Mittelalterliches Sighisoara und ein Hauch von Dracula

Auch wenn wir auf unserer Transsilvanienreise bewußt nicht auf den Spuren von Dracula wandeln, fahren wir heute  in seine vermeintliche Geburtsstadt Sighisoara (Schässburg). Hier sollen die Eltern des Grafen Vlad Dracul für einige Jahre gewohnt haben und dort soll dann auch ihr Sohn, der spätere Graf Dracul, genannt der Pfähler, zur Welt gekommen sein. Der schaurige Beiname rührte daher, daß Dracul seine besiegten Feinde zu köpfen pflegte und dann deren Köpfe auf die Palisaden seiner Verteidigungsmauern zur Abschreckung aufspießte. Das ist aber auch die einzige Verbindung zum Thema Blut und den kursierenden Vampirgeschichten.

Sighisoara ist ein wunderschön erhaltenes mittelalterliches Städtchen, auch UNESCO Weltkulturerbe, mit 3 Stadtebenen: der Unterstadt und der Oberstadt, die sich wieder in eine Unter-und Oberstadt teilt. Beide Teile der Oberstadt lohnen einen Besuch.

Mittelalterliche Gassen in Sighisoara

Wie beliebt die Stadt bei Touristen ist merken wir sofort: nachdem wir 10 Tage nahezu alleine gereist sind, finden wir uns nun inmitten vieler Touristengruppen wieder.

Wir beginnen unsere Stadttour mit Christian am Schneiderturm.

Stadtaufgang über den Schneiderturm
Rückblick auf den Schneiderturm von Innen

Danach geht es direkt auf den wunderschönen mittelalterliche Marktplatz mit seinen bunten Häusern.

Durchgang zum Marktplatz
Marktplatz
Das Hirschhaus – ältestes Haus am Marktplatz

Das Pflaster in der Stadt ist größtenteils auch mittelalterlich mit großen runden und unebenen Steinen – so daß sich gutes flaches Schuhwerk hier wirklich empfiehlt. Vom Markt laufen wir zum Stundturm, dem schönsten Turm der Stadt.

Stundturm

Im Turm ist auch das historische Museum und eine Aussichtsplattform, die wir später noch besteigen. Es ist gerade 12 Uhr und die Figuren unter der Turmuhr leben kurz auf. Entlang der Klosterkirche mit schönem Blick auf die Unterstadt, geht es vorbei an einer Büste für Dracula zur katholischen Stadtkirche.

Blick auf die Unterstadt mit orthodoxer Kirche
Büste von Graf Dracul
Katholische Kirche

Von hier können wir einen Blick auf einen weiteren schönen Turm werfen, in dem heute ein Radiosender untergebracht ist.

Radiosender im Turm

Unsere Führung endet wieder am Marktplatz und wir haben nun noch Zeit, die Stadt selbst zu erkunden.

Straße zur Schülertreppe

Zunächst laufen wir über die gut 170 überdachten Stufen der Schülertreppe in die obere Oberstadt, auf den Schulberg.

Eingang zur Schultreppe
Blick von oben die überdachte Schultreppe hinunter

Hier befinden sich die Bergkirche, der alte sächsische Friedhof und auch die Bergschule. Das heißt, daß auch alle Schüler sich täglich auf diesen steilen Weg machen mußten und es auch heute noch tun, wenn sie dort ins Gymnasium gehen.

Die Bergschule

Wir besichtigen die Kirche und haben vom Kirchhof eine schöne Aussicht auf die Unterstadt und ins Tal.

Bergkirche

Detail in der Bergkirche
Blick auf den alten sächsischen Friedhof
Blick von ganz oben auf die Stadt und ins Tal

Zurück geht es zum Stundturm, den wir besteigen und man hat von hier tatsächlich einen schönen Rundumblick in alle Richtungen über die Stadt.

Ausblicke vom Stundturm

Blick vom Stundturm auf die obere Oberstadt mit Bergkirche
Mittelalterliches Dächergewirr

Im Turm befindet sich ein sehenswertes historisches Museum. Spannend für uns die Ausstellung über den Weltraumpionier Hermann Oberth im 4. Stock des Museums, der in Medias (14km von Alma Vii) geboren wurde und sich um die Raketenforschung verdient gemacht hat – bei uns in Deutschland ist er allerdings weitgehend unbekannt. In seinem Geburtstort Medias ist ihm ein ganzes Museum gewidmet.

Gleich neben dem Stundturm befindet das venezianische Haus.

Ein wohlhabender Bürger der Stadt war mit einer Venezianerin verheiratet, die Heimweh hatte. Um das zu lindern, baute er das Haus für sie im venezianischen Stil um. Gegenüber befindet sich das vermeintliche Geburtshaus von Graf Dracula, heute ein historisch eingerichtetes Restaurant.

Draculas Geburtshaus
Am Draculahaus drängen sich tatsächlich auch die Touristen

Im zweiten Stock befindet sich das Geburtszimmer von Dracula, welches man für 3 Euro besichtigen kann. Ich will schauen, wie schlimm der Touristennepp wirklich ist und gehe hinein. Über eine dunkle Treppe geht es in einen in dunkelrotes Licht getauchten Raum. Dort liegt ein echter Mensch in einem Sarg, davor 3 brennende Kerzen.

Ab-und zu macht der Sargmensch spontane Gruselbewegungen, die maximal ein kleines Kind erschrecken können. Dann geht es in das eigentliche Zimmer, dort stehen ein großer alter Tisch und einige Draculabüsten.

Das war es auch schon – also wirklich Touristennepp der allerersten Güte. Ansonsten ist Sighisoara aber ein wunderschönes und sehr sehenswertes Städtchen, das auf jeden Fall einen Besuch lohnt.

Auf dem Rückweg halten wir noch im ehemaligen Bischofssitz Biertan. Das Highlight von Biertan ist die riesige und stark befestigte Kirchenburg.

Die meisten Kirchenburgen liegen auf einem Hügel, hier in Biertan liegt die Kirche mitten in der Stadt. Dieser Umstand und der Fakt, daß die Stadt Bischofssitz war, haben zu einer besonders starken Befestigung der Kirche mit 3 Verteidigungsmauern geführt. Der Besuch dieser Kirchenburg lohnt sich auf jeden Fall.

Wir betrachten die interessanten Wehrtürme, ein Mausoleum mit Grabplatten und haben vom oberen Burgwall einen guten Blick auf die 3 Verteidigungswälle und die terrassierten Hügel der Umgebung.

Grabplatten im Mausoleum

Man sieht noch die terrassierten Hügel, Zeugen des ehemaligen Weinanbaus

Im nächsten Turm finden wir das sogenannte Ehegefängnis.  Wenn sich im Mittelalter Ehepaare zu oft gestritten haben, wurden sie gemeinsam in  das Ehegefängnis geschlossen: ein Raum im Turm mit 1 Bett, 1 Stuhl, 1 Gabel, 1 Löffel usw. Hier mußten sie gemeinsam bis zu 4 Wochen ausharren. Wundersamerweise waren danach die Mehrzahl der Eheprobleme wieder gelöst.

Ehegefängnis

Sehenswert auch die große Kirche.

Hier kann man besonders schön die mittelalterliche Sitzordnung erkennen. Vorne auf Bänken ohne Lehne die ledigen Frauen (ihre Kopftracht brauchte am Rücken so viel Platz, daß eine Banklehne störend war), dahinter auf Bänken mit Lehnen die verheirateten Frauen; rechts und links in den Seitenschiffen die Männer, verteidigungsbereit falls die Kirche angegriffen wurde. Die Kinder saßen oben auf der Galerie.

Eine weitere Besonderheit ist die Tür zur Sakristei, in der die Kirchenschätze untergebracht waren. Die Tür hat ein riesiges Innenschloß: mit nur einem Schlüssel konnten 19 Verriegelungen gleichzeitig an allen Seiten der Tür ins Mauerwerk gefahren werden. Somit wurde die Sakristei zum Tresor.

Die Tresortür zur Sakristei
Der Schließmechanismus im Detail

Wir schauen uns noch den mittelalterlichen Marktplatz von Biertan an und dann geht es zurück nach Alma Via.

Auch dieser spannende Tag hat uns die Geschichte dieses Landstrichs wieder ein Stückchen näher gebracht.

Wir genießen Marion‘s köstliches Abendessen. Dann senkt sich der Vollmond über die Scheune in Alma Via.

 

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