticht sofort durch ihre großzügig angelegten Straßen und schönen Bauten. Später erfahren wir, daß dieser Umstand einem verheerenden Stadtbrand um 1787 zu „verdanken“ ist bei dem 80% der Stadt abbrannten. Die Stadt wurde danach mit Hilfe des preußischen Königs wieder aufgebaut – mit breiten Straßen, großen Plätzen (zum Exerzieren, da Neuruppin eine Garnisonsstadt war) und schönen zweigeschossigen Häusern. Damit ist die Stadt auch heute noch eines der besterhaltenen städtischen Ensembles des Früh-Klassizismus.

Neuruppin trägt auch den Beinamen Fontanestadt und war auch Geburtstort und Heimat weiterer großer Persönlichkeiten  – von hier kamen der Architekt Karl-Friedrich Schinkel, der Orientmaler Genz und die Schriftstellerin Eva Strittmatter.

Wir checken im Hotel Resort Mark Brandenburg ein – ein wunderschönes modernes Hotel mit angeschlossener Soletherme direkt am Ruppiner Seeufer und nur 2-3 Gehminuten von der Innenstadt entfernt.

Hotel Resort Mark Brandenburg
Überall in der Stadt grüßt die gelbe Fontaneskulptur

Auf der Internetseite des Stadtmarketings von Neuruppin habe ich mir einen schönen Stadtrundgang herausgesucht, den wir nun abarbeiten.

Direkt neben dem Hotel steht die zweitürmige Klosterkirche St. Trinitatis (leider heute geschlossen), ein ehemaliges Dominikanerkloster. Vom Kirchturm soll man einen tollen Blick auf den See und die Stadt haben.

Wiechmannlinde

Wir laufen weiter entlang der Stadtmauer bis zum Bernhard Brasch Platz, dem größten der 3 innerstädtischen Plätze, der früher als Exerzierplatz genutzt wurde.

Der ehemalige Exerzierplatz

Nach einer kleinen Currywurstpause für unseren Sohn geht es weiter zum Fontane-Denkmal.

Schöne Fassaden in den Staßen von Neuruppin

Danach dann zum Tempelgarten.

Dieser wurde vom damaligen Kronprinz Friederich (später Friedrich der Große), der 4 Jahre in Neuruppin lebte, als Amaltheagarten angelegt (Amalthea war eine Nymphe, die der griechischen Sage nach, in eine Ziege verwandelt, das Baby Zeus in einer Höhle versteckte und säugte und ihn somit vor der Ermordung durch seinen Vater Kronos beschützte).  In der Mitte des Garten steht ein Rundtempel – das Erstlingswerk von Georg von Knobelsdorff, später bekannt als Baumeister von Schloß Sanssouci in Potsdam.

Vorbei geht es an der Stadtmauer und dem Stadtmuseum, welches wir morgen besuchen werden.

Der moderne Teil des Stadtmuseums

Nun kommen wir zur Bilderbogenpassage in der ehemaligen Druckerei von Gustav Kühn. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Neuruppiner Bilderbögen in ganz Europa bekannt.

Bilderbogenpassage

Es handelte sich hier um bunte preiswerte Druckbögen mit verschiedenen Themen (erbauliche und deftige Geschichten, aktuelles Zeitgeschehen, religiöse Motive), die in fast jeden Haushalt vorhanden waren.

Neuruppiner Bilderbogen

Wir durchwandern die Bilderbogenpassage, in der es heute verschiedene Läden gibt und landen in der geographischen Mitte der Stadt. Das besondere: hier steht nicht, wie sonst eine Kirche, sondern das Alte Gymnasium.

Altes Gymnasium

Nach dem verheerenden Stadtbrand und ganz im Sinne der Aufklärung, sollte hier ein Zeichen zur Wichtigkeit der Bildung gesetzt werden – es wurde ein Gymnasium neu erbaut mit dem Gibelspruch Civibus Aevi Futuri (Den Bürgern des künftigen Zeitalters). Auch Fontane, Schinkel, Genz und Eva Strittmatter gingen hier zur Schule.

Weiter geht es nun vorbei an der Löwenapotheke, dem Geburstshaus Fontanes in der ehemaligen Apotheke seines Vaters – heute ein Privathaus mit Apotheke und nicht zu besichtigen.

Daneben findet man die wunderschön kuschelige Fontanebuchhandlung. Es folgt die Pfarrkirche St. Marien, die heute als Kulturkirche ein Veranstaltungsort ist – auch wir werden hier heute Abend noch eine Lesung besuchen.

Pfarrkirche St. Marien

Vorbei am Schinkel-Denkmal gehen wir Richtung Neuer Markt.

Schinkeldenkmal

Hier findet man den ältesten Teil der Stadt mit Fachwerkhäusern, die vom Stadtbrand verschont wurden. In der Mitte des Platzes ein riesiger wunderschöner Spielplatz mit großzügigen Kletternetzen, Wasseranlagen mit Pumpe und Sandbaggern.

Blick auf den Neuen Markt

Wir entdecken an einer Ecke ein Weinhaus und lassen uns hier zu einem kurzen Imbiß mit gutem Weißwein nieder.

Nun geht es durch die Siechengasse (ehemalige Hospitalstraße mit Kapelle) zurück zu unserem Hotel.

Siechengasse

Neben dem Hotel am See is noch die Stahlskulptur „Parzival am See“ bemerkenswert.

Zurück zu unserem Hotel am See
Parzival am See

Den Rest des Nachmittags verbringen wir in der schönen Soletherme mit Außensolebecken und Seesauna. Danach haben wir Karten für eine Fontanelesung in der Kulturkirche: Rainald Grebe und Tilla Kratochwill lesen aus den Ehebriefen von Theodor und Emilie Fontane.

Lesung in der Pfarrkirche

In kurze Zeit bekommen wir einen tiefen Einblick in das damalige Leben des Paares und in ein Stück Zeitgeschehen. Die Familie lebte fast durchgehend in prekären finanziellen Verhältnissen. Fontane schlug sich als Journalist und Korrespondent durch und verbrachte einige Jahre getrennt von seiner Frau Emilie in London, die währenddessen alleine die Kinder großzog. Den literarischen Durchbruch erzielte Fontane erst mit den bekannten Romanen seines Spätwerkes (da war er schon über 70 Jahre alt). Deutlich wird in den Briefen auch, daß Emilie ihm eine kluge und ebenbürtige Partnerin war. Die mit viel Humor vorgetragenen Briefwechsel, die teilweise ganze Wortgefechte waren, werden uns noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. Wir lassen den Abend in der Kaminbar des Hotels ausklingen.

Über den Neuen Markt zurück ins Hotel

Am nächsten Morgen besuchen wir die Ausstellung Fontane200 im Stadtmuseum.  Die wunderbar kuratierte Ausstellung ist ein Fest für alle, die Sprache und Worte lieben – Fontane war ein gewaltiger Wortkünstler, der auch gerne neue Worte erfand und viel mit Stilistik und Interpunktion spielte.

Impressionen der Ausstellung Fontane200

Wir tauchen ein in diese Wortwelt. Wir erfahren etwas über Fontanes Schreibwerkstatt, besuchen den Effie Briest Raum (hier kann man den Roman noch einmal ganz anders über Worte erschließen) und erfahren viel über Fontane und seine Hobbies. Eine sehr empfehlenswerte und unterhaltsame Ausstellung.

Im Effie-Briest-Raum

3. Unterm Birnbaum auf Schloß Ribbeck

Vielen ist das Kindergedicht Fontanes „Herr Ribbeck vom Schloß Ribbeck im Havelland….“ bekannt.

Fontane‘s berühmtes Gedicht

Auf der Rückfahrt von Neuruppin beschließen wir an dieser Kultstätte der Birne halt zu machen. Ribbeck ist ein kleines malerisches Dorf, zentriert um das ehemalige Herrenhaus der Ribbecks – heute Museum (Neueröffnung der Fontaneausstellung am 1. Mai 2019), Standesamt, Restaurant.

Schloß Ribbeck

Museumseingang mit Riesenbirne

Für das Museum sind wir leider zu früh (April), aber wir bewundern schon die Riesenbirne am Museumseingang und genießen ein spätes Mittagessen im sehr guten Restaurant. Natürlich stehen hier viele der Speisen im Zeichen der Birne. Ich trinke eine Prosecco mit Birnenpüree, danach einen Salat mir Spargel, Erdbeeren und Birnendressing und eine Portion Wildbratwürstchen mit Birnensenf und Birnensauerkaut. Alles sehr köstlich.

Birnenmenü auf Schloß Ribbeck

Wir besuchen noch die klein ehemalige Hofkirche der Familie Ribbeck.

Kirche Ribbeck

Der Rest des Originalbirnenstamms auf der Familiengruft

Davor war auch der Standort des berühmten Birnenbaums (Anfang des 20. Jahrhunderts vom Blitz vernichte). Ein Stück Originalstamm des Baumes ist noch in der Familiengruft der Kirche zu bestaunen. Ganz im Fontanefieber kehren wir zurück nach Brandenburg.

 

Grüne Soße – Comedy- Wein – Zu Gast beim 12. Frankfurter Grüne Soße Festival

Die Frankfurter Grüne Soße ist das bekannteste Nationalgericht unserer Region – und es gibt so viele Varianten davon wie Köche, die sie zubereiten. Die sieben Kräuter – Schnittlauch, Borretsch, Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer, Petersilie und Kresse – sind Pflicht,  aber alle anderen Beimengungen, ob Jogurth, Sahne, Mayonnaise, Eier usw. bleiben dem Koch überlassen, so daß immer eine ganz spezielle „Grie Soß“ entsteht.

Überall frisch: die Kräuter für die Grüne Soße

Seit 12 Jahren versucht das Frankfurter Grüne Soße Festival, die Besten der Besten der Grünen Soße Köche zu finden und dann jeweils aus ihnen den Jahresieger zu küren. Die Veranstaltung findet jedes Jahr im Mai in einem riesigen Festzelt am Frankfurter Roßmarkt statt. 7 Tage lang kochen jeweils 7 Gaststättenbetriebe (vom Luxushotel bis zur Kantine)  ihre Grüne Soße, die dann in Blindverkostung vom Publikum beurteilt wird. Die jeweiligen Tagessieger treten dann am 8. Tag im Kampf um die Krone an.

Wir sind mit einer Gruppe von Freunden schon seit Jahren Stammgast dieses Spektakels – dieses Jahr haben wir zum ersten Mal Karten für das Finale .

An der Hauptwache vorbei gehen wir ins Zelt zum Rossmarkt.

Anton Le Goff (die Bühnenidentität der Kabarettistin Maja Wolff, die auch die Gründerin des Festivals ist) eröffnet die Show und der Saal brodelt.

Auch Hilde aus Bornheim mit ihrer Kittelschürze ist jedes Jahr dabei

Es gibt Wein, Bier und Äppler satt, heute von einem Weingut aus der Ortenau, die sich wohl leider verkalkuliert haben, da der Rosewein schon nach eine Stunde alle ist. Die Show beginnt mit den „Preußen“, die mit „Frau Rauscher in der Klappergass“ Stimmung machen.

Danach erleben wir einen grandiosen Auftritt der einmaligen Gayle Tufts, die unter anderem auch Donald Trump scharf ins Visier nimmt.

Nun werden die Finalisten vorgestellt. Neben renommierten Restaurants und Hotels sind diesmal auch 2 Restaurants mit ausländischer Küche dabei: die Prager Botschaft und die Cocina Argentina – ob denen wohl eine gute Grüne Soße gelingen kann? Immerhin waren beide schon Tagessieger.

Alle Finalisten auf der Bühne

Und nun beginnt das Spektakel: das fleißige Personal schleppt hunderte von Tabletts mit Grüner Soße herein.

Jeder bekommt sieben nummerierte Gläschen mit dem verschiedenen Grünen Soßen.

Dazu gibt es Pellkartoffeln, gekochte Eier und von der Kabarettistin Hilde aus Bornheim, die jedes Jahr in ihrer Kittelschürze zu Gast ist, auch Fleischwurst.  Die Künsterin Sabine Fischmann begeistert uns mit auf Grüne Soße umgetexteten ABBA Songs (zum Beispiel: „Die Soße schmeckte nicht, sie war sein Leibgericht nach „The Winner takes it all“).

Nun geht es ans probieren:

Diesmal ist es besonders schwer: während man bei den Tagesentscheiden schnell 2-3 Soßen ausschließen kann, sind heute alle 7 (da ja Tagessieger) wirklich gut . Langsam kreise ich mich auf 2 Soßen ein: die 7 und die 5.

Wir wissen ja nicht, von wem sie sind.  Schließlich entscheide ich mich für die 7 und einige unserer Freunde auch und fülle meinen Stimmzettel entsprechend aus.

Der Stimmzettel

Weiter geht es im Programm, Anton Le Goff und alle Künstler begeistern uns mit ihrer Comedy und nehmen uns mit auf eine Grüne-Soße-Reise durch die Welt: wir kommen unter anderem nach  England, Frankreich, Australien, Rußland, Finnland, Argentinien (zu den Klängen von Evita) und Kenia.

Alles spitzt sich auf den Höhepunkt zu – der Verkündung des Festivalsiegers. Der Saal kocht und man kann hier von einer 100% Wahlbeteiligug ausgehen, was man für die anstehende Europawahl nur erhoffen darf.

Es ist soweit, die Köche kommen auf die Bühne und es gewinnt – die Cocina Argentina – mit der Nummer 7. Wer hätte das gedacht – die Argentinier gewinnen beim urdeutschen Gericht. Die Argentinier feiern auf der Bühne und verkünden, daß sie nun den Chimichurri in ihrer Cocina mit grüner Soße ersetzen werden müssen.

Die Festivalsieger – Cocina Argentina

Es kommt zum großen Finale: das Publikum singt die Grüne Soßen Hymne „Über sieben Soßen mußt du gehen…“ nach den Klängen von Karat („Über sieben Brücken“). Hier darf aus urheberrechtlichen Gründen leider nur das Publikum singen.

Die Grüne Soße Hymne

Es war wieder mal ein tolles Erlebnis. Mit einem zufriedenen Lächeln verlassen wir das Zelt und laufen noch kurz hinüber zum Hotel Flemings  um dort auf der schönen Dachterasse noch einen Absacker zu trinken – und freuen uns schon auf das nächste Mal.

Die Dachterasse des Flemings lockt
Mit grandiosem Nachtblick auf Frankfurt

Grüne Soße Festival: jedes Jahr im Mai auf dem Roßmarkt bei der Frankfurter Hauptwache. Karten in 2019 zu 79 Euro inklusive Comedy, Essen und Trinken. Die Karten werden ab ca. November für das darauffolgenden Jahr vorverkauft und da das Festival immer ausverkauft ist, lohnt sich schnelles Handeln.

 

 

10 Dinge, die man in Vietnam erlebt haben muß

Als Nachlese zu unserer Vietnamreise möchte ich hier noch einmal meine persönlichen Highlights teilen: 10 Dinge, die man in Vietnam erlebt haben muß. Vietnam ist immer eine Reise wert und eignet sich auch gut für Asieneinsteiger und für Familien. Es ist ein sehr sichereres Reiseland und läßt sich auch individuell gut bereisen – wenn auch die Sprache eine Barriere darstellen kann. Wir haben auf die Organisation von For Family Reisen gebaut und damit die Möglichkeit gehabt, in 2 Wochen das Land wirklich intensiv zu erleben, inklusive Begegnungen mit Künstlern, Handwerkern und Hilfsorganisationen, die man wohl so als Individualreisender nicht bekommen würde.  Mit unserem Reiseführer Do erhielten wir auch tiefe Einblicke in Kultur, Geschichte und Küche dieses tollen Landes. Da das Meer in Vietnam nie weit ist, lohnt es sich auf jeden Fall, den einen oder anderen Tag in einem Strandresort zu verbringen. Hier gibt es viele hochwertige Hotels. Einzig eine Fahrt ins Mekongdelta haben wir auf dieser Reise nicht im Programm gehabt. Das werden wir sicher noch nachholen, vielleicht auch in Kombination mit Laos oder Kambodscha.

Meine 10 persönlichen Highlights

1. Halongbucht

Diese magische Meereslandschaft inmitten von Karstfelsen im Golf von Tonking darf auf keiner Vietnamreise fehlen.  Die Bucht hat eine unbeschreibliche Aura und es ist geschickt, eine Reise hier ausklingen zu lassen, um noch einmal den Kopf freizubekommen und alle Erlebnisse zu verarbeiten. Es ist wichtig, mindestens eine Nacht auf einer Dschunke zu verbringen um die Abendstimmung und den Sonnenuntergang zu erleben.

2. Auf den Spuren Ho-Chi-Minh‘s in Hanoi

Wenn man die Geschichte Vietnams verstehen möchte, kommt man an dem vom Volk verehrten Revolutionsführer und ehemaligen Präsidenten Ho-Chi-Minh nicht vorbei. In Hanoi kann man auf seinen Spuren wandeln. Besonders spannend: sein Wohnhaus, seine Arbeitsräume und das Mausoleum in dem beerdigt wurde

3.  Essen in einer vietnamesischen Suppenküche

Wir sind Liebhaber der köstlichen vietnamesischen Küche, aber vor allem die wunderschönen Nudelsuppen haben es uns angetan und wir haben gelernt, diese durchaus schon zum Frühstück zu verspeisen. Am besten schmecken sie in den kleinen lokalen Suppenküchen wo sie direkt frisch zubereitet werden.

4. Die Tunnel von Vinh Moc

Die bewegende Geschichte des vietnamesischen Volkes im Freiheitskampf des Vietnamkrieges kann man besonders gut in diesen engen Tunneln nachvollziehen, in denen ein ganzes Dorf mehrere Jahre unter der Erde gelebt hat

5. Kaiserpalast von Hue

Ein Klein-Beijing erlebt man im Kaiserpalast von Hue mit seinen weitläufigen Anlagen. Hier kann man die bewegte Geschichte der Kaiserdynastien und das damalige Leben bei Hofe inmitten faszinierender Architektur nachverfolgen.

6. Thien Muy Pagode

Die hohe Pagode am Parfümfluß gibt einen tiefen Einblick in das Leben buddhistischer Mönche, die man hier bei ihrem Tagesablauf beobachten kann

7. Ein vietnamesischer Kochkurs

Der Kochkurs auf einem Boot war eines unserer besonderen Highlights. Hier haben wir viele Tipps aus der sehr schmackhaften vietnamesischen Küche mitgenommen, die wir dann zu Hause nachgekocht haben. Besonders schön, dabei auf einem Boot über den Fluß zu schippern.

8. Laternenstadt Hoi An

Diese farbenfreudige kleine Stadt ist nicht umsonst Weltkulturerbe. An den alten Häusern läßt sich die Geschichte der Kaufleute nachvollziehen. Abends ist die Stadt verzaubert durch das bunte Licht der vielen Seidenlaternen.

9. Wasserpuppentheater

Eine wunderschönen, traditionelle Kunst, die man einmal gesehen haben muß. Die Aufführungen sind sehr lustig und unterhaltsam. Ein Besuch im Wohnhaus des Puppenspielers gab uns auch interessante Einblicke in das Leben der Einwohner von Hanoi.

10. Fahrrad fahren in Vietnam 

Vietnam is wunderbar mit dem Fahrrad zu erkunden. Nichts ist entspannter als das Gleiten durch die grünen Reisfelder mit ihrem speziellen Rauschen. Und auch eine Fahrt durch den Stadtverkehr sollte man einmal probiert haben.

Damit schließt sich meine Reisebericht durch dieses tolle und sehr vielseitige Land. Falls Ihr eine Vietnamreise plant helfe ich gerne mit unseren Erfahrungswerten weiter. Falls Ihr selbst schon in Vietnam wart, freue ich mich, auch Eure Erfahrungen zu hören.

 

Mythos Halongbucht – märchenhafte Tage auf der Dschunke

Heute starten wir zum letzten großen Abenteuer und Highlight unserer Vietnamreise – wir fahren in die Halongbucht.  Am Golf von Tonking ist hier über die Jahrtausende eine mythische und ikonische Landschaft durch aus dem Meer herausragende Karstkegel entstanden. Sieht man ein Bild von der Halongbucht, wird es von jedem sofort erkannt und richtig zugeordnet. Das Spiel der Farben und des Lichts gibt der Bucht zu jeder Tageszeit eine unverwechselbare mythische Stimmung. In der Mythologie wird die Bucht auch Drachenbucht genannt (Ha Long bedeutend „herabsteigender Drache“)

Auf dem Weg zur Bucht machen wir einen Zwischenstopp an einer Perlenfarm (Perlen werden an versteckten Plätzen in der Halongbucht gezüchtet).

Es ist etwas kommerziell aber wir erfahren viel Wissenswertes zum Thema. Wir können direkt einigen Arbeiterinnen über die Schulter schauen, die die Perlmuscheln öffnen, Perlen entnehmen und dann die Muscheln wieder verschließen.

Auch über die verschiedenen Farben und Qualitäten erfahren wir einiges. Natürlich kann man hier auch die berühmten Halongbucht-Perlen, zu Schmuck verarbeitet, erwerben.

Wir erreichen Ha-Long Stadt, das Tor zur Bucht und Abfahrthafen der Dschunken. Die Stadt selbst ist eine Industriestadt mit angeschlosssenem Tiefseehafen.

Aufgeregt besteigen wir unsere Dschunke – ein komfortables kleines Kreuzfahrtschiff im traditionellen Dschunkenstil mit Platz für ca 30 Passagiere – und fahren los.  Nach wenigen Minuten sehen wir die ersten Ausläufer der Karstgebirge und werden sofort in eine meditative Stimmung versetzt. Das langsame Gleiten der Dschunke durch die verzauberten Karstlandschaft bringt sofortige Entspannung. Immer wieder gibt es wunderschöne neue Aussichten.

Ich habe schon einmal eine faszinierende Flußlandschaft mit Karstkegeln in Guilin in China erlebt. Die Stimmung war ähnlich aber die Halongbucht spielt dennoch in einer anderen Liga.  Hervorragend an Bord auch das Essen – mit einem Fokus auf Meerestiere, wird hier dem insgesamt köstlichen vietnamesischen Essen noch einmal eine Krone aufgesetzt. Ein weiteres Highlight sind die Tischdekorationen mit z.B. riesigen Feuervögeln aus Karotten geschnitzt.

Ein Feuervogel aus Karotten geschnitzt

Am Nachmittag haben wir Gelegenheit zum Besuch des schwimmenden Fischerdorfes Cua Van. Hier leben seit vielen Generationen knapp 1000 Menschen auf Hausbooten in einer stillen von Karstkegeln umgebenen Bucht.

Wir steigen von der Dschunke um in kleine Fischerbote, die von Einheimischen gestakt werden und gleiten langsam durch die wundersame Welt. Die Sonne brennt, es gibt keinen Schatten und deshalb tragen auch wir alle den typischen konischen vietnamischen Spitzhut der uns hier sehr praktisch Schatten spendet. Einziger Nachteil: es ist sehr schwierig nach rechts oder links zu sehen ohne den kompletten Kopf zu drehen. Die einheimischen Bootsführer selbst sind komplett verhüllt inklusive Händen und Gesicht. Nur die Augen schauen heraus.  Wir genießen die Fahrt und bewundern die Einwohner, die hier leben.

Traditionelle Dschunke

Es gibt sogar einen kleinen schwimmenden Tante-Emma-Laden. Dort erwerben einige von uns direkt vom Boot aus ein paar Dosen Bier – sehr zur Freude der Einwohner.

Zurück an Bord können wir weiter die Landschaft genießen. Auf dem Oberdeck gibt es viele tolle Plätze zum Verweilen.

Dann kommt die mystische Abendstimmung. Das Licht wird weniger und fast minütlich wird die Bucht in neues faszinierendes Licht getaucht. Wir stehen und staunen. Unser Schiff geht nun auch vor Anker.

Es wird Abend in der Halongbucht

Ein Highlight für die Kinder ist die Möglichkeit, im Nachtlicht kleine Tintenfische zu angeln. Tatsächlich beißt der eine oder andere an.

Zum Frühstück werden uns die Tintenfische dann als köstliche Crabcakes serviert.

Wir genießen einen langen Abend auf dem Oberdeck der Dschunke  – es ist ja auch unsere letzte Nacht in Vietnam.

Nach nur 4 Stunden Schlaf zwinge ich mich wieder zum Aufstehen. Man kann nicht in der Halongbucht sein und den Sonnenaufgang verpassen. Gegen 5 Uhr gehe ich noch im Schlafanzug aufs Oberdeck. Das erste Licht kommt, aber noch ist es komplett neblig. Dann, ganz langsam geht die Sonne auf und es wird unbeschreiblich magisch.

Ich habe noch nie so ein transluzentes Licht gesehen. Ich kann einfach nur Staunen. Um 6 Uhr verwandelt sich dann unser Schiffskommandant in einen Thai-Chi Meister und ich komme mit wenigen anderen, die es auch aus dem Bett geschafft haben in den Genuß einer unglaublichen Thai-Chi Stunde auf Deck vor der Kulisse der Halongbucht.

Gleich um 7 Uhr wartet das nächste Highlight – wir können entweder Kajak durch die Bucht fahren oder die faszinierende Pelikangrotte Hang Bo Nau besuchen. Die Kinder und meine Mann fahren Kajak, die Oma bleibt an Bord und ich entscheide mich für eine Wanderung zur Grotte.  Mit einem kleinen Boot landen wir an der Karstinsel mit schönem keinen Sandstrand an. Dann geht es steil berghoch bis etwa auf halbe Höhe des Felsens und von hier in eine wunderschöne Grotte, die wir durchqueren, am Ende der Grotte wartet der wohl schönste Blick auf die Halongbucht – ich sehe die Karstfelsen und unser Schiff. Das Foto von hier wir zu einem der begehrtesten Fotomotive für alle.

Mein schönstes Foto der Halongbucht

Rückwärts verweile ich noch etwas am Strand und sehe meine Kinder im Kajak vorübergleiten.

Nach diesen ganzen Highlights ist jetzt Zeit für eine gutes  Frühstück und wir genießen die zweistündige Rückfahrt nach Halong Stadt.

Halong Stadt wieder in Sicht

Weiter geht es mit dem Bus nach Hanoi, wo wir in einem wunderschönen Restaurant mit Blick auf den Hoan Kiem See und das geschäftige Treiben der Stadt noch ein herausragendes Abschiedsdinner genießen.

Ein letztes Mal köstliche Sommerrollen

Danach müssen wir uns leider von unserem tollen Führer Do verabschieden und nehmen den Nachtflug nach Deutschland, voll von tiefen Erinnerungen and dieses wunderschöne und freundliche Land.

Ho-Chi-Minh – Literaturtempel – Wasserpuppentheater – Erlebnisse in Hanoi

Nach einem kurzen Flug landen wir heute in Hanoi. Die Hauptstadt mit ihrer über tausendjährigen Geschichte und ihren scheinbaren Gegensätzen zieht uns sofort in ihren Bann. In guter friedlicher Koexistenz sehen wir kommunistische Kontrolle neben unbändiger Lebensfreude mit westlichen Einflüssen. Die einstige französische Kolonialzeit hat auch europäische Spuren hinterlassen.

Unser Hotel, das wunderschöne MK Premier Boutique Hotel, liegt direkt in der historischen Altstadt. Dorthin geht es nur zu Fuß. Wir verlassen also unseren Bus und ziehen mit unseren Koffern durch die lebendigen, engen Gassen – was für ein tolles Gefühl: wir sehen die typischen Bambustragestangen, kleine Geschäfte und Restaurants vor denen auf Miniplastikhockern und nur in der Hocke, die Einwohner stundenlang verweilen; um die Ecke werden jemandem auf der Staße die Haare geschnitten – überall ist geschäftiges Treiben.

Eindrücke aus der Altstadt von Hanoi

Nach einem sehr köstlichen Mittagessen begeben wir uns auf eine Stadtrundfahrt in kleinen Elektroautos. Wir fahren durch die engen Straßen, die, wie auch schon in Saigon, immer einem bestimmten Handwerk gewidmet sind, vorbei geht es an der Oper, der St. Josephs- Kathedrale bis zum Hoan Kiem See im Zentrum der Stadt. Dieser See ist ein beliebter Treffpunkt der Einwohner. In seiner Mitte erhebt sich eine kleine Insel mit dem sogenannten Schildkrötenpavillon, der auf die Legende von der goldenen Schildkröte und dem wundersamen Schwert zurückgeht. Im See hat tatsächlich bis 2016 eine sehr seltene 200kg schwere Jangtse-Riesenschildkröte gelebt. Wir haben sie also um nur 1 Jahr verpaßt. Ihre Überreste werden heute im Jadebergtempel ausgestellt, den man über eine rote Brücke vom Ufer aus erreichen kann. In diesem Tempel wird neben anderen Gottheiten auch Van Xuong, der Gott der Literaten verehrt.

Brücke zum Jadebergtempel
Oper von Hanoi
St. Josephs Kathedrale
Bekannter Markt in Hanoi. Hier findet man alles vom Räucherstäbchen über kandierte Ingwerscheiben bis zum Lotusblütentee
Immer wieder sehen wir die ordentlich in Reih und Glied abgestellten Mopeds

Vom Hoan Kiem See ist es nur eine kurze Taxifahrt zum Ho-Chi-Minh Mausoleum  – hier ruht der einbalsamierte Leichnam des ehemaligen Präsidenten und weltweit bekannten Revolutionsführers, der von allen liebevoll „Onkel Ho“ genannt wird.

Interessant ist, daß der eher bescheidene Ho eigentlich verfügt hatte, daß er nach seinem Tode verbrannt werden sollte. Dies wurde dann aber von seinen Nachfolgern anders entschieden. Das Mausoleum ist gigantisch groß und soll an Ausmaßen sowohl das Leninmausoleum (das kann ich bestätigen) als auch das Mausoleum von Atatürk in Ankara übertreffen. Das Mausoleum ist heute geschlossen. Trotzdem erwarten die Ordnungshüter auch bei Außenbesichtigung dezente Kleidung – fast wie in einer Kirche. Einige von uns müssen sich mit Tüchern die Schultern bedecken.  Hinter dem Mausoleum findet sich der sehr interessante botanische Garten, darin auch der Präsidentenpalast und das bescheidene Wohnhaus Ho-Chi-Minh‘s.

Wohnhaus Ho-Chi-Minhs

Eigentlich stand ihm der Palast, ein ehemaligen Prachtbau aus der französischen Kolonialzeit,  als Wohnung zur Verfügung, er aber begnügte sich mit einem einfachen traditionellen Stelzenhaus, welches wir besichtigen können. Als Junggeselle hatte er sehr geringe Ansprüche an persönlichen Luxus.  Daneben das Bürohaus mit seinem Arbeitszimmer. Hier hängen noch die Bilder von Marx und Lenin über dem Schreibtisch.

Daneben kann man in Garagen Luxuskarossen – Geschenke von anderen Staaten – besichtigen. Wir machen noch Rast an der  Einsäulenpagode,  und fahren danach zurück ins Hotel.

Die Einsäulenpagode

Dort entspannen wir im SPA, es gibt Massagen und auch der sehr große Whirlpool kann stundenweise exklusiv gebucht werden – ein guter Swimmingpoolersatz für die Kinder. Es wird Abend und wir lassen uns auf der wunderschönen Dachterasse des Hotels nieder – von hier oben hat man einen tollen Blick auf das geschäftige Leben in den engen Gassen, das am Abend erst so richtig los geht. Es gibt spannende Cocktails, z.B. mit Gurke und wir lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Blicke von der Dachterasse über die Dächer der Altstadt
Schmackhafter Cocktail mit Gurke

Ganz früh brechen wir heute zum Keramikdorf Bat Trang auf. Wir fahren längeren Zeit durch das moderne Hanoi mit seinen hohen Rohrhäusern und modernen Hochhäusern.

Fahrt durch das moderne Hanoi

Neben uns auf der Straße wird wieder jede Menge Fracht auf abenteuerlichste Weise transportiert. Bat Trang ist tatsächlich einen Besuch wert – es ist eine Hochburg der Keramikkunst in Vietnam. Es gibt unzählige Manufakturen mit angeschlossenen Verkaufläden mit sehr geschmackvollen Werken.

Die Ware wird sorgfältig verpackt

Auch wir dürfen die Schritte der Porzellanherstellung nachvollziehen und selbst das eine oder andere ausprobieren. In der Manufaktur gibt es auch eine wunderschöne Antikabteilung mit herausragenden, aber auch sehr teuren Kunstwerken.

Zurück in Hanoi besuchen wir den Literaturtempel. Dieser ist praktisch Vietnam‘s erste Universität. Seit 800 Jahren werden hier konfuzianische Weisheiten gelehrt. Die Anlage ist weitläufig und sehr interessant.

Im LIteraturtempel

Immer wieder taucht die Schildkröte als Symbol der Weisheit auf – auch als Grabstein für berühmte Gelehrte. Die Seitenhöfe sind mit wunderschönen Lotusblütenteichen bestückt.

In Vietnam lernen wir auch, was man alles aus Lotusblüten machen kann. Besonderen schmackhaft: Tee aus Lotusblüten und Lotusblütenchips – beides kaufen wir auch in der Altstadt von Hanoi ein und nehmen es mit nach Hause.  Zum Mittagessen besuchen wir noch einmal eine typische Suppenküche – diesmal eine, die in der Regel wirklich nur von Einheimischen besucht wird – wir alle sind inzwischen Fans der vietamesischen Nudelsuppe Pho geworden und auch wenn die Tische und Bänke etwas klebrig sind, lassen wir es uns sehr gut schmecken.

Frische Gewürze in der Suppenküche

Das Highlight des Tages ist unser Besuch in einem Wasserpuppentheater. Durch enge Gassen arbeiten wir uns vor bis zum Wohnhaus des Puppenspielers.

Durch enge Gassen gelangen wir zum Haus des Wasserpuppenspielers
Kabelsalat wie in Saigon

Es ist ein enges 3-stöckiges Haus. Im Erdgeschoß die Küche, die gleichzeitig als Garage für das Moped dient.

Im ersten Stock die Werkstatt und das Wohnzimmer in dem wir von unserem sehr freundlichen Gastgeber auf einen Tee eingeladen werden. Im 3. Stock dann das Wasserpuppentheater.  Die Tradition des Wasserpuppenspielens kommt eigentlich vom Lande, wo in den Reisfeldern zur Belustigung der Dorfbewohner mit Holzpuppen die durch Stangen bewegt werden, kleine Theaterstücke aufgeführt werden. Die Puppenspieler stehen demnach auch die ganze Zeit im Wasser.  Wir nehmen in dem kleinen Minitheater Platz, vor uns ein kleiner Wasserteich, dahinter ein geschlossener Vorhang.

Und schon geht es los – Boote, Drachen, Figuren und Motorräder flitzen durch den Teich, untermalt von halsbrecherischer Musik, ab und zu spuckt auch mal ein Drachen Wasser.

So werden verschiedene kleine und extrem lustige Stücke vorgeführt, die alle auch immer eine kleine Weisheit enthalten. Zum Schluß öffnet sich der Vorhang. Der Puppenspieler und sein Bruder kommen zum Vorschein.

Danach dürfen wir selbst ausprobieren, ob wir die Puppen im Wasser bewegen können. Wir gehen wieder einen Stock tiefer in die spannende Werkstatt, wo wir erfahren, wie in vielen intensiven Schritten die wasserdichten Figuren aus Holz entstehen.

Blick in die Werkstatt

Die Werkstatt enthält auch fertige, toll bemalte Figuren.

Begeistert kehren wir zurück in die Altstadt. Wir streifen noch ein wenig durch die tollen verwinkelten Gassen- immer wieder stöbern wir in einem kleinen Laden oder besichtigen ein Gemeinschaftshaus. So stoßen wir auch auf ‚Ca-tru“. In einem Gemeinschafthaus wird ein Konzert in dieser altertümlichen Musik ausgelobt. Wir entscheiden uns, für den Abend Karten zu kaufen. Ca-tru ist eine uralte poetische Gesangskunst, die vor über 1000 Jahren bei Hofe entstand. Während der kommunistischen Herrschaft wurde sie fast vergessen, so daß sie kaum noch jemand beherrschte. Erst 2009 wurde Ca-tru auf die UNESCO Liste zum Schutz immateriellen Kulturerbes gesetzt und erlebte damit eine Wiederbelebung.  Ein Ensemble hat in der Regel mindestens eine Sängerin, die auch gleichzeitig mit Stäbchen rhythmisch auf ein Bambusstück schlägt und Musiker, die die Laute und eine Trommel spielen.  Das Gemeinschaftshaus ist nur 300 Meter von unserem Hotel entfernt und gespannt machen wir uns auf den Weg. Wir sind von der Darbietung begeistert. Mit ganz wenigen Mitteln zaubert das Ensemble mit toller, feiner Musik eine fast meditative Stimmung. Wir könnten noch ewig zuhören.

Unser Ca-tru Ensemble

Es ist Brauch, daß man am Anfang des Konzerts 3 Stöckchen bekommt. Nach jedem Musikstück wird eine Metallschale herumgereicht und wenn einem das Stück gefällt, kann man 1, 2 oder auch alle 3 Stöckchen in die Schale werfen. An der Intensität des Klangs der Schale hören die Interpreten, wie dem Publikum die Darbietung gefallen hat – je lauter, desto besser. Früher konnten diese Stöckchen dann von den Künstlern nach dem Konzert in Geld umgetauscht werden. Wir sind auf jeden Fall begeistert und müssen aufpassen, daß wir nicht alle Stöckchen schon am Anfang verbrauchen. Am Ende der Konzerts dürfen wir dann auch noch selbst die Instrumente ausprobieren. (Guan Yu Temple – 28 Hang Buom St.)

Nach einem kleinen Abendessen auf der Dachterasse und Blicke ins bunte Treiben der Altstadt lassen wir den Tag ausklingen. Morgen geht es zur letzten Etappe in die mythische Halongbucht.

Auf den Spuren des Vietnamkrieges und auf Tuchfühlung mit dem Taifun – Erlebnisse in Zentralvietnam

Am frühen Morgen verlassen wir Hue mit dem Bus und fahren nach Norden in die Provinz Quang Tri. Unterwegs bringt uns Do geschichtliche Hintergründe des Vietnamkrieges nahe.  Wir lernen hier viel dazu.

Unser erstes Ziel ist das Projekt „Peace Trees Vietnam“ in der Provinz Quang Tri. Diese Provinz gehörte zu einem der am stärksten bombardierten Gebiete unweit der entmilitarisierten Zone (DMZ) und auch heute sollen sich noch ca. 800.000 (!) Blindgänger in der Erde befinden. 40% aller Bomben im Vietnamkrieg gingen alleine in dieser Provinz nieder und auch heute noch sind 85% des Geländes von Minen verseucht. Das Ziel dieser gemeinnützigen Organisation ist vor allem das Befreien der Erde von gefährlichen Bombenblindgängern, um damit das Land sicherer Nutzung zurückzuführen. Damit soll auch eine bessere Zukunft für vietnamesische Kinder und deren Familien geschaffen werden – man muß sich vor Augen halten, daß draußen spielen für die Kinder in diesen Gebieten lebensgefährlich ist. Die Organisation wurde 1995 von 2 U.S. Amerikanern gegründet, deren Bruder, ein Hubschrauberpilot, im Vietnamkrieg gefallen war. Mehr Informationen unter  http://www.peacetreesvietnam.org

Wir besuchen die Organisation und erfahren zunächst mehr über die Arbeit des Team. Es ist unvorstellbar, was hier von über 40 Jahren geschehen ist und welche lebensgefährliche Altlast hier immer noch im Boden schlummert. Wir sehen auch eine Auswahl der unterschiedlichsten Minen und Bomben, die hier aus dem Boden geholt wurden.

Zum Abschluß pflanzen alle Kinder aus der Gruppe einen eigenen Baum auf bereits von Minen gesäubertem Gebiet.

Wir fahren weiter und kommen zum 17. Breitengrad. Hier waren bis 1975 auf Veranlassung der Genfer Konvention, Nord-und Südvietnam auf einer Breite von 10km entmilitarisierter Zone voneinander getrennt.   Nördlich und südlich dieser Zone fanden demnach auch die heftigsten Bombardements statt, was die Situation in der Provinz Quang Tri erklärt. Eine Brücke, die über den ehemaligen Grenzfluß führt, ist in 2 Farben gestrichen, um die Grenze zu zeigen.

Wir erleben einen weiteren Teil der Geschichte des Vietnamkrieges hautnah bei den Tunneln von Vinh Moc.  Um den vorher schon beschriebenen Ho-Chi-Minh-Pfad zu unterbrechen, wurden von den Amerikaners viele Dörfer entlang der Flüsse dem Erdboden gleichgemacht. Damit wurde die Nachschublinie jedoch nicht unterbrochen. Am Beispiel von Vinh Moc kann man sehen, wie ganze Dörfer, von den Amerikaners unbemerkt, ihr Leben unter die Erde verlegt haben. In Vinh Moc gruben die Dorfbewohner ein 40 km langes Tunnelsystem 15-23 Meter tief unter der Erde und verlegten dorthin ihr tägliches Leben. Sie kamen nur nachts an die Oberfläche und ermöglichten damit die Unterstützung für den Nachschub auf dem Ho-Chi-Minh Pfad am Fluß. Mehrere Jahre lebte so ein ganzes Dorf unter der Erde. Es gab Schulen, Schutzbunker, Versammlungsräume und Krankenstationen. Jede Familie hatte einen Raum von 2 Quadratmetern.

300 Meter dieses Tunnelsystems sind heute begehbar. Auch wir steigen in den engen Tunnel.

Eingang zum Museumstunnel

Es ist unglaublich, das hier Menschen für 4 Jahre komplett gelebt haben. Sogar 17 Kinder wurden in dieser Zeit geboren. Der Tunnel endet in einem Ausgang am Meer. Wenn man von der Meerseite schaut, ist der Eingang unter Pflanzen kaum zu erkennen.

Aus dem Tunnelsystem geht es raus zum Meer
Versteckter Tunnelausgang

Beeindruckt und nachdenklich fahren wir weiter nach Dong Hoi. Hier ist Vietnam am schmalsten. Nur 50km sind es zwischen dem Meer und Laos. Wir erreichen unser Hotel, das Sun & Spa Resort & Villa. Es ist eines der ersten Adressen der Stadt aber trotz allem Luxus etwas in die Jahre gekommen und auch die Servicequalität ist geringer als in deren vorhergehenden Hotel. Wir lassen uns davon nicht stören. Wir machen einen Abstecher zum Meer und beenden den Tag mit einem köstlichen Abendessen im Hotel.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg in den Phong Nha Nationalpark. 2 Höhlenbesichtigungen stehen auf dem Programm. Vom Himmel jedoch stürzen sich schon stundenlang Wassermassen – der Saigoner Regen war nichts dagegen.

Deshalb wird heute auch eine der Höhlen nicht besuchbar sein, da sie zu hoch mit Wasser gefüllt ist. Wir genießen trotz des Regens eine beeindruckende Fahrt durch die Berglandschaft des Nationalparks.

Immer wieder fahren wir an Pfefferplantagen vorbei, die Pfefferpflanzen winden sich fast wie Efeu um Bäume oder eigens bereitgestellte Pfähle. Wir halten an der Paradise Cave und steigen bei strömendem Regen hinauf zur Höhle. Heute hilft auch kein Regencape mehr – am besten sind Sandalen oder Badeschuhe ohne Strümpfe.

Die Höhle ist von beindruckenden Ausmaßen, wir steigen tief hinunter und bewundern die Formationen.

Abstieg in die Paradise Cave

Etwa 1 km lang können wir in die Höhle hinein wandern. Nach all der Sintflut werden wir mit einem tollen Mittagessen belohnt: auf ca 1 Meter großen flachen Körben wird ein leckeres Mahl bestehend aus Fleisch, Gemüse, diversen Reissorten und Bananen auf unseren Tisch gestellt.

Auf der Rückfahrt zum Hotel sehen wir die für die Gegend typischen Friedhöfe mit großen Keramikgräbern.

Do erzählt uns noch etwas zum Gesundheitssystem Vietnams. In der Regel muß jeder selbst für eine Großteil der Gesundheitskosten aufkommen. Deshalb versuchen alle Vietnamesen möglichst gesund zu leben und auch viel Sport zu treiben. Auch Do sagt, daß er zu Hause jeden Morgen läuft und im Meer schwimmt, um sich fit zu halten.

Zurück im Hotel hat sich die Wetterlage nicht gebessert. Es kündigt sich ein Taifun an. Die Bäume liegen schon schief vom Sturm.

Wir können nicht widerstehen und gehen kurz in die Nähe des Strandes (ganz ran trauen wir uns nicht) und sehen hier schon die Urgewalten und Wellen toben.

Schnell zurück im Hotel sehen wir schon, wie das Hotelpersonal das Gebäude sturmfest macht. Alles Eingänge Richtung Meer werden verbarrikadiert.

So im Hotel „gefangen“, bleiben wir hier,  um Abendbrot zu essen. Wir probieren heute einen Seafood-Hot-Pot. Eigentlich hatten wir ein fertiges Gericht erwartet. Anstelle dessen kommt eine Gasplatte auf unseren Tisch mit einem Topf voll heißer Fischbrühe. Dazu ganze Platten mit herrlich frischem Seafood, Berge von Kräutern und Nudeln. Nun sollen wir uns den Hotpot selbst kochen.

Nach anfänglichen Problemen klappt das ganz gut, wir haben unseren Spaß und das Essen schmeckt köstlich. Nur das Wasser rinnt in Strömen von uns, denn der heiße Topf mit Flamme direkt vor uns läßt die 90% Luftfeuchtigkeit und 40 Grad gleich doppelt schwül erscheinen.

Nun heißt es bangen, wie stark der Taifun werden wird und ob wir morgen früh überhaupt nach Hanoi fliegen können.

 

Kaiserpalast-Drachen-Mönche – 2 Tage in Hue

Heute fahren wir mit dem Bus über den Wolkenpass nach Hue. Der Wolkenpass (Hai Van) macht seinem Namen in der Regel alle Ehre und ist auf den Höhen in Wolken gehüllt. Wir haben Wetterglück und können von oben wunderschöne Aussichten zurück in die Bucht von Da Nang und in die Lagune von Lang Co genießen, in der wir später noch Halt machen werden.

Blick vom Wokenpass auf die Lagune Lang Co

Do gibt uns schon einen Vorgeschmack auf die geschichtlichen Begegnungen zum Vietnamkrieg, die wir in den nächsten Tagen noch haben werden und berichtet vom Ho-Chi-Minh Pfad, der logistischen Versorgungsroute der vietnamesischen Volksarmee im Indochinakrieg und während des Vietnamkrieges. Über dieses Netzwerk an Straßen aber auch teilweise versteckten Bergpfaden wurden Unmengen von Transporten von Nord-nach Südvietnam abgewickelt.  Die Amerikaner versuchten, die Route regelmäßig durch Bombardements zu unterbrechen aber die Lücken wurden sofort wieder geschlossen und die Transporte liefen weiter. Do erzählt, daß die Route oft durch bewaldete Bergpässe führte – um nicht sichtbar zu sein, fuhren die Transporte nachts. Als einziges Licht dienten kilometerlange Reihen von Einheimischen die kleine Glühwürmchen in ihren Händen hielten, um den Weg zu markieren. Wir halten an der Lagune Lang Co, die durch ihre feinen Sandstrände und die lokale Austernzucht und Perlmuttkunst bekannt ist. Gefischt wird in traditionellen runden Booten.

Gegen Mittag treffen wir in der alten Kaiserstadt Hue ein. Hue war Vietnam‘s letzte Königsstadt. Die derzeitigen Bauten stammen aus der Nguyen Dynastie aus dem 16./17. Jahrhundert.

Blick auf die Zitadelle

Die Königsresidenz wurde nach chinesischem Vorbild erbaut, sozusagen ein Mini-Beijing. So finden wir klassisch die Äußere Stadt (Zitadelle), darin die ummauerte Königsstadt und darin wiederum die purpurne Verbotene Stadt.

Eingang Königspalast

Die Anlage ist unheimlich weitläufig und die feuchte Hitze macht sich bemerkbar. Gut, daß wir unseren Regenschirm als Sonnenschirm umfunktionieren können.  Der Palast ist beeindruckend.

Untermalt von den spannenden Erzählungen Do‘s besichtigen wir den ganzen Komplex. Zwischendurch suchen wir immer mal wieder Schatten in den wenigen Innengebäuden.

Der letzte König Tu Duc konnten leider keine Kinder haben und damit endete dann die Unabhängigkeit Vitetnams im 19. Jahrhundert und die Kolonialisierung durch die Franzosen begann. Neben den tollen Gebäuden gibt es auch wunderschöne Gartenanlagen mit weitläufigen Sonnenblumenbeeten und blühenden Lotusteichen.

Heute bekommen wir auch eine kleine Sprachstunde über die sehr schwer erlernbare vietnamesische Sprache. Obwohl die Schrift von uns lesbar ist, hat die Sprache durch ihre vielen Tonhöhen große Tücken für Ausländer. An der Silbe „Ma“ demonstriert uns Do, daß durch verschiedene Tonhöhen (die durch die Sonderzeichen über den Buchstaben gekennzeichnet werden), 5 verschiedene Wörter mit komplett unterschiedlichen Bedeutungen möglich sind.

Nun geht es auf eine Fahrradrikschafahrt durch die Stadt und wir können unsere müden Beine ausruhen. Hue ist sehr schön und architektonisch mit der umgebenen Flußlandschaft des Parfümflusses verwoben.

Am späten Nachmittag checken wir dann in unser wunderschönes Hotel Pilgrimage Village ein. For Family Reisen hat wirklich eine gute Hand für besondere Hotels, die auch Kindern Spaß machen. Das Pilgrimage Village ist ein ökologisches Resort unter japanischer Leitung und fügt sich direkt in die Landschaft ein. Es gibt einen riesigen in die Natur eingebetteten Pool mit Poolbar und Außenanlagen.

Resort Pilgrimage Village, Hue

Am Abend gibt es noch ein weiteres Highlight – wir sind zu Gast im Haus und Park der bekannten vietnamesischen Künsterin Boi Tran, die nach dem tragischen Tod ihres Sohnes ihr Haus für Kunststudenten und Besucher geöffnet hat. Neben ihrer Galerie mit eigenen und erworbenen Werken kann man hier speisen und den wunderschönen Garten besuchen. Regelmäßig finden auch Workshops statt. Wir besichtigen zunächst die interessante Galerie und lassen uns dann im riesigen Hauptraum, der fast wie ein Schloßsaal wirkt, für eine köstliches Abendessen nieder.

Gemälde von Boi Tran
Im Speisesall bei Boi Tran

Kurz erscheint auch die Künstlerin für ein kleines Gespräch. Mehr Informationen unter  http://www.boitran.com

Am nächsten Morgen besteigen wir ein buntes Drachenboot (ähnlich einem Katamaran aber mit tollen Drachendekorationen) und fahren auf dem Parfümfluß Richtung Thien Mu Pagode.

Auf dem Parfümfluß

Die Pagode wird noch immer von Mönchen betrieben. Wir gehen hier an Land und steigen die Stufen zum Pagodenkomplex empor.

Es blühen gerade die Frangipani-Bäume und wir können diese Blüten, die oft in Parfüms eingesetzt werden, zum ersten Mal in der Natur erleben.

Frangipani-Blüte

Wir können das Leben der Mönche hautnah beobachten, ihre Gebete und auch das beeindruckende rituelle Mittagessen mit Gebeten und Gesängen.

Interessiert schauen wir uns den langen Tagesablauf der Mönche an – auch 2 Unterrichtseinheiten Kung-Fu sind täglich dabei.

Tagesablauf der Mönche

Das Kloster beheimatet eine kleine Ausstellung über den buddhistischen Mönch Bo Tat Thich Quang Duc der sich während der Buddhistenkrise in den 60er Jahren,  in der die Buddhisten von der südvietnamesichen Regierung verfolgt wurden –  in Saigon öffentlich selbst verbrannte – dieses Bild ging 1963 um die Welt und sorgte für internationalen Druck auf die südvietnamesische Regierung.

Im Kloster gibt es auch einige kleinere Jungen. Diese werden oft als Waisen oder Kinder sehr armer Familien aufgenommen. Bis zu ihrem 14. Lebensjahr können die Jungen entscheiden, ob sie dauerhaft im Kloster bleiben wollen. Den Unterschied erkennt man am Haarschnitt:  ist der Kopf schon komplett glattrasiert, dann ist die Entscheidung für das Kloster gefallen, sind am Kopf noch einige Haarbüschel vorhanden, gibt es noch keine Entscheidung.

Beindruckt besteigen wir wieder unser Drachenboot und fahren noch ein Stück weiter. An einer Pomelo-Farm steigen wir wieder aus. Wir laufen durch lange Pomelo-Haine – momentan sind die Früchte jedoch noch nicht reif – man findet Pomelos hier oft in Salaten und auch als Saft.

Pomelo-Bäume

Wieder haben wir die Möglichkeit zu einer wunderschönen Radtour. Entspannt fahren wir durch kleine Dörfer und Reisfelder – es macht Spaß.

Schließlich kommen wir zu einer Seidenmalerei und können hier dem Künstler über die Schulter schauen. Interessant ist, daß der Künstler in der Regel zwei Bilder identisch auf einmal malt und danach die Leinwand entsprechend trennt – so hat er dann in schnellerer Zeit 2 Bilder.

Unsere Kinder sind von den farbenfrohen Gemälden so beeindruckt, daß wir jedem ein kleines Bild kaufen. Nun geht es zurück zu einem köstlichen Mittagessen auf der Pomelofarm. Ich trinke zum Abschluß noch einen schmackhaften Tee aus frischem Lemongrass und Ingwer,

Zurück geht es nach Hue – zum nächsten Highlight: wir dürfen bei einem Drachenbau-Altmeister einen echten traditionellen Drachen basteln: zur Auswahl stehen verschiedene Vögel oder ein Schmetterling.

Im Wohnzimmer des Drachenmeisters mühen wir uns, die feine Konstruktion nachzubauen.

Mit Hilfe des Meisters schaffen wir es und jedes Kind darf dann seinen Drachen mit nach Hause nehmen. Wir fragen uns, wie wir die ca 1-2 Meter großen Kunstwerke transportieren sollen – der Meister zeigt uns eine Falttechnik und in wenigen Minuten ist der Drachen auf ein ganz kleines Maß zusammengeschrumpft.

Mit Hilfe eines Videos werden wir den Drachen dann zu Hause wieder aufbauen und auch tatsächlich mehrere Male erfolgreich fliegen lassen. Die Drachenbaukunst hat eine lange Tradition in Asien. Die Kunst des Drachenbauens wurde in den Familien weitervererbt. Der Urgroßvater unseres Meisters war z.B. Drachenbauer beim König von Hue. Drachensteigen in den Reisfeldern war ein beliebter Zeitvertreib bei Hofe. Auf Wunsch der Gruppe besuchen wir noch einen schönen Markt in Hue und bestaunen die frischen Obst-und Gemüsesorten.

Do zeigt uns die Mangostane – die wir aus Deutschland nicht kennen – eine sehr schmackhafte Frucht.

Mangostane, gegessen wird das weiße Fruchtfleisch

Wir kaufen noch ein paar Räucherstäbchen, die wir als Souvenir mit nach Hause nehmen. Sie sind im Sommer auf der Terasse gut, um Mücken zu vertreiben.

Zurück in unserem wunderschönen Hotel entspannen wir am Pool und beenden den Abend mit einem guten Essen im Hotelrestaurant.

Am nächsten Morgen stehe ich etwas früher auf und nehme an einer Tai-Chi Stunde am Pool teil. Danach geht es erfrischt auf zu unserer nächsten Etappe nach Zentralvietnam.

Laternen-Schneider-Reisfelder – 3 Tage in Hoi An

Heute wollen wir ganz früh nach Da Nang fliegen – doch am Flughafen wird unsere Geduld erst einmal auf die Probe gestellt, unser Flug ist verspätet und letztendlich geht es erst mittags los. Wir landen und fahren zunächst durch die Geschäftsstadt Da Nang, vorbei an der goldenen Drachenbrücke und einem großen Riesenrad in unser Hotelresort „Palm Garden Resort“ am Strand. Wir haben hier für die nächsten 3 Nächte eine wunderschöne Bleibe mit großzügigen eleganten Bungalows direkt am Meer.

Palm Garden Resort Hoi An

Das ist wirklich Urlaubsfeeling. Nach einem Begrüßungscocktail im Hotel wollen wir Hoi An einen kurzen Besuch abstatten. Hoi An, die berühmte ehemalige Hafenstadt, besitzt das besterhaltene historische Stadtbauensemble in Vietnam. Damit wurde Hoi An auch zum Unesco Weltkulturerbe und zur wohl meistbesuchten Stadt Vietnams.

Leider regnet es mal wieder aber die Stadt besticht trotz allem durch ihre wunderschönen alten Kaufmannshäuser, die engen Gassen und die tollen Farben, die von den überall aufgehängten bunten Seidenlaternen ausgehen.

Besonders wenn es dunkel wird überzieht sich das Städtchen mit einer wunderschönen Stimmung. So ganz gemütlich ist die Stadttour im strömenden Regen nicht. Deshalb beschließen wir, einen der örtlichen Schneider aufzusuchen. Die Stadt ist bekannt dafür und es ist möglich, sich hier innerhalb von 2-3 Tagen etwas Tolles maßschneidern zu lassen. Wir besuchen das Schneideratelier „bebe“.

Im Schneideratelier „bebe“

Nachdem wir uns erst einmal getrocknet haben, beginnen die ersten mit den Verkäufern in Kontakt zu kommen. Ich beschließe, mir definitv nichts nähen zu lassen. Aber einige aus unserer Gruppe sind dabei. Auch mein Mann möchte einen Anzug mit passendem Hemd haben. Und wie wäre es mit einem schönen Festkleid für unsere Tochter, welches sie dieses Jahr definitiv braucht. Wir werden von Beratern umschwirrt – zunächst geht es um den Schnitt: mit Hilfe von Modezeitschriften und im Gespräch (Englisch)  entstehen erste Zeichnungen.

Erste Entwürfe für das Festkleid

Wenn es eine Einigung zum Schnitt gibt, dann muß man die Stoffe aussuchen. Ganze Ballen von verschiensten Stoffqualitäten, Mustern und Farben werden angeschleppt und zum Schluß geht es an die Vermessung. Dann wird noch der Preis ausgehandelt. Alles in allem sind wir nach 2 Stunden fertig. Morgen abend sollen wir wieder vorbeikommen, zur ersten (und definitiv nicht letzten) Anprobe. Während die anderen diskutieren und aussuchen, schaue ich mir ganz hinten im Atelier die gläserne Nähstube an. Hier sitzen in langen Reihen ca. 30 Näher und Näherinnen in einem unheimlich heißen Raum und nähen. Das sieht auch hier, in dieser recht guten Schneiderei nach harter Akkordarbeit aus.

Es ist nun dunkel und Do lädt uns zu einem leckeren Abendessen in der Altstadt von Hoi An an.

Der Tisch ist voll mit verschiedensten Speisen, so daß wir von allem etwas probieren können. Als Weintrinker komme ich hier in Vietnam nicht so auf meine Kosten. Der Wein ist in der Regel nicht besonders gut und auch sehr teuer. Bessere Alternativen sind vietnamesisches Bier oder die schmackhaften Cocktails, die von den frischen lokalen Fruchtsäften profitieren.

Am nächsten Morgen ist wieder frühes Aufstehen angesagt. Wir machen einen Ausflug auf die berühmten Cham-Inseln. Wir erreichen die Inseln in einer ca 30-minütigen Fahrt mit dem Schnellboot.

Auf Cham leben etwa 3.000 Einwohner, die ihren Lebensunterhalt mit allen, was man im Meer finden kann, verdienen.

Wir wandern über die Insel und staunen, was hier alles zum Kauf angeboten wird – vom kleinen feinen filetierten Fisch, der über Holzkohle brät, bis zu riesigen Tintenfischen und Seeigeln ist alles dabei.

Viele Vietnamesen kommen vom Festland, um hier frisch einzukaufen. Deshalb gibt es mehrere große Märkte, wo in Blechschüsseln alle möglichen noch lebenden Kreaturen angeboten werden. Wir schauen und staunen. An einer Ecke probieren wir schmackhafte süße Reispaste, die in Bananenblätter gewickelt ist.

Nun geht es mit einem kleinen Fischerboot hinaus aufs Meer und wir haben die Möglichkeiten zu schnorcheln. Nachdem wir einige Minuten gemütlich durchs Wasser gleiten und bunte Fische beobachten, kommt plötzlich eine riesige Horde Touristen, die laut durch das Wasser paddeln und damit alle Fische verscheuchen. Zurück am Strand genießen wir ein leckeres Fisch-Mittagessen – frischer geht es nicht –  und machen es uns unter Palmen gemütlich.

Es fühlt sich an, wie in der Karibik.

Wir trinken Kokosmilch aus frisch über uns abgeschlagenen Früchten und genießen  für eine Weile die Stille, bis der Strand wieder von einer riesigen Gruppe chinesischer Touristen eingenommen wird, die sofort ein Karaoke-Festival mit goldenen Mikrofonen veranstalten. Zurück in Hoi-An im Resort gönnen wir uns eine 3 Generationen-Massage: Mutter-Tochter-Enkelin. Am Abend fahren wir noch einmal gemeinsam in die Stadt zum Restaurant „Ms. Vy‘s Kitchen Deli“. Hier sitzen wir direkt am Fluß und es gibt wunderschöne einheimische Küche.

Am Fluß ist abends allerhand los und die Kinder entdecken die Flußgegend. Verschiedene Händler bieten ihre Ware feil und die bunten Seidenlaternen tauchen die Szenerie in einzigartiges Licht.

Man kann kleine Papierboote mit Kerzen erwerben und diese auf dem Fluß schwimmen lassen. Wir schlendern am Fluß entlang und besichtigen die berühmte Japanische Brücke , die auch als Wahrzeichen der Stadt gilt. Mit dem Taxi geht es dann zurück in unser Resort.

Japanische Brücke in Hoi An

Heute ist ein freier Tag ohne festes Program – wir genießen das Resort und baden im wunderschönen Meer. Für den Nachmittag bietet uns Do eine Fahrradtour durch die Reisfelder an. Während meine Mutter und unser Sohn im Hotel bleiben, sind wir dabei.  Zunächst geht es auf Feldwegen durch langgestreckte Reisfelder.

Wir sind fasziniert vom tiefen Grün, dem weiten Horizont und dem fast meditativen Rauschen der Reispflanzen im Wind. Ab und zu steht ein Wasserbüffel am Weg.

Obwohl es kaum Steigungen gibt, verlangt uns die Radfahrt aufgrund der Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit doch Einiges ab. Wir kommen zum riesigen Gemüsegarten einer Kooperative. In langen Reihen werden hier die ganzen köstlichen Kräuter angebaut, die wir schon Stück für Stück kennnenlernen durften.

Besonders für Hoi An bekannt ist das Kraut „Morning Glory“, welches in fast allen Salaten, Suppen, Sommerollen usw. enthalten ist.

Do demonstriert uns das Prinzip der Bewässerung mit der Doppelgießkanne und wir besichtigen ein kleines Museum über das Leben auf dem Land.

Dankbar trinken wir in einem kleinen Café am Rand des Weges ein kühles Wasser.  Nun wird es spannend – wir begeben uns vom freien Feld in den chaotischen Stadtverkehr von Hoi An. Schon das Einbiegen vom Feldweg auf die Haupstraße scheint kritisch. Der Verkehr fließt und es tut sich keine Lücke auf. Wie sollen wir hier jemals rauskommen? Wir beherzigen Do’s Rat „Immer in Bewegung bleiben aber ganz langsam fahren“. Wir geben uns einen Ruck, fahren los und biegen ganz langsam auf die Hauptstraße ab. Es funktioniert tatsächlich: es entsteht Platz und wir können uns in den Verkehr einfädeln. So radeln wir durch die Straßen von Hoi An. Die Gefühle wechseln sich ab zwischen entspanntem Radeln und Furcht, wie man durch den nächsten Verkehrschaospunkt kommt. Mit der Zeit überwiegt jedoch die Entspannung. Wir bekommen Routine.

Einmal in Hoi An, halten wir beim Schneider bebe, um zu schauen, wie unsere Aufträge gediehen sind. Es folgt stundenlange Anprobe, weil hier und dort immer etwas noch nicht sitzt – aber die Sachen sehen schon ganz gut aus. Trotzdem wundern wir uns, ob wirklich alles pünktlich bis morgen Abend fertig werden kann.  Ich genieße die klimatisierten Räume des Schneiders, weil draußen die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit kaum auszuhalten sind. Das Wasser läuft nur so an uns herunter.  Dann schlendern wir noch durch die Gassen der Stadt. Es gibt hier jede Menge Läden in denen mal toll einkaufen kann. Jemand aus unserer Gruppe hat einen Restauranttipp für den Abend und wir treffen uns im „Hoa Tuc“,  welches wieder kulinarisch ein Erlebnis ist.

Hühnersalat mit Pomelo

Ich suche mir aus der Karte den alkoholfreien Cocktail „Cool down on a hot day“ aus. Ich bekommen ein merkwürdig aussehendes Getränk mit der Farbe von Cola und mit eigenartigen gelee-artigen Samen.

Cool down on a hot day

Ich probiere es trotzdem und kann es kaum glauben – innerhalb von 10 Minuten fühle ich mich frisch und kühl, während alle um mich herum schwitzen. Was immer es war, es hat geholfen. Zurück im Resort lassen wir den Abend mit einer Flasche Weißwein am einsamen Strand ausklingen.

Unser letzter Tag in Hoi-An steht ganz im Zeichen des Handwerks. Früh am Morgen wandern wir in ein kleines Dorf zu einer  Laternenwerkstatt.

Auf dem Weg ins Dorf zur Laternenwerkstatt

In diesem Familienbetrieb werden wunderschöne Seidenlaternen hergestellt und jeder Schritt vom Holzkörper bis zum Seidenbezug entsteht in kompletter Handarbeit.

In der Laternenwerkstattt

Wir können selbst eine kleine Seidenlaterne basteln und diese als Souvenir mit nach Hause nehmen.

Unsere eigenen „Kunstwerke“

Danach wartet das Highlight des Tages auf uns. Wir besteigen das Cinnamonboot, fahren auf den Fluß und beginnen unseren vietnamesischen Kochkurs.

Gemeinsam bereiten wir ein komplettes Menü zu. Es gibt die wunderschönen Sommerrollen, dann Banh Xeo  – eine Art gefüllter und gerollte Pfannkuchen in Reispapier (beide Gerichte werden wir tatsächlich zurück in Deutschland mehrfach nachkochen, da es im Asialaden alle Zutaten dazu gibt).

In Wasser aufgeweicht wird das Reispapier formbar
So entstehen wunderschöne Sommerrollen

Wir schnippeln, rollen und schmeißen Pfannkuchen aus der Pfanne zum Wenden in die Luft – was tatsächlich gelingt.

Die Hauptspeise ist ein köstlicher Fisch- und Meeresfrüchte- Topf mit vielen Kräutern.

Wir sind eigentlich schon satt, aber es ist zu köstlich. Zum Abschluß lernen wir, wie man aus Gemüse tolle Dekorationen schnitzt: ein Herz aus Gurken, Blüten aus Möhren und Rosen und Schwäne aus Tomaten – letzteres allerdings erfordert wirklich viel Geschick.

Immer wieder gibt es schöne Ausblicke auf den Fluß

Entspannt und satt verabschieden wir uns von der freundlichen Crew und steigen in Hoi An wieder an Land.

Zurück in Hoi An

Unser Reiseführer Do holt nun noch die Stadtführung mit uns nach, die am ersten Tag wegen des verspäteten Fluges ausgefallen war. Wir besichtigen die tollen Kaufmannshäuser mit ihrer strikt nach Feng-Shui ausgerichteten Bauweise, z.B. die hohen Schwellen, über die man ins Haus steigen muß.  Besonders interessant ist das Tan-Ky-Haus. Dieses große, altehrwürdige Kaufmannshaus steht direkt zwischen Hauptstraße und Fluß. Es hat einen riesigen Innenhof, von dem dann die verschiedenen Wohnräume abgehen.

Wir besuchen die Versammlungshalle Hoi Quan Phuc Kien, eine der größten chinesischen Versammlungstempel der Stadt.

Wir sitzen an einem riesigen Steintisch und Do erklärt uns die verschiedenen Statuen und Versammlungsriten. Nun machen wir noch einen kurzen Abstecher in das Projekt „Reaching Out“ direkt am Fluß: hier wird von Behinderten hergestelltes sehr hochwertiges Kunsthandwerk verkauft. Es gibt tolle Dinge für einen guten Zweck, wie z.B. wunderschönen Silberschmuck und besonders gestaltete Karten. http://www.reachingoutvietnam.com

Nun müssen wir noch mal zum Schneider bebe zur letzten Anprobe. Es ist spät, aber die Schneider scheinen rund um die Uhr aufzuhaben. Die Sachen sind fertig und wir können sie nun mitnehmen. Bei Bedarf kann man die Kleidung auch nach Deutschland schicken lassen. Die maßgeschneiderten Sachen sind toll geworden und werden auch regelmäßig angezogen. Meine Tochter genießt z.B. sehr ihr wunderschönen Kleid, welches definitiv kein anderer hat und das alles zu einem erschwinglichen Preis. Trotzdem muß man recht viel Zeit beim Schneider verbringen, um durch iterative Anproben wirklich in 3 Tagen zu einem guten Ergebnis zu kommen.

Die Gegend um Hoi An ist eine Reise wert – es ist Vietnam pur  – und man könnte hier definitiv noch mehr Zeit verbringen. Für uns heißt es schon wieder Koffer packen. Morgen geht es in die alte Kaiserstadt Hue.