Tag 1 auf der Ventus Australis – Kap Hoorn und Wulaia Bay

28.12.2018

Heute früh um 6:30 steht fest: das Wetter und der Wind sind heute unsere Freunde – die Anlandung auf Kap Hoorn ist möglich. Das ist ein Glücksfall und bei weitem nicht selbstverständlich. Aufgeregt und bewaffnet mit warmen Klamotten und einer Schwimmweste stehen wir um 7 Uhr bereit. Unser Schiff ankert in einer geschützten Bucht auf der Nordseite von Kap Hoorn- steil und in leichtem Nebel ragt der sagenumwobene Felsen vor uns empor. Es regnet in Strömen und wir besteigen unseren Zodiac. Da ich zwar eine gute Trekkinghose aber keine wasserdichte Regenhose dabei habe, bekomme ich beim Hinsetzen im Zodiac sofort einen nassen Hintern, der mich dann auf meiner Kap Hoorn Tour begleiten wird. Wir fahren durch Regen aber auf ruhiger See in wenigen Minuten zur Anlandestelle. Eine Offizier der chilenischen Küstenwache, der hier für 1 Jahr mit seiner Familie Dienst schiebt, begrüßt uns mit Handschlag. Dann geht es direkt über 100 glitschige Holzstufen steil hinauf auf den Felsen.

Im Gänsermarsch geht es direkt vom Zodiac über 100 Stufen steil nach oben

Magische Momente auf Kap Hoorn

Zuerst gehen wir nach rechts zum Denkmal des Albatros. Diese wurde zu Ehren aller an Kap Hoorn ertrunkenen Seeleute errichtet. Der Sage nach, verwandelt sich jeder tote Seemann in einen Albatros.

Albatros-Denkmal

Über morsche Bretterstege geht es danach zum Leuchtturm. Hier lebt der Offizier der chilenische Küstenwache mit seiner Familie inklusive eines kleinen Babies. Das Haus ist weihnachtlich geschmückt. Daneben gibt es eine kleine Kapelle.

Leuchtturm Kap Hoorn
Ein Blick in die Stube der Leuchturmwärter

Wir sind an der Nordseite des Kap Hoorn angelandet. Eine Umrundung bietet die Ventus Australis aufgrund der extrem rauen Seee nicht an. Wir genießen noch etwas die Stimmung an diesem mystischen Ort und treten den Rückweg an.

Nachdem wir unsere nassen Sachen losgeworden sind, gönnen wir uns erst einmal ein kräftiges Frühstück.  Wir fahren wieder zurück Richtung Ushuaia und Beagelkanal. Nach dem Mittagessen haben wir die Möglichkeit zur Besichtigung  der Brücke. Wir sehen moderne Navigation im Zusammenspiel mit einer altmodischen Papierkarte und nautischen Instrumenten in der unser Kurs genau vermerkt wird.

Auf der Brücke
Seekarte auf der Brücke

Am späten Nachmittag landen wir in der Wulaia Bucht.

Landung Wulaia-Bucht
Alte Radiostation in der Wulaiabucht- heute ein Museum

Diese Bucht war eine wichtige Kultstätte der Yagans. Dieses indigene Volk waren See-Nomaden, die auf Kanus lebten und nur im Notfall und für rituelle Handlungen anlandeten. Sie waren ausgezeichnete Navigatoren – Domäne der Frauen – und schafften es sogar, in ihren kleine Kanus das Kap Hoorn zu umrunden. Aufgrund des ständigen Regens trugen die Yagans keine Kleidung aber suchten immer die Nähe des Feuers um sich zu wärmen, sogar in den Kanus führten sie es mit sich. Der Name Wulaia kommt aus der Yagansprache und bedeutet „schöne Bucht“, so wie Ushuaia „Bucht nach Westen“ bedeutet. Leider sind die Yagans durch westliche Zivilisationskrankheiten ausgerottet worden. Weitere indigene Stämme Patagoniens waren die Yamanas und die Selk‘nam.

Replica eines Yagan-Tipi

Wir haben gutes Wetter und brechen zu eine wunderschönen Wanderung durch den subantarktischen Wald in die Berge auf.

Wanderung auf Wulaia

Unterwegs lernen wir einiges über die Flora und Fauna kennen: Besonders häufige Bäume sind z. B.  die Coigüe – ein immergrüner Baum aus dessen Rinde die Yagans ihre Kanus fertigten. Dann gibt es noch die Lenga und den Feuerbusch.

Feuerbusch

Besonders interessant ist der Baumparasit „Indian Bread“, ein Pilz aus dem auch heute noch Gerichte, wie Salate, zubereitet werden. Diesmal probiere ich ihn: die Haut der Pilzes fühlt sich wie Gummi an und ist hart zu durchbeißen – ansonsten ist der Pilz komplett geschmacksneutral.

Indian Bread

Oben auf dem Berg werden wir mit vielen grandiosen Ausblicken über die Insel und die Wulaiabucht belohnt. Es ist großartig. Unser Führer bewegt uns  zu einem sogenannten „Patagonian Moment“  – einige Minuten kompletter Stille mit Blick auf die Natur. Es fühlt sich sehr bewegend an.

Ausblicke auf die Wulaiabucht

Auf dem Rückweg begutachten wir noch einen Biberdamm. Die Biber wurden im letzten Jahrhundert von Kanada nach Patagonien gebracht, um Biberfarmen für die Züchtung von Fellen aufzubauen. Da der Biber hier jedoch keine natürlichen Feinde hatte, geriet er nicht in Streß und sein Fell wurde nicht glänzend. Daraufhin wurden die Biberfarmen wieder eingestellt und die Biber einfach in die Freiheit entlassen. Hier wurden sie zur großen Plage und zerstören durch ihre Bautätigkeit den Wald. Die Naturschützer müssen sich jetzt damit auseinandersetzen, wie man den Biber wieder los wird.

Mit vielen tollen Eindrücken kehren wir zum Schiff zurück. Wir sehen noch einen faszinierenden Dokumentarfilm über den Polarforscher Shakleton und gehen nach einem guten Abendessen müde ins Bett.

Morgen wartet die Gletscherwelt der patagonischen Fjords auf uns.

 

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